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Interview

"Wir wollen Linux auf das Highend vorbereiten"

17.11.2000
Mit Roland Dyroff, Chief Executive Officer (CEO) der Suse Linux AG in Nürnberg, sprach CW-Redakteur Heinrich Vaske

CW: Sie erwirtschaften zwei Drittel Ihres Umsatzes mit dem Verkauf von CDs. Soll das Ihre Haupteinnahmequelle bleiben?

Dyroff: Das Servicegeschäft wächst inzwischen deutlich schneller, auch wenn sich die Distribution weiter gut entwickelt. Deshalb wird wahrscheinlich in zirka drei Jahren der Dienstleistungsumsatz dominieren.

CW: Services im Linux-Umfeld können Anwender überall beziehen, nicht zuletzt auch von namhaften Systemherstellern wie IBM, Compaq etc. Wie will sich Suse differenzieren?

Dyroff: Wir sind die Spezialisten, die Linux-Experten. Wir haben über 40 Techniker, die ausschließlich an der Open-Source-Technologie arbeiten. Darin sind noch nicht einmal diejenigen enthalten, die aus dem Code die Distribution kompilieren, oder die Techniker, die den Support erledigen. Einen solchen Spezialisten-Pool hat keine Hardwarefirma wie IBM und auch kein Broadline-Service-Anbieter wie EDS. Das gilt auch für auf Linux spezialisierte Dienstleister wie Innominate oder ID Pro.

CW: Worin liegt konkret die Linux-Kompetenz von Suse - auch im Unterschied zu dem, was in der Open-Source-Community kostenlos zur Verfügung steht?

Dyroff: Alle Linux-Softwarekomponenten werden ständig weiterentwickelt - zu einem Gutteil auch von unseren Mitarbeitern, die an allen wesentlichen Projekten federführend beteiligt sind. Wir bemühen uns um Themen wie verbesserte SMP-Unterstützung (SMP = symmetrisches Multiprocessing, Anm. d. Red.) auf der Intel-Plattform. Außerdem arbeiten wir mit SGI an der Hochverfügbarkeit von Linux. Oder das Dateisystem: Wir haben sehr viel in die Entwicklung des "Reiser"-File-Systems gesteckt. Generell geht es darum, Linux im technischen Bereich besser auf das Highend vorzubereiten, wo heute noch die proprietären Unix-Varianten positioniert sind.

Linux kann schon sehr viel, aber das Potenzial wäre noch größer, wenn noch die einen oder anderen Bausteine dazuentwickelt würden - auch was unser Umsatzpotenzial im Service angeht. Deshalb arbeiten wir intensiv an der Zuverlässigkeit und der Skalierbarkeit des Systems.

CW: Inwieweit lassen sich die Entwicklungsarbeiten der Open-Source-Community in kommerziellen Produkten verwerten?

Dyroff: Man muss differenzieren. Rund 90 Prozent unserer Entwicklungsprojekte werden gemeinsam mit anderen als Open Source realisiert. Ausschließlich inhouse machen wir nur noch unseren Installer "Yast". Die Installationsroutine ist technisch aber so offen, dass wir Module von Dritten einbinden können. Alles andere sind typische Open-Source-Projekte. Daran kann sich jeder beteiligen.

Wir würden sicher nicht behaupten, dass wir die Benutzeroberfläche KDE angestoßen hätten, aber zum Reiser-File-System etwa haben wir einiges beigetragen. In jedem Fall sind wir Teil von Open-Source-Projekten. Natürlich ist es generell unser Vorteil, dass sich alle Talente hier einbringen können und wir nicht die Entwicklungskosten tragen müssen.

CW: Ist es kein ethisches Problem, die Entwicklungsarbeiten der Open-Source-Gemeinschaft kommerziell zu verwerten?

Dyroff: Nein, überhaupt nicht.

CW: Warum fühlen Sie sich dann offenbar verpflichtet, ein paar freie KDE-Entwickler zu finanzieren?

Dyroff: Aus zwei Gründen: Wir wollen, dass KDE sich verbessert, damit sich unser Kundenpotenzial erweitert. Zum anderen möchten wir KDE-Know-how im Haus haben, damit unser Linux-Produkt die Benutzeroberfläche optimal integriert.

CW: Suse ist im Vergleich zu Red Hat eher restriktiv, was die Rechte an der Software angeht. Red Hat hat nichts dagegen, wenn die Kunden die Distribution kopieren und weitergeben. Andererseits verschenken Sie aber Ihre Linux-Distribution als Dreingabe in PC-Zeitschriften. Wie passt das zusammen?

Dyroff: Wir haben schon immer Evaluationsversionen beigelegt. Wenn wir unsere Software selbst ausliefern, kommt sie allerdings auf drei bis sechs CDs, je nachdem, ob es die Personal oder die Professional Edition ist. Die Versionen für die Zeitschriften passen auf eine Scheibe und haben eine geringere Wertigkeit. Es fehlt an Handbüchern, Installationssupport etc.

CW: Ihre eigenen Zusatzprodukte rund um das reine Betriebssystem würden Sie also nicht verschenken?

Dyroff: Der Kunde, der ein Suse-Linux kauft, kann sich darauf verlassen, dass es Suse-Linux-Qualität ist, wenn unser Name draufsteht.