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07.03.1980

"Wir wollen IBM auf bestimmten Gebieten eine Nasenlänge voraus sein."

Mit Reto Braun, Vice-President und General Manager für Europa Middle East

und Afrika von Memorex, London, sprach CW-Mitarbeiter Ulf Bauernfeind

þHerr Braun, über Mixed-Media, wo Sie in eine IBM-Domäne einbrachen, hat sich Memorex auch bei Mixed-Hardware auf den Marktführer eingeschossen. Welche Alternativen haben Sie hier zu bieten?

Unsere steckerkompatiblen Peripheriegeräte und Datenfernübertragungssysteme sind sowohl von der Leistung als auch vom Preis her Alternativen zu den einschlägigen IBM-Produkten. Wir sind heute jedoch mehr als nur ein PCM-Lieferant.

þWomit begründen Sie diesen Anspruch ?

Wir verhelfen dem IBM-Anwender dazu, seine vorhandenen Systeme besser und länger zu nutzen, indem wir mit unseren Produkten den Durchsatz, die Zugriffszeit und die Speicherkapazität erhöhen. Er kann also die Anschaffung einer größeren EDV-Anlage zeitlich hinausschieben, eventuell sogar eine Modellreihe überspringen. Das führt zu erheblichen Kosteneinsparungen und reduziert die mit einer Umstellung verbundenen Risiken.

þKönnen Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Als 1971 IBM 100 MB-Platteneinheiten herausbrachte, waren diese nur an die damals neuen Systeme 370 anschließbar, nicht aber an die 360er Modellreihe. Wir machten dies mit unseren 100-Megabyte-Platteneinheiten möglich. Manche IBM 360-Benutzer waren so in der Lage, die Installation einer 370 auszulassen, um zu einem späteren Zeitpunkt auf eine 303X umzusteigen.

þIst es lhr Ziel, auslaufende IBM-Systeme so hinzutrimmen, daß sie die Leistungsmerkmale der Nachfolgemodelle erreichen?

Nein, unser Ziel ist es, dem Anwerder jenen Nutzungsgrad auf dem vorhandenen System zu ermöglichen, den er für seine DV-Aufgaben braucht.

þWo liegt hier die Kosten-Nutzenschwelle?

Sie läßt sich nicht genau definieren. Natürlich gibt es Anwender, für die ein Tuning von vornherein uninteressant ist. Doch viele Benutzer können mit unserer Hilfe ihre installierten Systeme länger nutzen. Das gilt vor allem für jene, die von IBM ermutigt werden, ihre Zentraleinheiten auszutauschen, um "interessante" neue Peripheriegeräte anschließen zu können. Wir bieten in vielen Fällen ein adäquates Gerät, das an das alte System paßt.

þIst auf diesem Gebiet ein interessanter Markt vorhanden?

Ja, schon jetzt fallen etwa 50 Prozent unseres Mixed-Hardware-Umsatzes in die Kategorie "Erhöhung des Nutzungsgrades und der Nutzungsdauer von vorhandenen IBM-Systemen. In zwei bis drei Jahren werden es schon rund 80 Prozent sein.

þWelche Systeme können Sie mit ihrem gegenwärtigen Produktangebot tunen?

Alle IBM-Anlagen ab der 370/135 und Siemens-Computer der Serie 4000.

þWollen Sie in absehbarer Zeit Ihr Aktionsfeld auf andere Hersteller ausdehnen ?

Nein.

þKönnen Sie gegenwärtig den Besitzern von kleinen 370er Systemen helfen, die auf eine 4300er Anlage warten?

Nicht in bezug auf das Tuning einer 370/115 etc. Aber wir können sofort für die 4331 und 4341 kompatible Plattenlaufwerke liefern, während IBM auch hier derzeit Lieferschwierigkeiten hat.

þUm wieviel können Sie mit ihren Produkten die "Lebenserwartung" von IBM-Systemen erhöhen?

Um bis zu dreißig Prozent. Das ist ein Erfahrungswert.

þWo setzen Sie mit dem Tuning an?

Wir können sowohl die Leistung und Kapazität der Zentraleinheiten als auch der peripheren Einheiten aufstocken. Wir sind unter anderen in der Lage, verschiedene Prozessoren mit mehr Datenspeichern zu verbinden als es IBM kann. Wir verbessern durch geeignete Produkte den Durchsatz und die Zugriffszeit.

