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09.02.1979

"Wir sind von IBM nicht mehr abhängig"

Mit Robert C. Wilson, President der Memorex Corporation, Santa Clara/USA, sprach Dieter Eckbauer

- Mr. Wilson, wie groß ist der Markt, in dem Memorex tätig ist?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Wir haben gerade in den Vereinigten Staaten einen Prozeß mit IBM geführt, und eine der Schlüsselfragen dabei war die Definition des Marktes. IBM behauptet, er sei, viel größer, als wir denken. Diese Behauptung hilft IBM nämlich zu begründen, daß ihr Marktanteil relativ niedrig ist. Wir denken statt dessen, daß der IBM-Marktanteil sehr groß ist. Es gibt also keine spezifische Definition des Marktes.

- Sind Sie deshalb der Meinung, daß Aussagen über die Größe einzelner Teilmärkte - wie Terminals, Universalrechner, Minicomputer - nicht gemacht werden können?

Ich meine, daß die Teilmärkte sehr eng miteinander verflochten sind. Wir sagen, daß unser Geschäft hauptsächlich die Informations-Speicherung und Kommunikation ist. Wenn Sie jetzt die funktionelle Definition nehmen und sagen, das die ganze Kommunikation und alle Informations-Speicher unser Markt sind, dann handelt es sich doch um einen riesigen Markt. Aber eigentlich kann Memorex diesen Gesamtmarkt nur in einigen Markt-Segmenten befriedigen.

- Nun wurde Ihre Klage gegen IBM zurückgewiesen

...die Sache mit IBM ist noch nicht vorbei. Das Gericht war nicht in der Lage, ein kompetentes Urteil zu fällen. Immerhin waren 9 von 11 Juroren auf unserer Seite. Wir glauben, daß wir die Berufung gewinnen werden. Es wird wahrscheinlich zwei Jahre dauern, bis das Berufungsverfahren abgeschlossen ist. Wenn wir gewinnen, geht die Sache wieder vor eine Jury, und dies könnte noch ein Jahr dauern. Sollten wir dann gewinnen, wird IBM Berufung einlegen - das wird dann weitere zwei Jahre dauern. Und wenn wir dann gewinnen, geht es zum Obersten Gericht, und da wird's wieder zwei Jahre dauern. Es könnten also noch sieben Jahre vergehen, bis die Sache endlich in unserem Sinne entschieden ist.

- Ist der Prozeß Memorex versus IBM überhaupt ein Thema, das die Memorex-Kunden ernstlich beunruhigt?

Nein, sicherlich nicht unmittelbar. Jedoch bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, frei zu wählen - also eine Alternative zu IBM. Einer der Gründe, daß wir IBM verklagt haben, war eben, daß wir diese Freiheit bewahren wollten. Und wenn IBM gewinnen sollte, können sie natürlich - was den Wettbewerb betrifft - ihre Ideen durchsetzen und die Art der Marketing-Maßnahmen bestimmen.

- Diese Furcht scheint uns etwas übertrieben.

Eine endgültige Entscheidung in der Auseinandersetzung Memorex/IBM zugunsten von IBM wurde dann in der Tat die Freiheit der Kunden gefährden.

- Wie wollen Sie den Mixed-Hardware-Markt offenhalten?

Wir glauben, daß unsere Produkte zumindest die gleiche Qualität wie die der IBM haben. Darüber hinaus ist es unser Grundsatz, die Lebensdauer der Produkte, die unsere Kunden kaufen, zu verlängern. Ein Beispiel: Im Fall des 100 MB-Plattenlaufwerks liefern wir ein sehr gutes Upgrade auf 200 MB. Wir haben erst vor kurzem für die 200 MB-Laufwerke ein Feature, das "Intelligent Dual Interface", angekündigt, das die Zugriffsleistung auf Plattenperipherie verbessert. Für unsere im Markt befindlichen Plattenspeicher bedeutet das eine Verlängerung der Lebensdauer. Während also IBM die Produktion einiger Plattenspeichertypen eingestellt hat, haben wir noch einige Funktionen hinzugefügt, so daß sich die Investition des Kunden weiterhin lohnt und ihren Wert behält.

- Alle Memorex-Produkte sind steckerkompatibel zu IBM-Systemen?

Lassen Sie es mich so sagen: Unsere Produkte arbeiten in der IBM-Umgebung. Deshalb ist der Begriff "vergleichbar" nicht genau genug.

- Nun hat IBM vor kurzem Systeme auf den Markt gebracht, die den PCMs, den "Plug Compatible Manufacturers" schwerer zugänglich sind - denken Sie an das System /38 mit seinen in die CPU integrierten Festplatten. Sehen Sie da kein Problem?

Wir glauben, daß die Kunden, die IBM-Systeme einsetzen, zunehmend Fremdprodukte akzeptieren werden, die nicht steckerkompatibel sind. Eine lange Zeit hindurch mußte man - wenn man etwas in der IBM-Umgebung verkaufen wollte - einen direkten Ersatz für das IBM-Produkt liefern, denn die Kunden waren nicht bereit, von den Leistungsdaten des Original-Equipments abzugehen. Jetzt haben sie mehr Vertrauen in sich selbst wie in uns. Deshalb ist es uns heute möglich. Produkte zu vermerkten, die zwar nach wie vor kompatibel, jedoch in ihren Leistungsdaten überlegen sind. Es gibt jetzt auch Mainframe-Hersteller, die in Wettbewerb mit IBM stehen. Auch ihnen werden - wie uns beim Anschluß von Peripherie - Schwierigkeiten gemacht. Schwierigkeiten macht uns IBM, solange ich zurückdenken kann. Wir sind daran gewöhnt, mit diesen Schwierigkeiten zu leben, und ich meine, wir leben nicht schlecht dabei.

