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Interview


22.09.2000 - 

"Wir sind SAP und Oracle eine Generation voraus"

Mit Craig Conway, President und Chief Executive Officer von Peoplesoft, sprach CW-Redakteur Bernd Seidel

CW: Bislang ist Peoplesoft in Europa lediglich mit Personalsoftware ein ernst zu nehmender Gegner für SAP.

Conway: Mit der Version Peoplesoft 8 wird das anders: Wir haben die Applikation von Grund auf neu gebaut und von Anfang an darauf geachtet, ein international einsetzbares Produkt zu entwickeln. Bisher sind wir mit einer Lösung für den US-amerikanischen Markt gestartet und haben diese dann an nationale Gegebenheiten angepasst. Peoplesoft 8 ist mit der ersten Auslieferung bereits in acht Länderversionen erhältlich.

CW: Wer hat die Lokalisierungen vorgenommen?

Conway: Teams in den USA, Deutschland, den Niederlanden sowie aus dem asiatisch-pazifischen Raum haben daran mitgewirkt, aber bereits während der Entstehung des Produktes und nicht erst hinterher. Ein Beispiel: Wir sind weltweit die Nummer eins bei Human-Resource-Management-Systemen (HRMS), hatten bis dato aber keine international einsetzbare Lohn- und Gehaltsabrechnung - Oracle und SAP übrigends genauso wenig. Release 8 umfasst nun eine globale verwendbare Abrechnung.

CW: Warum hat sich dann Daimler-Chrylser jüngst zwar für Ihre Personal-Management-Lösung entschieden, setzt im Bereich Abrechnung allerdings weiterhin auf Paisy von ADP?

Conway: Der Evaluierungsprozess in einem Projekt dieser Dimension - immerhin sollen 150000 Mitarbeiter damit verwaltet werden - dauert lang. Bisher ist es uns nicht gelungen, Daimler-Chrysler auch für unsere Abrechnungssoftware zu gewinnen.

CW: Peoplesoft ist und bleibt also hierzulande ein Anbieter für Personal-Management-Software?

Conway: Der Eindruck ist falsch. Wir wandeln uns von einem HRMS-Softwarehaus hin zu einem Lieferanten für Kunden- und Supply-Chain-Management-(SCM-)Tools. Den Löwenanteil des Produktumsatzes erzielen wir bereits mit unserer Customer-Relationship-Management-(CRM-) Produktlinie.

Mit Peoplesoft 8 werden wir auch außerhalb des HRMS-Umfelds erfolgreich sein. Das neue Produkt basiert auf einer Internet-Architektur - also kein Code auf dem Client, und jede Funktion lässt sich aus einem Web-Browser heraus ausführen. Damit sind wir laut Aussagen von AMR eine Generation weiter als Oracle und SAP.

CW: Wie grenzen Sie sich gegenüber Ihren Konkurrenten SAP und Oracle ab?

Conway: Obwohl wir eine integrierte Lösung anbieten, sind wir Verfechter des Best-of-Breed-Gedankens. Wir können Fremdprodukte dank unserer XML-basierten Integrationstechnik mit unseren Modulen verbinden. Larry Ellisons Aufruf "Anwender, schmeißt eure Anwendungen weg und kauft eine integrierte Suite von uns (Oracle)" ist falsch. Auch wenn User mit ihrem ERP-System unzufrieden sind, können sie nicht einfach wechseln, die Investitionen waren viel zu hoch.

CW: Hierzulande ist das Argument einer Lösung aus einer Hand kaum zu entkräften, auch wenn die Funktionen eines integrierten Systems nur ansatzweise passen.

Conway: Vor zwei, drei Jahren, als ERP-Projekte noch Jahre dauerten, war dies in der Tat ein wichtiges Kriterium. Unser System heute ist offen. Die durchschnittliche Installationszeit eines vollständigen Peoplesoft-Systems beträgt noch fünf Monate. Die Internet-basierte Architektur lässt sich wesentlich einfacher implementieren: Die Ausstattung der Clients mit Frontend-Software entfällt, deren Verwaltung ist dadurch simpler, und dank XML lassen sich Fremdanwendungen leicht anschließen.

CW: Vor rund drei Jahren hat Peoplesoft den SCM-Anbieter Red Pepper geschluckt. In Europa waren Sie mit den Tools bisher erfolglos.

Conway: Seit einiger Zeit bieten wir in den USA eine Suite "SCM in a box" an, bestehend aus unseren CRM- und SCM-Applikationen. Diese ist seit kurzem auch in England erhältlich. Das Angebot richtet sich speziell an mittelständische Betriebe ab einem Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar, da es rasch zu implementieren ist.

CW: Werden Sie SCM in a box auch in Deutschland anbieten?

Conway: Zu 90 Prozent ja. Ganz einig sind wir uns allerdings noch nicht. Dazu muss man wissen, dass bei Peoplesoft nicht nur eine Person die Marschrichtung vorgibt - anders als bei unseren Mitbewerbern SAP und Oracle. Entscheidungen fällen wir im Team. Das dauert zwar manchmal etwas länger, doch sind wir mit dieser Strategie bis dato gut gefahren.