þWomit?

Unter anderem durch ein intelligentes Platten-lnterface für automatisches "Back-up" eines Laufwerkstranges, einen Disc-Cache-Speicher und eine Platteneinheit mit einer Kapazität von 635 MB pro Plattenturm, der derzeit höchsten auf dem Markt.

þWas bringt das lnterface?

Es steigert die Leistung und Flexibilität unserer Plattensysteme. Zwei Datenwege für jedes Laufwerk in einem Strang erhöhen den Systemdurchsatz um bis zu 45 Prozent

þBraucht der Markt so große Platteneinheiten wie die MRX 3652 mit 635 MB pro Turm?

Aber ja. Wir haben in Europa innerhalb der letzten sechs Monate mehr als 70 Bestellungen erhalten. In den nächsten Jahren hoffen wir 10 000 bis 15 000 Einheiten abzusetzen.

þWas bringen die großen Platten dem Anwender?

Sie bieten dem Benutzer eine Vergrößerung der Online-Speicherkapazität ohne daß Zusatzkosten infolge größerer Stellfläche, anderer Klimabedingungen und erhöhtem Stromverbrauch entstehen.

þIst mit den genannten Produkten lhre Tuning-Palette erschöpft?

Keinesfalls. Mit dem zum 1403-Drucker kompatiblen Schnelldrucker-System 4771 hat Memorex ein Produkt entwickelt das die Investitionen der IBM-Kunden auf dem Software-Sektor schützt. Als IBM nämlich einen Drucker mit einer Druckgeschwindigkeit von 2000 Zeilen pro Minute freigab, waren viele Benutzer zu kostspieligen Programm-Änderungen gezwungen. Dagegen bieten wir mit dem 4771 ein Gerät an, das keine Veränderungen der Software erfordert.

þWie sieht es im Bereich der Datenfernverarbeitung aus?

Auch hier bieten wir Lösungen an, die den Benutzer in die Lage versetzen, seine vorhandene Anlage besser zu nutzen. IBM verbreitet seine neue "SNA"-Philosophie sehr konsequent und hart. Aber "SNA " ist kostspielig in Bezug auf zusätzliche Speicher und zu implementierende Software, nicht zu sprechen von den Programmänderungen. Viele Anwender brauchen aber die allumfassende "SNA" Lösung nicht. Für sie tut es unsere DFÜ-Steuereinheit 1270, die schon fast zehn Jahre auf dem Markt ist. Sie wurde inzwischen um einen X.25 Ausgang erweitert.

þUnd was bieten Sie dem Terminal-Benutzer?

Zusammen mit Olivetti haben wir einen steckerkompatiblen Terminal-Drucker entwickelt, der dem 3270-Terminal gleichwertig ist.

þKönnen Sie dem Anwender nur hardwareseitig helfen?

Nein. Wir bieten dem Benutzer inzwischen eine Reihe von Software-Paketen an, die die Leistungsfähigkeit und Produktivität der DV von der Software her verbessern.

þHaben Sie auch für den Anwender im "Small Business System"-Markt "Lebenshilfe" zu bieten.

Ja. Für das System IBM/3 und künftig auch für die /34 und /38, bieten wir eine breite Peripheriepalette. Mit dem "Super/3"-Software-Paket setzen wir den Benutzer in die Lage, mit der vorhandenen Hardware von der Stapel- auf die Online-Verarbeitung überzugehen.

þWie sieht es hier mit den Produkten anderer Hersteller aus?

Direkte Alternativen für den Endbenutzer bieten wir hier nicht, aber auf OEM-Basis, zum Beispiel für DEC-Systeme.

þIhre Marketing-Philosophie birgt statische Elemente in sich, da Sie sich an IBM orientierten müssen. Denken Sie auch an die Zukunft?

Natürlich. Wir betreiben intensive Forschungen, zum Beispiel in Richtung Dünnfilm-Plattenspeicher.

þHaben Sie dabei auch mögliche IBM-Produkte im Auge?

Ja. Wir wollen auch künftig IBM auf bestimmten Gebieten eine Nasenlänge voraus sein.