- Wenn wir uns den IBM-Gewinn des Jahres 1978 von mehr als drei Milliarden Dollar ansehen und dann die Umsätze der PCMs dagegenstellen, Sonnen wir beim besten Willen nicht sehen, daß sich die Einstellung der Anwender zu gemischten Lösungen geändert hat.

Die Frage der Benutzerakzeptanz ist berechtigt - aber wenn Sie sich die Anzahl der Kunden anschauen, die Alternativen suchen, so können Sie sehen, daß deren Anzahl jedes Jahr wächst. Ich stimme zu, daß sie noch nicht alle Anwender-zugänglich sind, aber die Tatsache, daß Memorex von 450 Millionen Dollar Umsatz im Jahr 1977 auf einiges über 600 Millionen Dollar im Jahr 1978 gewachsen ist, zeigt, daß wir relativ das sicherlich bedeutende Wachstum der IBM übertroffen haben.

- Wie beurteilen Sie die Entwicklung auf dem Speicher-Markt? Wird die Festplatte die Wechselplatte verdrängen?

Der Trend geht zu Fixed-Media-Produkten - und es sieht zumindest so aus, als gehörte den Festplatten in Zukunft der größte Teil des Marktes. Gleichzeitig glauben wir, daß die Wechselplatten ihren Platz im Markt behalten werden. Unsere System-Ingenieure haben im Auftrag von Kunden eine Reihe von Studien durchgeführt, die alle klar aufzeigen, daß die Kombination von Fest- und Wechselplatten für den Kunden vorläufig die ökonomischste Lösung darstellt.

- Welchen Stellenwert hat dann noch das Magnetband in der Memorex-Produkt-Politik?

Magnetbänder sind nach wie vor die Preiswertesten Datenspeicher. Es gibt eine Beziehung zwischen der Zugriffszeit und den Speicherkosten. Unser steigender Auftragseingang, speziell bei Magnetbändern, zeigt, daß für eine Reihe von Anwendungen das Magnetband an Bedeutung eher noch zunimmt.

- Gibt es Pläne bei Memorex, komplette Systeme zu bauen und zu vertreiben - wie Itel?

Nein, zur Zeit gibt es keine konkreten Pläne. Wir denken, daß die Kombination von einer IBM- oder Amdahl-CPU mit Memorex-Peripherie für den Kunden den größten Nutzwert hat.

- Im Januar vergangenen Jahres stimmte der Memorex-Board zu, die europäischen Vertriebsaktivitäten von Telex zu übernehmen. War dies eine gute Entscheidung?

Ich bin sicher, daß es eine gute Entscheidung war. Wir sind jetzt in der Lage, den ganzen europäischen Markt besser zu bedienen. Wenn wir von Deutschland zum Beispiel zwei Karten übereinanderlegten, von denen eine die Telex-Service-Area zeigt und die andere den Memorex-Bereich, dann würden Sie gleich sehen, daß sich diese Karten in idealer Weise ergänzen.

- Zurück zu IBM: Zwar schafft die Marktoffensive des Giganten durch Preissenkungen Platz für Mitläufer. Doch diesen Platz können nur wenige einnehmen, weil das Eintrittsgeld - sprich das nötige Kapital - fehlt. Welche Überlebensrezepte hat Memorex?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten. Erstens, was man bei IBM respektieren muß, ist die Tatsache, daß sie Gewinn macht. IBM hat gute Gewinn-Standards - und solange IBM Profit macht, bin ich sicher, daß auch wir einen Weg finden, uns mit Gewinn auf dem Markt zu behaupten. Die Hardwarepreise fallen seit langem, diese Situation ist nicht neu. Zweitens: Memorex hat seine Produktspektrum diversifiziert. Deshalb sind wir jetzt weniger abhängig von dem, was IBM tut, als wir es noch vor kurzer Zeit waren.

- Steht ein Bubble-Memory-Produkt von Memorex auf der Startrampe?

Wir sehen zur Zeit keine Anwendung für Bubbles in unseren Produktlinien. Vielmehr haben wir auf der Basis des Alternativ-Produktes CCD (Charge Coupled device) unseren Disc-Cache, ein industry first entwickelt.

- Wie wichtig ist der europäische Markt für Sie?

Er ist sehr wichtig. Der internationale Memorex-Markt - also außerhalb der Vereinigten Staaten - macht 45 Prozent unseres Gesamtumsatzes - also fast die Hälfte - aus. Der größte Teil dieser 45 Prozent kommt aus Europa.

- Sind Sie mit den Ergebnissen der europäischen Division zufrieden?

Wir veröffentlichen so etwas nicht. Aber der internationale Gewinn ist fast so groß wie der in den USA.

- Mr. Wilson, können Sie sich eine Kooperation der Memorex Corporation mit anderen Herstellern vorstellen?

Wir sind immer sehr bemüht, mit anderen Firmen zu kooperieren. Wir glauben, daß wir ihnen helfen können und sie uns. Wir haben eine gute Geschäftsbeziehung mit Amdahl zum Beispiel. Wir versuchen, gute Beziehungen mit einer Reihe von Firmen zu haben.

- Eine abschließende Frage: Hat Ihr Aufenthalt in München etwas mit der Firma Siemens zu tun?

Wir hoffen, daß es uns möglich sein wird, einige Produkte an Siemens zu verkaufen. Das ist die einzige Beziehung zu Siemens, die mir bewußt ist.