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10.12.1999 - 

Thema der Woche

"Wir wollen niemanden mit Gewalt missionieren"

An die Gründung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hatten viele Experten nicht mehr geglaubt. Warum sich die vier größten Herstellervereinigungen der IuK-Branche nun doch noch zusammengerauft haben, erklärten Verbandsvertreter gegenüber der CW.

CW: Als im Juli dieses Jahres die Bitkom-Gründung angekündigt wurde, glaubten viele Branchenkenner zunächst an einen Scherz. Die Liste gescheiterter Fusionsversuche in der IT-Verbandsszene ist lang - und die Geschichte, die dahintersteckt, ist für die Beteiligten alles andere als ein Ruhmesblatt. Was war jetzt für den Durchbruch ausschlaggebend?

Harms: Auch von meiner Warte aus betrachtet hätte es schneller gehen können - nein müssen! Die Gründe, warum das Ganze so schwierig war, sind bekannt. Verbandspolitische Hürden sagt man allgemein dazu. Dann jedoch war plötzlich der Weg zu einer Lösung frei. Aber wir sollten jetzt nicht die Vergangenheit strapazieren, sondern nach vorne blicken und die noch zu erledigende Arbeit in Angriff nehmen.

Berchtold: Vielleicht sollte man noch etwas weiter ausholen. Es gab wirklich das berühmte "Window of Opportunity": Auf der Ebene der Geschäftsführungen zeichnete sich plötzlich Spielraum für Veränderungen ab, die betroffenen Verbände beziehungsweise deren Spitzenrepräsentanten konnten sich inhaltlich annähern, und es gelang, mit Siemens ein nicht ganz unwichtiges Unternehmen ins Boot zu holen.

Harms: Ehrlicherweise muß man auch noch hinzufügen, daß nicht nur die Chemie zwischen den handelnden Personen gestimmt hat, sondern daß auch der Druck, endlich mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, sehr groß geworden war.

CW: Vermutlich vor allem der Ihrer Mitglieder, die mehr Effizienz und geringere Kosten forderten.

Harms: So plakativ würde ich es nicht formulieren. Wir haben einen zweidimensionalen Ansatz verfolgt. Es ist richtig, daß es den Mitgliedsunternehmen nicht mehr länger zumutbar war, ihre Mitarbeiter in Dutzende von Arbeitskreisen in die unterschiedlichen Verbände zu schicken, die sich im Prinzip alle mit dem gleichen Thema befassen. Das ist das von Ihnen erwähnte Kriterium der Effizienz. Darüber hinaus galt es, die Effektivität zu steigern. Also endlich ein gemeinsames Sprachrohr für unsere Mitglieder zu schaffen, eine Interessenvertretung, die man ernst nimmt.

Berchtold: Für die großen Unternehmen würde ich das, was Herr Harms gerade im Zusammenhang mit dem Drängen der Mitglieder gesagt hat, unterschreiben. Beim Mittelstand sah es ein bißchen anders aus. Für den BVB kann ich jedenfalls nicht behaupten, daß die Initiative zur Mitarbeit im Bitkom zunächst von den Mitgliedsfirmen ausging. Da gab es schon - auch im Vorstand - das eine oder andere weinende Auge. Schließlich wollen wir in letzter Konsequenz einen Verband aufgeben, der eine mehr als 51jährige Geschichte hat und hervorragend positioniert ist.

CW: Wie wollen Sie den vielen mittelständischen und kleinen Firmen, die das Rückgrat der deutschen IuK-Industrie bilden, klarmachen, daß der Bitkom überhaupt ihre Interessen vertritt? Letztlich haben dort doch auch Unternehmen wie Siemens, Deutsche Telekom, IBM oder Hewlett-Packard das Sagen.

Jung: Da sollte man schon etwas differenzieren. Natürlich geht es um die Vertretung von Interessen. Ich komme darauf gleich zurück. Aber primär ist etwas anderes wichtig. Wir müssen gemeinsam dazu beitragen, unser Land für das 21. Jahrhundert fit zu machen. Das können wir nur, wenn wir unser Know-how bündeln und die Entscheidungsträger unserer Gesellschaft damit konfrontieren. Die Entscheidungsträger sind nun einmal die Politiker - und die Medien. Wir müssen den Menschen hierzulande die Angst vor der Informationstechnik nehmen. Wir müssen ihnen erklären, daß das Internet und die Globalisierung ein und dasselbe sind; daß eine Henne-Ei-Diskussion uns in diesem Zusammenhang nicht mehr weiter bringt. Wir müssen über die Chancen statt über die Risiken der Informationsgesellschaft reden und wir müssen diese Chancen besser als unsere Konkurrenten auf dem Weltmarkt nutzen.

CW: Von diesem hehren Anspruch können sich aber die vielen kleinen und mittelständischen Firmen nichts kaufen.

