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05.03.2007

Wir sind alle Verbrecher

Lieber Dr. T., Apple-Chef Steve Jobs sagt, dass das Digital Rights Management (DRM) für Musik-Downloads nicht funktioniert und abgeschafft werden soll. Was halten Sie denn von solchen Kopierschutzmechanismen?

Ich finde DRM großartig! Musik hören macht doch gar keinen Spaß, wenn man nicht vorher 17 Lizenzverträgen zugestimmt, den Computer einem mehrstündigen Aktivierungsprozess unterzogen und mehrere als Music Player getarnte Rootkits installiert hat. Meiner Ansicht nach gibt es noch viel zu wenige Produkte, die vor dem hemmungslosen Zugriff des Nutzers geschützt sind. Nehmen Sie beispielsweise Wohnungen: Mieter können ein- und ausgehen, wann immer sie wollen, und sogar Besucher mitbringen. Das kann doch nicht im Sinne des Vermieters, der Kirche und der Weltwirtschaft sein!

Ich bin mit dieser Meinung übrigens nicht allein. "Die Lösung besteht darin, die Verbreitung DRM-geschützter Kanäle zu beschleunigen, nicht darin, sie abzuschaffen" - sagt beispielsweise Fred Amoroso. Er muss es wissen, schließlich verdient Amorosos Firma Macrovision eine Viertelmilliarde Dollar im Jahr mit "Value Management", also DRM-Systemen.

Was mir am besten an DRM gefällt, ist die Logik dahinter: "Jeder ist ein Raubkopierer - wenn wir ihn nicht davon abhalten". Das macht endlich Schluss mit dem libertinär-bürgerlichen "In dubio pro reo", das wir den dekadenten Römern zu verdanken haben. Jeder Mensch ist ein Verbrecher, solange er uns nicht das Gegenteil beweist. "In dubio Guantanamo", das muss Rechtsgrundlage unseres Systems werden! Wer beispielsweise einen Computer kauft, ist ein potenzieller Kinderpornographie-Herunterlader und hat die prompte Online-Untersuchung seiner Festplatten selbst zu verantworten. Tourist und Terrorist - das klingt nicht nur ganz ähnlich, das ist praktisch auch dasselbe. Wussten Sie, dass der menschliche Körper aus 80 Prozent Wasser besteht? Nicht auszudenken, was passiert, wenn man diese Menge Flüssigkeit an Bord eines Flugzeugs schmuggelt. Passagiere, die sich nicht als harmlos ausweisen könnten, sollten deshalb sofort gesprengt werden.

Die Engländer sind uns in diesem Prozess übrigens mehrere Schritte voraus. Großbritannien ist nicht nur flächendeckend mit Überwachungskameras gepflastert, ab 2010 sollen auch allen britischen Kindern, die älter als zehn Jahre sind, Fingerabdrücke abgenommen werden. Während wir uns also weiter mit minderjährigen Killerspielern herumschlagen müssen, kann der Brite wieder ruhig schlafen. Tu felix Britannia, sagt

Ihr neidischer Dr. T.

P.S.: Dieser Text ist kopiergeschützt und zerstört sich nach dem Konsum selbst!

Dr. T.’s Sprechstunde finden Sie alle 14 Tage in ChannelPartner und online im CP Forum. Sind auch Sie ein potenzieller Verbrecher? Dann senden Sie Ihr Geständnis nicht an Dr .T. (thafen@channelpartner.de), sondern gleich an selbstanzeige@bundeskriminalamt.de!