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19.05.2006

"Wir vermitteln 15 Milliarden Anfragen pro Tag"

Mit Paul Sagan, CEO des Web-Content-Verteilers Akamai, sprach CW-Redakteur Joachim Hackmann.

CW: Was sind die Wurzeln von Akamai?

SAGAN: Akamai wurde im Jahr 1998 gegründet. Der Dienst, auf dem das Geschäftsmodell von Akamai ruht, basiert auf Entwicklungsarbeiten des MIT. Dort haben die Forscher schon früh erkannt, dass sich die Unternehmens-IT vom zentralistischen Modell der 90er Jahre zu einer verteilten netzbasierenden Architektur wandelt. Das Versprechen lautete, ein effizientes, an offene Standards orientiertes Content-Delivery-Verfahren zu etablieren.

CW: Die Idee kam anfangs, in den Zeiten des Internet-Booms, gut an …

SAGAN: Akamai hat sich aber nie als eine Internet-Company verstanden, das Bestreben ging damals eher in die Richtung, den weltweit größten, verteilten Rechner für das Computing im Unternehmensbereich zu errichten. Die Akamai-Gründer haben sehr schnell erkannt, dass das Internet dafür eine optimale Basis bildet, da es auf offene Standards und Protokolle baut.

Allerdings ist das Internet, gemessen an den Anforderungen professioneller Nutzer, ein schlechtes Medium: Es ist weder zuverlässig noch skalierbar, und es ist unsicher. Die Akamai-Gründer wollten diesen Defiziten entgegenwirken, dabei aber nicht auf zusätzlichen Einsatz von Hardware, sondern auf mathematische Modelle zurückgreifen, um damit eine Overlay-Struktur für das Internet zu entwerfen. Die erste Applikation, die Akamai auf Basis dieser Plattform angeboten hat, war ein Content-Delivery-Service. Deshalb wurde Akamai als Internet-Company bekannt.

CW: Beschränkt sich der Dienst nur auf die externe Infrastruktur eines Unternehmens?

SAGAN: Unser Dienst beginnt außerhalb der Firewall, er stellt entweder die Verbindung zwischen der Zentrale und den entfernten Niederlassungen oder zwischen der Zentrale und Kunden oder Partnern her. Es ist auch nicht erforderlich, eine große Anzahl von Kommunikationspartnern erreichen zu wollen. Gerade im B-to-B-Umfeld sind in der Regel nur wenige Teilnehmer beteiligt. Die Automobilbranche nutzt das Internet etwa in der Anbindung ihrer Lieferanten und Händler.

CW: Sind Ihre Kunden vornehmlich Großunternehmen?

SAGAN: Ja, große Unternehmen aus den Branchen Industrie, Medien und Unterhaltung, Automobil, Reise, Handel und Konsumgüter. Aber auch Mittelständler zählen zu unseren Kunden. Größe ist nicht unbedingt ein Kriterium: Unser Service gibt vor allem im landesweiten beziehungsweise internationalen Umfeld Sinn.

CW: Grundsätzlich könnten die Unternehmen einen solchen Dienst auch bei klassischen Car-riern wie der Deutschen Telekom beziehen.

SAGAN: Nein. Was die Leute am Internet nicht verstehen, ist, dass es sich aus 15000 Netzen zusammensetzt, zwischen denen es einen enormen Datenverkehr gibt. Wenn ein Kunde seinen Web-Content einem individuellen Carrier übergibt, dann vermittelt der die Inhalte nicht dem Empfänger, sondern schickt die Daten über Dutzende von Routern und unzählige Netze, bis sie beim Kunden ankommen. Das führt zwangsläufig zu Performance-Problemen. Der Internet-Service-Provider kann keine Garantien, etwa zu Übertragungszeiten und Paketverlusten, abgeben.

CW: Aber Sie benötigen die Netze der Tier-1-Carrier, um die Daten zu übertragen.

SAGAN: Manchmal ja, wir nutzen etwa 1000 unterschiedliche Netze, um den Content auszuliefern. An einem durchschnittlichen Tag vermitteln wir 15 Milliarden Anfragen, das sind 20 Prozent des weltweiten Web-Verkehrs. Jede Anfrage bekommt von uns eine dynamische Routing-Information vom End-User zum Content-Anbieter. Wenn Anwender nur mit ihrem Tier-1-Carrier verbunden sind, gibt es keine garantierte Route durch das Internet, entsprechend fehlt auch die Performance-Kontrolle.

CW: Die 20 Prozent Web-Traffic rühren wahrscheinlich daher, dass Sie populäre Websites wie Google, Yahoo und Reuters hosten.

SAGAN: Ja, Apple iTunes ist zum Beispiel ein weiterer populärer Kunde von uns. Wir haben aber weltweit 1900 Kunden, darunter viele Großunternehmen. In Deutschland sind es Anbieter wie Audi, Porsche, aber auch CTS Eventim, ein führender Ticketvermarkter für Sport- und Musik-Großveranstaltungen.