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30.08.2002 - 

Scott McNealy und die Open-Source-Welt

"Wir werden alle den Linux-Lifestyle leben"

Linux-Appliances gibt es seit der "Cobalt"-Übernahme vor rund zwei Jahren bei Sun Microsystems. Nun hat das Unternehmen seinen ersten Allround-Linux-Server auf Intel-Basis vorgestellt - weit nach den einschlägigen Wettbewerbern. Welche Strategie verfolgt der Konzern mit der Annäherung an die Open-Source-Gemeinde? Die CW-Schwesterpublikation "Infoworld" fragte Sun-Chef Scott McNealy nach seinen Beweggründen.

CW: Wie sehen Sie die Linux-Community?

McNealy: Das ist eine harte Gemeinschaft. Wenn Sie sich an Schutzrechten, Umsätzen und Profiten orientieren, stehen Sie dort nicht gerade hoch im Kurs. Zumindest bei einigen Vertretern der Community, oder? Andere Leute sehen jedoch ein, dass es verschiedene Modelle gibt, die nebeneinander bestehen können. Ich fühle mich in beiden Lagern zu Hause und schäme mich nicht, gleichzeitig ein Open-Source-Verfechter und ein Kapitalist zu sein. Man lädt mich zu allen Konferenzen ein.

CW: Wie will Sun mit seiner Geschichte in der Open-Source-Gemeinde Anerkennung finden?

McNealy: Ich glaube an den Besitz von geistigem Eigentum und die damit verbundenen Rechte. Das habe ich immer vertreten, aber gleichzeitig gehe ich davon aus, dass wir alle den Linux-Lifestyle an vielen Stellen leben werden. Verschiedene Systeme können, müssen und werden nebeneinander arbeiten. Im Linux-Bereich haben wir nun die Ecken unseres Territoriums markiert und unzählige Codezeilen beigesteuert. Ich denke, IBM und Hewlett-Packard (HP) haben Todesangst davor, dass die Leute merken, wie einflussreich Sun in der Open-Source-Gemeinde ist.

CW: Ihr Schritt hin zu Linux auf Intel-Systemen wirkt so, als hätten Sie gerade das 32-Bit-Computing entdeckt. Woher kommt dieser Nachdruck, nachdem Sie jahrelang das Hohelied der 64-Bit-Architekturen gesungen haben?

McNealy: Die ersten Sparc-Prozessoren waren 32-Bit-CPUs, aber danach sind wir komplett zu 64 Bit geschwenkt. Dabei haben wir wohl die Wurzeln vergessen und nicht mitgekriegt, dass einige Server inzwischen aus dem Rechenzentrum herausgekommen und an die Ecken des Netzes gewandert sind.

CW: Sie bringen einen Linux-Server auf den Markt, der mit Pentium-III-Prozessoren arbeitet. IBM hat vor einigen Wochen ein leistungsstärkeres Gerät vorgestellt, und einige Beobachter kritisieren die veraltete Technologie Ihres Rechners.

McNealy: Alles zu seiner Zeit. Gegenwärtig schätzen wir den Pentium III wegen seines Preis-Leistungs-Verhältnisses. Der Nachfolger macht viel Wind, muss aber seine Vorzüge noch unter Beweis stellen. Mit der aktuellen Maschine bekommen die Kunden mehr Leistung pro Dollar.

CW: Wird der neue Server ein Nischenprodukt, oder wollen Sie die Linie ausbauen?

McNealy: Im 32-Bit-Bereich ist das Gerät als dezentraler Einstiegs-Server vorgesehen. Das liegt daran, dass Acht-Wege-Maschinen hier nicht sinnvoll sind und Sie bei größeren Anforderungen schon wieder in den 64-Bit-Adressraum aufsteigen müssen. Für unser Linux-Gerät sind Zwei-Wege-Systeme daher optimal.

CW: Ist da für Sun überhaupt ein Geschäft möglich, wenn Sie als einziger großer Hersteller eine eigene Linux-Distribution nur für Zwei-Wege-Systeme anbieten?

McNealy: Wir machen alles, was uns aus der Perspektive des Preis-Leistungs-Verhältnisses sinnvoll erscheint. Entwickler schreiben ihre Anwendungen nicht für Linux, sondern für den Applikations-Server. Ihnen kann es egal sein, auf welchem Betriebssystem die Software läuft. Wenn sie einen größeren Rechner brauchen, gehen die Anwender eben auf Vier-Wege-Intel-Maschinen unter Linux oder Solaris oder wechseln gleich auf einen Sparc-Rechner.

