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17.11.2000 - 

CW-Interview mit Intels Vice President Sales Sean Maloney

"Wir suchen neue Märkte für Hightech-Halbleiter"

17.11.2000

CW: Intel hat mit seiner später zurückgenommenen Gewinnwarnung für erhebliche Irritationen gesorgt. War die Warnung überhaupt notwendig?

Maloney: Auf alle Fälle. Wir hatten ursprünglich für das dritte Jahresquartal in Europa ein höheres Wachstum erwartet, als sich dann einstellte. Tatsächlich war dieses Quartal etwas schwach, letztlich erreichten wir dann doch den Umsatz, den wir ursprünglich kalkuliert hatten. Das Geschäft wächst weiter in gesunden Dimensionen, aber ein Boom ist nicht in Sicht.

CW: Ist das ein Anzeichen, dass sich das PC-Wachstum generell abschwächt?

Maloney: Nein. Abgesehen von 1999 hatte die Branche das stärkste Wachstum seit fünf Jahren. 1999 war ein Ausnahmejahr, an dem man die Entwicklung nicht messen sollte. Das Wachstum könnte sich etwas verlangsamen, aber die Zahlen sehen nach wie vor sehr solide aus.

CW: In den USA wird von einer Durchdringung mit PCs von etwa 60 Prozent gesprochen. Deutet sich eine Marktsättigung an?

Maloney: Nein. Es handelt sich hier um die üblichen Schwankungen. Vor drei Jahren, als etwa jeder dritte Haushalt einen PC hatte, hat man auch schon voreilig aus kleineren Wachstumseinbrüchen geschlossen, dass der Markt gesättigt sei. Wir gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Haushalte einen PC besitzt und dass durchaus 80 Prozent erreichbar sind.

CW: Die Situation ist heute etwas anders als vor drei Jahren. Heute können die User vom PC auf Handhelds, Handys oder in den USA auf digitales Fernsehen ausweichen. Nagen diese neuen Märkte nicht am PC-Geschäft?

Maloney: Nein. Die Kunden verlangen nach wir vor PCs, auch wenn sie immer noch umständlich zu bedienen sind. Außerdem ist Internet-TV weltweit ein Flop. Ähnliches gilt bislang auch für andere Internet-Devices.

CW: Sie haben prognostiziert, dass der Markt insbesondere durch den Verkauf von Servern und Notebooks in Europa angekurbelt wird. Glauben Sie nicht, dass viele Anwender lieber zu einem Handheld-Device oder Handy greifen als zu einem sperrigen Laptop?

Maloney: Nein. In Europa werden weit mehr Notebooks gekauft als Handhelds. Derzeit verwendet auch kaum jemand einen Palm oder ein Handy, um etwa E-Mails abzurufen.

CW: Die Industrie würde nicht Milliarden von Dollar in Handys und andere Kleingeräte investieren, wenn sie dort nicht entsprechende Chancen sähe.

Maloney: Aus meiner Sicht gibt es in Zukunft zwei Internet-Geräte: den PC und das Telefon. Nehmen Sie dagegen das Internet-Fernsehen. Hier kommen zwei Medien zusammen, die nicht zueinander passen. Schon die Textdarstellung ist so schlecht, dass damit niemand E-Mails empfangen oder Web-Seiten lesen möchte.

CW: Je komplexer die Prozessoren werden, desto teurer und fehleranfälliger ist ihre Produktion. Sie haben das mit den Verzögerungen beim "IA 64" und den Rambus-Problemen selbst erlebt. Wie lange funktioniert das Modell noch, alle paar Monate neue leistungsfähigere Chips zu verkaufen?

Maloney: Das sind alles leicht behebbare technische Probleme. Beim Pentium-Bug 1994 war das ähnlich. Damit muss man leben, wenn man Hightech-Produkte entwickelt. Allerdings sind die Kunden heute empfindlicher. Besonders schwierig ist das bei neuen Architekturen wie dem "Itanium"-Prozessor. Hier sind wir ein bisschen im Verzug, aber grundsätzlich läuft alles, wie es soll.

CW: Die ständig wachsenden technischen Anforderungen treiben die Kosten für Chipfabriken in astronomische Höhen. Wird die Fertigung irgendwann unrentabel?

Maloney: Vor derartigen Problemen standen wir immer, aber wir haben uns als erfinderisch erwiesen.

CW: Die Kunden fordern immer mehr Rechenleistung für immer weniger Geld. Verschärft das nicht das Problem?

