Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.10.2002 - 

Commerce-One-CEO Mark Hoffman hofft:

"Wir wollen im Jahr 2003 profitabel sein"

MÜNCHEN (fn) - Nicht nur die Flaute in der IT-Branche macht dem E-Business-Spezialisten Commerce One zu schaffen: Auch der Liebesentzug des vormaligen Partners SAP erleichtert dem Hersteller das Überleben nicht. Fest an den Fortbestand der Firma glaubt Chairman und CEO Mark Hoffman. Er will in der zweiten Jahreshälfte 2003 Profite erwirtschaften.

Als Marktplätze noch in aller Munde waren, konnte sich auch Commerce One im Glanz der Börse sonnen. Obwohl die Nachfrage stark zurückgegangen sei, hätten Unternehmen nach wie vor Interesse an Marktplatzsoftware, so Chairman und CEO Mark Hoffman im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Der überwiegende Teil der Marktplätze sei nicht von Dotcoms, sondern von großen Industriefirmen wie Daimler-Chrysler oder Shell gegründet worden. Längerfristig werden diese Unternehmen von ihren Marktplatzaktivitäten profitieren.

"Coopetition" mit SAP

Rund 40 solcher Marktplätze baute Commerce One in Kooperation mit SAP. Zudem vermarktete SAP das E-Procurement-Tool des amerikanischen Unternehmens. Als SAP seinen Anteil am E-Procurement-Spezialisten auf 20 Prozent erhöhte, glaubten viele Beobachter an eine baldige Übernahme. Doch zunächst kam es ganz anders: Der ERP-Platzhirsch bietet mit "Mysap Supplier Relationship Management" (Mysap SRM) nunmehr ein eigenes Produkt für den elektronischen Einkauf an, das direkt mit Commerce Ones SRM-Angeboten konkurriert. Mit SRM werden Funktionen für das elektronische Bestellwesen, die Lieferantenauswahl, Online-Ausschreibungen und Vertragsverwaltung zusammengefasst.

Als "Coopetition" bezeichnet Hoffman das derzeitige Verhältnis zu den Walldorfern, da beide Hersteller nach wie vor ihre Vertriebsabkommen erfüllen. So verdienen beide an jeder verkauften Lizenz der Marktplatzsoftware "Marketsite", egal, welche Seite den Deal macht, und auch die auf den gemeinsam betriebenen Marktplätzen auflaufenden Transaktionsgebühren werden geteilt.

Über die Erfolgsaussichten der SAP im SRM-Geschäft urteilt Hoffman diplomatisch: "Manche SAP-Anwender decken auch ihren E-Procurement-Bedarf mit Produkten dieses Herstellers - ganz gleich, wie gut das Produkt ist." Viele andere Firmen verfolgten hingegen einen Best-of-Breed-Ansatz. Hoffman: "Wenn ich 15 bis 20 Prozent der SAP-Kunden für SRM gewinnen kann, bin ich zufrieden."

Bilanztechnisch hat SAP den 20-Prozent-Anteil an Commerce One bereits abgeschrieben. Laut Hoffman gibt es derzeit jedoch keine Anzeichen, dass die Walldorfer ihr Aktienpaket veräußern wollen - was angesichts des schwachen Kurses auch verständlich ist.

Heißer Übernahmekandidat

Ob Commerce One überhaupt noch längere Zeit unabhängig bleiben kann? "Unser Unternehmen ist im Augenblick günstig zu haben, aber ich bin nicht auf der Suche nach Käufern", meint Hoffman in Bezug auf den Aktienkurs von derzeit 2,60 Dollar (Stand: 3. Oktober).

Allerdings reißen Spekulationen um eine baldige Übernahme nicht ab, wobei auch der Name SAP immer wieder fällt.

Unlängst hatte das Unternehmen mit Wirkung zum 17. September einen umgekehrten Aktiensplit im Verhältnis von eins zu zehn vorgenommen. Im Zusammenhang mit dieser Aktion änderte Commerce One sein Börsensymbol an der Nasdaq vorübergehend und notiert nun unter "CMRCD" statt wie bisher unter "CMRC". Diese Regelung gilt nur für 20 Handelstage. Nach den Worten eines Unternehmenssprechers habe der Symboltausch einen plötzlichen Kursrutsch verursacht, da Anleger das Unternehmen nicht mehr unter der gewohnten Bezeichnung fanden.

"Wir wollen in der zweiten Jahreshälfte 2003 profitabel sein", gibt Hoffman als Parole aus. Einen genaueren Termin will er lieber nicht nennen. Im ersten Halbjahr nahm das Unternehmen 59,6 Millionen Dollar ein, was einem Rückgang von nahezu 80 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum entspricht. Den Nettoverlust beziffert der Hersteller auf 291,7 Millionen Dollar. Wegen der mageren Umsätze entlässt die Firma 36 Prozent der Mitarbeiter. Die Barreserven belaufen sich zurzeit auf 144 Millionen Dollar.

Für eine Belebung des Lizenzabsatzes sollen neue Produkte sorgen. So präsentierte Commerce One vor kurzem eine Web-Services-Plattform sowie eine neue SRM-Suite (siehe CW 40/02, Seite 18). Sie werden aber erst Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen. Ein weiterer Hoffungsträger ist die Anfang des Jahres vorgestellte Lösung "Procurement Express", eine für den Mittelstand gedachte Bestellsoftware.