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27.10.2000 - 

Interview

"Wir sind so neutral wie die Schweiz"

Mit Romesh Wadhwani von I2 Technologies sprach CW-Redakteurin Karin Quack

CW: Vor wenigen Monaten hat I2 Technologies das von Ihnen gegründete Softwareunternehmen Aspect Development für mehr als neun Milliarden Dollar übernommen. Was rechtfertigt einen so hohen Kaufpreis für eine Firma, die nur 100 Millionen Dollar Jahresumsatz erwirtschaftet?

Wadhwani: Erstens hatten wir 200 der weltweit größten Unternehmen als Kunden. Zweitens interessierte sich I2 dafür, mit unseren Lösungen für Design, Einkauf und Content sein geplantes Komplettsystem abzurunden. Und drittens war I2 überzeugt, dass wir zusammen ein starkes Management-Team mit gemeinsamen Visionen bilden würden. Außerdem lag unsere Börsenbewertung bei 7,5 Milliarden Dollar. I2 hat also nur 20 Prozent mehr gezahlt.

CW: Etwa gleichzeitig mit der Aspect-Übernahme hat I2 seine Produkt- und Marketing-Strategie radikal geändert: Der Fokus liegt seither auf "elektronischen Marktplätzen der zweiten Generation". Was unterscheidet sie von der ersten Generation?

Wadhwani: Ein Marktplatz der ersten Generation konzentriert sich vor allem auf Ein- und Verkaufstransaktionen für Büromaterial - mit Funktionen wie dem Posten einer Nachfrage oder der Abwicklung einer Auktion. Wir betrachten solche Marktplätze als taktisch. In den Marktplätzen der zweiten Generation hingegen sehen wir die strategische Verwandlung des gesamten Geschäfts. Das ist ein völlig anderer Ansatz, wie das Beispiel Siemens zeigt.

CW: Das müssen Sie näher erklären.

Wadhwani: Heinrich von Pierer möchte aus dem Konzern eines der weltweit effizientesten Unternehmen machen. Zu diesem Zweck will er ihn mit E-Business komplett umkrempeln. Er transformiert alle Prozesse - angefangen vom Design über den Einkauf, die Supply-Chain-Planung und den Verkauf bis zum Service.

CW: Wie kann ein elektronischer Marktplatz die Prozesse verändern?

Wadhwani: Software an sich verändert selbstverständlich keine Prozesse. Andererseits können Sie keine Prozesse verändern, wenn Sie nicht die nötige Technik haben. Ein Beispiel: Während der letzten drei Monate haben wir herausgefunden, dass Siemens zwar hundert Geschäftseinheiten hat, aber eigentlich nur vier Typen von Geschäft betreibt: Produkt-, Projekt-, System- und Service-Business. Der I2-Ansatz sieht vor, für jeden dieser Typen einen Standardprozess zu definieren. Mit Hilfe der "Template"-Technik von I2 lassen sich diese Abläufe in jeder Geschäftseinheit wiederverwenden.

CW: Das hört sich an, als wolle I2 in die Unternehmensberatung einsteigen.

Wadhwani: Wir werden hier mit Siemens Business Systems und IBM Global Services zusammenarbeiten.

CW: Sagten Sie: sowohl mit SBS als auch mit IBM Global Services?

Wadhwani: Ja, normalerweise konkurrieren die beiden miteinander. Aber hier haben wir eine Allianz gebildet, die die Aufgabe der Systemintegration übernimmt.

CW: Eigentlich ist I2 ja eine Partnerschaft mit IBM und dem E-Commerce-Spezialisten Ariba eingegangen. Doch bei Siemens ist Ariba nicht mit im Boot. Stattdessen arbeiten Sie mit dessen Konkurrenten Commerce One zusammen.

Wadhwani: Wir haben Siemens vorgeschlagen, sich mit Ariba zu beschäftigen. Aber Commerce One hatte in einigen Geschäftseinheiten bereits Piloten installiert. Und letzten Endes liegt die Entscheidung beim Kunden.

CW: In Ihren Vorträgen vermitteln Sie den Eindruck, innerhalb der neuen E-Business-Prozesse hätten Systeme für das Enterprise Resource Planning (ERP) keinen Platz mehr. Aber sie werden benötigt, um bestimmte Dinge zu erledigen.

Wadhwani: Sicher brauchen die Unternehmen ERP-Systeme nach wie vor für die Finanzbuchhaltung und für Human Resources - aber nicht mehr für Materialwirtschaft, Distribution, Auftrags-Management und Supply-Chain-Organisation.

CW: Hier stellt sich zwangsläufig die Frage, was Sie von dem APO-Ansatz der SAP halten.

Wadhwani: SAP ist ein gutes Unternehmen, und eines Tages ist APO vielleicht ein gutes Produkt. Aber es ist so eng mit der R/3-Architektur verzahnt, dass es quasi eine geschlossene Lösung darstellt. Wir hingegen sind so neutral wie die Schweiz.

CW: Um Ihre Werkzeuge mit den unterschiedlichen ERP-Systemen integrieren zu können, sind Sie auf die Zusammenarbeit mit SAP & Co. angewiesen.

Wadhwani: Sicher benötigen wir ein wenig Unterstützung von Seiten der ERP-Anbieter. Aber glauben Sie, dass SAP uns die verweigern wird, wenn es um einen Kunden wie Siemens geht?