Maloney: Der Preisverfall hat dieses Jahr aufgehört. Inzwischen geht es weniger um mehr Leistung als um zusätzliche Funktionen in der Software oder um ein aktuelles CD-ROM-Laufwerk. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Es sieht nicht so aus, als ob die Produktionskosten rascher wachsen würden als die Effizienz. Unsere Margen sind nicht gefährdet.

CW: Trotzdem sieht sich Intel wie auch die anderen Hersteller nach neuen Märkten um.

Maloney: Wir entwerfen und fertigen Hightech-Halbleiter. Dafür suchen wir neue Märkte: Internet, Server, Switches und Handhelds. So unterschiedlich sind die Anforderungen dafür nicht.

CW: Computer in Handys dürfen nur wenig Energie verbrauchen und kaum Speicherplatz belegen. Außerdem sollen sie nie abstürzen. Das klingt nicht gerade nach typischen PC-Anforderungen.

Maloney: Für all diese Anforderungen haben wir eigene Produkte und auch eigene Spezialisten. Diese Produkte sind sehr unterschiedlich, aber sie verlangen alle nach einer hohen Kompetenz im Entwerfen und Produzieren von Halbleitern.

CW: Ich bin noch nicht überzeugt. Ihre PC-Chips integrieren immer mehr Funktionen, die ursprünglich Betriebssystem-Aufgabe waren. Verschiedene Endgeräte wie Spiele-PCs oder Handys haben aber ganz andere Anforderungen, was etwa die Grafik betrifft. Entwickeln sich hier die Techniken nicht auseinander?

Maloney: Noch einmal. Wir sind Halbleiterspezialisten, und unser Know-how auf diesem Gebiet hilft uns, Marktführer für die Chips in den verschiedensten Geräten zu werden.

CW: Sie präsentieren sich auf der Systems als E-Business-Anbieter. Was hat ein Chipfertiger hier zu bieten?

Maloney: Wir beliefern das gesamte Internet mit Silizium-Produkten.

CW: Wenn ich Ihrer Argumentation folge, dann ist das Internet also vor allem ein Absatzmarkt für Ihre Chips, die Sie für die jeweiligen Einsatzgebiete nur leicht anpassen müssen.

Maloney: Das habe ich nicht gesagt. Selbstverständlich ist etwa das Reduzieren von Strombedarf ein eigener Bereich, der sich grundlegend von der Grafikunterstützung unterscheidet. Für beides haben wir eigene Organisationen.

CW: Wo ist der Unterschied zwischen einem Chip für Internet-Rechner und einem Rechner in einem lokalen Netz?

Maloney: Man muss in der Lage sein, große Datenströme zu verarbeiten.

CW: Das ist kein Unterschied.

Maloney: Beides sind Kommunikationssysteme, da haben Sie recht. Wide-Area- und Local-Area-Systeme wachsen möglicherweise zusammen. Lassen Sie es mich am Server-Markt erklären. Server können auf zwei Arten skalierbar sein. Entweder verbindet man sie, wie etwa Web-Server, zu Racks. Hierfür empfehlen wir den "Xeon"-Chip. Im Rechenzentrum für große Datenbanken brauchen Sie eine andere Art von Skalierbarkeit, für die sich die Itanium-Architektur eignet.

CW: Zurück zu den neuen Geschäftsfeldern. Sie haben eine firmenübergreifende Gruppe gegründet, die die Möglichkeiten von Peer-to-Peer-Kooperation à la Napster untersuchen soll. Wie weit sind Sie damit?

Maloney: Es gibt erste Netze, die versuchen, diese Möglichkeiten für Geschäftsanwendungen zu nutzen. Schließlich sind die Rechner in den Unternehmen die meiste Zeit nicht beschäftigt.

CW: Was interessiert Sie daran?

Maloney: Das Internet ist heute so etwas wie eine natürliche Ressource, die genutzt werden muss. All die untätigen Rechner könnten zusammen gewaltige Aufgaben übernehmen. In Firmen ließen sich die Netzkosten senken, wenn immer die jeweils am nächsten gelegene Ressource verwendet wird.

CW: Aber was hat ein Chiphersteller von diesen softwarebasierten Lösungen?

Maloney: Wir waren immer eingebunden, wenn sich Softwarestandards entwickelt haben. Es gibt keinen Zweifel, dass Peer-to-Peer-Computing wichtig wird.

CW: Ist es wirklich mehr als ein Spielzeug für Internet-Freaks, die den Kitzel des Verbotenen lieben, wenn sie teure Musik-CDs kostenlos in der Welt verstreuen?

Maloney: Das sind immerhin ein Zehntel der männlichen US-Bevölkerung.

Interview: Hermann Gfaller