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12.11.1976 - 

IG Druck und Papier fordert Humanisierung der Terminalarbeitsplätze:

"Wir wollen die Brille als Standesabzeichen der Bildschirmbediener nicht"

MÜNCHEN - Unterstellt, daß "vor dem Bildschirm" alle gleich sind (soll heißen: Es macht keinen Unterschied, ob Verkaufs- oder Buchhaltungsdaten erfaßt und abgefragt werden), unterstellt weiter, daß bei der Einführung von Online-Systemen die Motive der, vom Bildschirm-Einsatz "Betroffenen" berücksichtigt werden müssen (hemmende Faktoren), so ist nicht einzusehen, daß ein zentrales Thema wie "Humanisierung der EDV-Arbeitsplätze" bei der Mehrzahl der Anwender noch kaum diskutiert wird - von den Geräte-Herstellern kann man schwerlich erwarten, daß sie sich als erste mit der Situation auseinandersetzen, die sie bei den Benutzern geschaffen haben.

Doch jetzt wird massive Kritik am Bildschirm laut. Bedenken werden vor allem von Sachbearbeitern und Fachkräften geäußert, die sich zu reinen Datenerfassern degradiert sehen. Hauptargument: Längere Bildschirmarbeit ist unzumutbar. Ein Beispiel: In der Druckindustrie werden zunehmend Bildschirmgeräte für die Manuskript-Weiterverarbeitung eingesetzt. Auf Gewerkschaftsseite glaubt man guten Grund zu haben, dahinter "Wegrationalisierungs-Bestrebungen" zu vermuten.

In "Druck und Papier" (Ausgabe 115/76), dem Zentralorgan der gleichnamigen Gewerkschaft, fordert deshalb Erwin Ferlemann:

- Wir werden sie (die Druckindustrie wohl, auch in ihrem eigenen Interesse zur Erhaltung der Facharbeiter-Arbeitsplätze zwingen müssen.

- Wir werden sie auch noch zu etwas anderem zwingen müssen: Zu einer vernünftigen Arbeitsplatz- und Arbeitszeitregelung an Bildschirmgeräten.

- Wir haben keinerlei Lust, der optischen Industrie, den Augenärzten und Optikern zu zusätzlichen Einnahmen zu verhelfen. Wir wollen, die Brille als Standesabzeichen der Bildschirmbediener nicht.

- Wir lassen uns auch nicht mehr damit abspeisen, es gebe noch keine Untersuchungen und keine Erfahrungen.

Was die Untersuchung betrifft, so gibt es gibt der Tat eine der Universitäts-Augenklinik Wien. Und wie war das denn mit den unzähligen warnenden Mediziner-Stimmen im Hinblick auf zu langes Fernsehen. "Vier Stunden vor dem Pantoffelkino sind schädlich - acht Stunden Arbeit am Bildschirm sind gesund?" Das darf ja wohl nicht wahr sein!

Und wie sieht es mit den Erfahrungen aus? Lösen wir das Problem dann, wenn alle Bildschirmbediener mit millimeterdicken Brillengläsern herumlaufen oder die erste Generation berufsunfähig geschrieben ist?

Unsere Geduld ist zu Ende. Wir wollen konkrete Ergebnisse sehen.

Anmerkung der CW-Redaktion: Dieses Thema bedarf sicher einer differenzierteren Betrachtungsweise zu begrüßen ist jedoch die Forderung, daß endlich Fakten auf den Tisch kommen -, mit einer Vernebelungstaktik ist letztlich keinem gedient: Wenn etwa behauptet wird, ein Bildschirmbediener müsse in acht Stunden etwa 30 000mal die Augen "bewegen", dann müssen dafür einfach Beweise her. Es genügt nicht, über Humanisierung zu reden - zu viele sind von den Fragen tangiert, ob "die Neuerungen Arbeitsplätze gefährden" und ob "vorhandene Qualifikationen in Zukunft noch benötigt werden".