CW: Wie erklären Sie den Kunden, dass Sun nun Solaris auf Ultrasparc, Solaris auf Intel und Linux auf Intel anbietet?

McNealy: Wir lassen den Kunden die Wahl, damit sie horizontal und vertikal skalieren können. Solaris 9 und Linux auf Intel-Maschinen bezeichne ich als "Zwei für den Preis von keinem", denn wir berechnen die Betriebssysteme nicht. Zusammen mit unseren Anwendungen, Middleware und Open-Source-Tools sind das sehr attraktive Pakete im 32-Bit-Bereich.

CW: Sie bieten die Datenbank "My SQL" für den Linux-Server an. Wie wirkt sich das auf Ihre Beziehungen zu Partnern wie Oracle aus?

McNealy: Ich wüsste nicht, wieso das ein Problem sein sollte. Zu behaupten, Linux sei eine Bedrohung für Solaris, ist so, als würde man sagen, My SQL sei eine Bedrohung für "Oracle 9i". Wenn Sie Oracles Chef Larry Ellison nach seinen Plattformen fragen, wird er "Linux und Solaris" antworten. Das sind auch unsere - kein Problem.

CW: Allgemein wird behauptet, dass es für ein einzelnes Unternehmen sehr schwierig ist, gleichzeitig Hardware und Software zu verkaufen. Rechner sind jederzeit austauschbar, Programme stellen aber eine langfristige Investition dar. Wie kann Sun mit seiner Strategie gegen Intel und Microsoft bestehen?

McNealy: Dieses Desaster gibt es nur in der IT-Industrie, denn nirgendwo sonst kaufen Sie Software getrennt von der Hardware. Meine Digitaluhr läuft mit integrierter Software, in jedem Auto arbeiten Hunderte von Prozessoren mit Embedded-Tools. Nur in der Intel-Welt kauft man Software getrennt, weil man sich für oder gegen Windows entscheiden muss. Daher bezeichne ich Applikations-Server auch nicht als Marktsegment, sondern als Funktion. Es ist schlicht lächerlich, sein Betriebssystem getrennt vom Rechner zu kaufen.

CW: Inwiefern differenzieren Sie sich mit Ihren neuen Intel-Servern von Wettbewerbern wie IBM, Dell oder HP?

McNealy: Wir kaufen wie Dell die Hardware vom gleichen asiatischen Anbieter und die Chips von Intel zum selben Preis. Hier gibt es keine Vorteile, es herrscht Gleichstand. Aber Sun bietet zwei Betriebssysteme zum Preis von keinem an. Dell muss Red Hat, Windows oder Unix dazukaufen, also ist unser Preis besser. Hinzu kommen das Open Network Environment (Sun One) und die Service- und Supporteinrichtungen. Sie werden bei uns nicht nach Delhi weitergeleitet, wo jemand Ihre Linux-Probleme lösen soll. Und schließlich bieten wir einen Upgrade-Pfad auf 64-Bit-Systeme an. Das macht uns niemand nach.

CW: Die IBM steht besser da. Mit ihrem Applikations-Server und der übrigen Middleware kontrolliert sie große Marktanteile.

McNealy: Das sehe ich anders. Wenn Sie einen klaren und kompatiblen Code für Java 2 Enterprise Edition (J2EE) entwickeln, läuft das auf unseren Geräten, und wir haben ein weitaus besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Außerdem kontrolliert IBM nicht den Markt. Sie sind die Nummer zwei bei Unix-Servern - aber ihr Anteil fällt wie ein Stein. Ich habe das schon Anfang des Jahres behauptet, aber niemand hat es aufgegriffen. Nun haben wir sie im letzten Quartal nochmal gedrückt.

CW: Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach der Server-Markt, wenn HP Geräte mit Intels neuem Itanium-Chip präsentiert? Sollte die Technik einschlagen, würde Sun am meisten verlieren, HP zulegen, und IBM könnte es sich dazwischen gemütlich machen.

McNealy: Wir sind sicher, dass der Itanium kein Thema ist, und wir sind nicht die einzigen. Dell hat nichts in dem Bereich angekündigt, und auch NEC hat in der Vergangenheit zum Itanium eine spezielle Meinung vertreten. Haben Sie jemals einen Itanium-Rechner gesehen?

CW: Ja.

McNealy: Dann sind Sie etwa der Dritte, den ich kennen gelernt habe. Als der Itanium angekündigt worden ist, saßen Sie doch noch in der Grundschule. Mit dem Prozessor läuft nichts, statt der IA-64-Architektur wird es eine x86-Plattform mit 64-Bit-Unterstützung geben. Wir haben die Ultrasparc IV oder V draußen, bevor Intels Chip auch nur eine Chance am Markt hat. Wenn ich mit Architekturexperten rede, sagen die immer, dass man den Itanium zum Jagen tragen muss.

