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11.04.1975 - 

Continental Gummiwerke, Hannover:

Wir verkaufen unsere Kostenkontrolle

HANNOVER - Nachdem man bei den Continental Gummiwerken AG, Hannover, so ziemlich alle Kosteneinsparungsmöglichkeiten im Hardware-Bereich ausgereizt hatte - Installation von Mixed Hardware, Übergang von einer 370/135 auf 360/50, Leasing statt Miete, Fremdperipherie für die Datenfernverarbeitung - fand Jörg Schuppan, Leiter für Organisation und Datenverarbeitung, auf der Software-Seite noch eine weitere Möglichkeit, dem Wunsch des Vorstandes nach Kosteneinsparungen zu genügen. Der Trick: Statt weniger Ausgaben, neue Einnahmen.

Bei der Überprüfung, welche im Haus entwickelte Software sich auf dem Standard-Paket-Markt verkaufen ließe, blieb letztlich nur ein Anwendungspaket übrig, das "guten Gewissens den Kollegen angeboten werden konnte" (Schuppan), - nämlich die Conti-Software für die firmeninterne Kostenkontrolle. Dieses Paket war 1970 bis 71 von der Unternehmensberatung Juhl, Hannover, betriebswirtschaftlich konzipiert worden - unter Einbeziehung von Grenzplankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung - und dann bei Conti von hauseigenen Mitarbeitern programmiert und implementiert worden. Das Programm verarbeitet seit drei Jahren für etwa 300 Warengruppen (30 000 Artikel) die Kostenzuordnung auf rund 500 Kostenstellen.

Halb zog sie ihn, halb sank er hin

Berater Dipl. Ing. Peter Juhl (37), der sich auf dem Sektor Kostenrechnung spezialisiert hat und bereits für kleine IBM Systeme 3 ein in RPG II geschriebenes Kostenkontrollprogramm nach eigenen Angaben zehnmal verkauft hatte, war ohnehin auf der Suche nach einer Möglichkeit, ein entsprechendes Cobol-Programm auch größeren Firmen anbieten zu können. Das von ihm mitgestaltete Continental-Programm ermittelt Plankosten und Deckungsbeiträge für Kontrolle und Kalkulation, es realisiert Leistungsverrechnung zu Grenzkosten und Vollkosten.

So ergab sich eine partielle Partnerschaft. ORG./EDV-Chef Jörg Schuppan, der dem Vorstand direkt untersteht, machte mit Berater Juhl einen Vertrag, der gegen Lizenz die Unternehmensberatung Juhl mit dem Vertrieb der Conti-Kosten-Kontrolle beauftragte. Dabei finanziert Juhl der Conti den Aufwand, das Programm soweit zu modularisieren und parametrisieren, daß bei Eingabe und Ausgabe einfache Anpassungen an firmenspezifische Gegebenheiten der Kunden möglich sein sollen.

Das für alle Cobol-verträglichen Anlagen ab 96 KB geeignete Paket soll 37 000 Mark kosten.

Kritik selbst an den 500 Größten

Peter Juhl baut darauf, daß die "jahrelange Bewährung in der Praxis eines Großunternehmens zu einem Verkaufsschlager wird" und rechnet damit, daß er in den nächsten zwei Jahren das Paket mindestens 15mal verkaufen wird. Juhl Selbst in der heutigen Zeit ständiger Einsparungsbemühungen arbeiten noch immer mehr als 65 Prozent der 500 größten bundesdeutschen Firmen mit stark verbesserungsbedürftigen Kostenkontrollinstrumenten". Dabei - so eine Erhebung des "manager magazins" - werden in den Großunternehmen in der Regel gut 15 Prozent der "EDV-Kapazität" durch die Kostenrechnung beansprucht.

Conti-Mann Schuppan bezeichnet das Angebot als einen "interessanten Versuch, dessen Gelingen allein von der Reaktion der Kollegen abhängig ist". Berater Juhl fürchtet allerdings ein wenig den Direkt-Kontakt mit den EDV-Leuten. "Die wollen immer alles besonders genau und besonders detailliert mit kompliziertesten Schlüsselungen und vielerlei mehr. Dabei ist das ganze doch kein Selbstzweck. Letztlich interessieren nur die beeinflußbaren Kosten, insbesondere die Mehr- oder Minderkosten, die beim Treffen von Management-Entscheidungen anfallen".

Die Conti/Juhl-Pläne stoßen auf harte Konkurrenz: Im ISIS-Software-Katalog werden für die Bereiche "Kostenrechnung und Kalkulation" 42 "Standard-Pakete" angeboten, von denen 12 mehr als fünfmal installiert worden sind.