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08.03.1996

"Wir werden alle Produkte Internet-faehig machen"

CW: Adobe hat nach zahlreichen Akquisitionen kuerzlich auch die auf Internet-Produkte spezialisierte Firma Ceneca Communications fuer 32 Millionen Dollar uebernommen. Ist Adobe nun auch auf dem Online-Trip?

Young: Wir spueren eine regelrechte Internet-Euphorie. Dieses Medium wird nicht mehr verschwinden, denn es wird nicht vom Entscheidungstraeger gewaehlt, sondern von seinem Konkurrenten. "Wenn mein Wettbewerber Internet einsetzt, muss ich es auch tun, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen", heisst es dann. Das Internet wird sich aus diesem Grunde selbst in sehr konservativen Laendern wie Deutschland durchsetzen.

CW: Aber abgesehen von dem noch fehlenden Internet-Backbone duerften die hierzulande vergleichsweise horrenden Telefongebuehren dem grossflaechigen Einsatz des Netzes doch im Weg stehen, oder?

Young: Das Internet wird sich in Deutschland sicherlich schleppender durchsetzen, als es sich viele wuenschen. Ab 1998 ist jedoch eine Explosion zu erwarten.

CW: Aufgrund der Liberalisierung des TK-Markts?

Young: Ja, man muss dann nicht mehr auf den Segen der Telekom warten. Vor allem wird das Netz die Bereiche Touristik, Service oder Banking auf den Kopf stellen. Mit dem Internet lassen sich Zielgruppen viel genauer ansprechen.

CW: Denken Sie, dass sich das Internet auch fuer Aufgaben wie Online-Distribution eignet?

Young: Jegliche Software geht in Zukunft online an die Kunden.

CW: Was wiederum einige Wiederverkaeufer die Existenz kosten kann.

Young: Ja, Distributoren werden sicherlich weniger mit Software verdienen. Andererseits bleibt es auch nach der Etablierung des Internet unmoeglich, Hardware herunterzuladen.

CW: Wie sehen Ihre konkreten Plaene aus?

Young: Auf der CeBIT werden wir zwei Internet-Produkte, "Pagemill" und "Sitemill", fuer die Erstellung und Verwaltung von Web-Pages zeigen. Das sind unsere Saeulen fuer die Online-Strategie. Fuer unsere Postscript-Technologie andererseits wird das sogenannte On- demand-Printing eine tragende Rolle spielen. So lassen sich in Zukunft Dokumente an die verschiedenen Adressaten verteilen und erst anschliessend ausdrucken. Das Internet bietet sich dabei als Kommunikations-Backbone an. Auch fuer den DTP-Bereich wird das Internet kuenftig interessant. Es gibt heutzutage beispielsweise keine Werbeagentur, die nicht an das sogenannte Web-Publishing denkt oder bereits darin investiert.

CW: Erhalten Ihre traditionellen DTP- und Bildverarbeitungs- Anwendungen denn auch die Internet-Weihen?

Young: Sicher, wir werden saemtliche Produkte unserer Palette Internet-faehig machen. Eine kuenftige Pagemaker-Version wird Dokumente verarbeiten koennen, die auf der Hypertext Markup Language (HTML) basieren. Ebenso streben wir im Video- und Bildverarbeitungsbereich an, die Grafikkompressions-Technologien MPEG und JPEG fuer eine bessere Zusammenarbeit mit dem Internet aufzuruesten. "Photoshop" etwa soll mit digitalen Kameras und Scannern gekoppelt funktionieren, um Videos und Bilder im Internet effektiver bearbeiten und verschicken zu koennen. Ferner haben wir mit Apple und Netscape Kooperationen vereinbart, um die Verwendung von Type-1- und Truetype-Schriften in Internet-Formate zu bringen, so dass die Fonts in ihrer Groesse veraendert werden koennen. Dazu arbeiten wir eng mit dem HTML-Konsortium zusammen. Mit dem Werkzeug "Amber" wollen wir zudem auch in den Bereich der Web- Browser vorstossen.

CW: Heisst das, Adobe entwickelt einen eigenen Browser?

Young: Nein, vielmehr versuchen wir, den Standard Portable Digital Format (PDF) in saemtliche existierende Web-Browser zu integrieren. Amber soll diese Funktionalitaet bereitstellen. Die Verhandlungen mit Netscape sind bereits abgeschlossen.

CW: Gilt das auch fuer Microsofts Internet-Explorer?

Young: Fuer diesen Browser existiert bislang noch keine Ankuendigung. Wir haben jedoch schon Gespraeche mit Microsoft gefuehrt.

Mit Jesse Young, Geschaeftsfuehrer der Adobe Systems GmbH, Unterschleissheim, sprach CW-Redakteur Alexander Deindl.