CW: Wie sieht Ihre Strategie für die nächsten Jahre aus? Sie haben den Wettbewerb mit Partnern wie Veritas oder Bea Systems verschärft, weil Sie zunehmend eigene Tools anbieten. Nach einer Phase der engen Zusammenarbeit wirkt es nun so, als wolle Sun nun selbst das Geschäft der Partner machen.

McNealy: Das stimmt nicht, wir waren immer offen und werden das auch bleiben. Wir glauben an die Modularität.

CW: Aber Unternehmen wie Veritas und Bea Systems könnten starke Probleme bekommen und einen Teil ihrer Umsätze verlieren, die sie bislang mit Produkten für Ihre Solaris-Plattform erzielt haben.

McNealy: Wissen Sie, ich bin hier verantwortlich für Sun und seine Aktionäre, nicht für Microsoft, Bea, Novell oder Veritas. Die Firmen müssen selbst herausfinden, wie ihr Geschäftsmodell aussehen soll. Aber ich will hier niemanden kritisieren, denn wir haben eng zusammengearbeitet, um unsere Produkte integrierbar zu machen.

CW: Aber es scheint so, als würden Ihre Ankündigungen viele Firmen in die Arme von IBM oder HP treiben.

McNealy: Wollen Sie tatsächlich nochmal mit mir die Marktzahlen durchgehen? Niemand will sich ernsthaft an Unternehmen binden, deren Marktanteile dermaßen schnell abbröckeln. (ajf)

Unix-Server-Markt

"Wir haben sie im letzten Quartal erneut gedrückt", beurteilt Scott McNealy die Position des Wettbewerbers IBM im US-amerikanischen Unix-Markt. Nach Untersuchungen von Gartner Dataquest konnte Sun Microsystems als einziger Hersteller im Jahresvergleich seine Anteile in den USA ausbauen. Demnach vergrößerte die Company ihre Umsätze um 7,6 Prozent, während Hewlett-Packard (HP) zwei Prozent und IBM 4,6 Prozent einbüßten. Suns Anteil, gemessen an den gesamten Einnahmen mit Unix-Servern, belief sich im zweiten Quartal auf 55,8 Prozent, HP kam mit 20 Prozent auf den zweiten Platz. In Deutschland setzte die Firma von CEO McNealy eigenen Angaben zufolge 5600 Einheiten ab und vergrößerte den Marktanteil im Unix-Segment auf 65 Prozent.

Microsoft gegen Open Source

Gemeinsam mit anderen IT-Anbietern verstärkt Microsoft seine Lobbying-Bemühungen gegen Open Source. Die "Initiative for Software Choice" wendet sich gegen Pläne von Behörden, bei der Beschaffung von IT-Produkten Linux-basierende Programme zu bevorzugen.

Hinter der im Mai ins Leben gerufenen Initiative steht der Industrieverband Computer Technology Industry Association (Comptia), der eigenen Angaben zufolge rund 8000 Unternehmen zu seinen Mitgliedern zählt. Microsoft gehört als Vertreter der Softwareindustrie zu den größten Förderern.

Software Choice wehre sich insbesondere dagegen, dass die Beschaffung proprietärer Software durch öffentliche Organe per Gesetz eingeschränkt oder ganz verboten werde, heißt es in einer Erklärung. Einen derartigen Gesetzentwurf planen Open-Source-Befürworter etwa für den US-Bundesstaat Kalifornien. Auch in Europa haben sich zahlreiche Behörden für den Einsatz quelloffener Software ausgesprochen.

Open-Source-Lizenzen führten zu einer Bedrohung der Softwareindustrie, lautet ein Argument der Lobbyisten. Entwickler erhielten für ihre Leistungen keine angemessene Vergütung. Comptia kritisiert zudem die Darstellung der Linux-Gemeinde, Open-Source-Software könne Behörden aus der Abhängigkeit von proprietären Technologien wie etwa Microsofts Dateiformaten befreien. Ausschlaggebend dafür seien offene Standards. Diese aber ließen sich auch ohne Offenlegung der Quellcodes nutzen.

Der Industrieverband Comptia hat sich schon mehrmals für die Interessen Microsofts eingesetzt. Erst vor kurzem kritisierten seine Vertreter öffentlich die geforderten Sanktionen gegen Microsoft im laufenden Monopolprozess. (wh)