Jung: Lassen Sie mich zu der Groß-Klein-Problematik ein paar grundsätzliche Bemerkungen machen. Das, was Sie eben als hehren Anspruch qualifiziert haben, war keine Sonntagsrede, sondern die Aufzählung notwendiger Kurskorrekturen. Wenn wir in Deutschland nicht umdenken, können wir uns vom Weltmarkt verabschieden - auch in der IuK-Branche. Der Einsatz von Informationstechnik in Gesellschaft und Wirtschaft muß auch bei uns zur Selbstverständlichkeit werden. Welches Instrument der Interessenvertretung könnte da wirksamer greifen als das, genau diesen Anspruch zu forcieren? Und was hat das bitteschön mit der Größe einzelner Mitgliedsfirmen zu tun?

Hinzu kommt: Wenn wir heute von der Internet-Ökonomie sprechen, reden wir über gleiche Chancen für alle. Nie war es für kleine Unternehmen so leicht wie heute, mit ihren Produkten und Dienstleistungen den Weltmarkt zu adressieren. Noch vor zehn oder 15 Jahren war ein Konzern wie Siemens diesbezüglich unschlagbar. Wir waren in allen wichtigen Ländern präsent; hatten den direkten Zugang zum Kunden. Heute ist das anders.

Der einzige Unterschied, der heute noch existiert, ist der, daß große Firmen in Organisationen wie dem Bitkom mehr Beiträge entrichten als die Kleinen. Und mehr Personalressourcen investieren. Daß dann die kleineren Mitgliedsfirmen nicht unbedingt sagen können, wir besetzen alle wichtigen Posten, ist klar. Ich will damit nicht sagen, daß der, der bezahlt, anschafft. Aber ohne die Großen geht es halt nicht.

Liebig-Stöckigt: Dadurch, daß mit dem BVIT und BVB zwei Verbände, die vorwiegend kleine und mittelständische Firmen vertreten, im Bitkom mitarbeiten, wird eine gewisse Sogwirkung nach unten entstehen. Ich weiß aus meiner eigenen Verbandsarbeit, wie aktiv gerade die Mittelständler sein können. Wir werden unseren spezifischen Interessen schon ausreichend Gehör verschaffen.

Jung: Wie Sie wissen, verfügt jedes Bitkom-Mitglied - egal ob als Verband oder später auch als einzelnes Unternehmen - über eine einzige, gleichberechtigte Stimme. Ein demokratischeres Prinzip kenne ich nicht. Wenn Sie sich zudem das zwölfköpfige Bitkom-Präsidium anschauen, werden Sie feststellen, daß dort auch mittelständische Firmen hinreichend vertreten sind. Es wird niemals so sein, daß Siemens, IBM oder wer auch immer alleine die Richtung vorgibt.

Harms: Es wäre ja geradezu vermessen, wenn wir den Hoffnungsträgern in unserer Branche, also den kleinen und jungen Firmen, nicht adäquate Möglichkeiten zur Mitarbeit und Mitbestimmung einräumen würden. Ganz im Gegenteil: Wir werden diese Unternehmen auch Bitkom-intern fördern, etwa durch "Wildcards" für wichtige Arbeitskreise.

CW: Wie schlagkräftig kann denn der Bitkom sein? Zwei Geschäftsstellen, 60 Arbeitskreise - das hört sich sehr nach Bürokratie an. Können Sie mit der pulsierenden IuK-Branche, in der sich tagtäglich etwas ändert, überhaupt Schritt halten?

Jung: Ich bin davon überzeugt, daß wir das können, weil wir ja letzten Endes nichts anderes als die Summe unserer Mitglieder darstellen. Zweifellos ist heutzutage Schnelligkeit alles, Größe für sich allein genommen nichts. Jedenfalls dann, wenn es um die Besetzung neuer Märkte geht. Nur diejenigen, die schnell und gleichzeitig innovativ sind, werden überleben. Deshalb müssen wir uns als Verband flexibel genug aufstellen. Wenn wir keinen guten Job machen, laufen uns zwangsläufig die Mitglieder weg.

Ich habe vorhin unser übergeordnetes Ziel formuliert. Um das Thema der Informationsgesellschaft zu transportieren, können Sie nicht mit tausend Zungen sprechen. Sie benötigen eine Stimme von Gewicht und eine entsprechende Organisation - einen Apparat, der dahintersteht.

CW: Man kann den Aspekt mangelnder Flexibilität auch noch von einer anderen Seite beleuchten. Herr Berchtold hat es schon angesprochen. Erklärtes Ziel ist es, bis Ende kommenden Jahres die vier Gründungsverbände im Bitkom aufgehen zu lassen. Weitere Verbände könnten hinzustoßen. Ist dies nicht ein zu ehrgeiziger Zeitplan?

Berchtold: Sie können davon ausgehen, daß wir uns das Projekt Bitkom reiflich überlegt haben. Über die Gründe, die dafür sprechen, wurde bereits diskutiert. Wir haben - und das gilt für alle vier Verbände - das Votum unserer Mitglieder zur Gründung, Mitarbeit und späteren Selbstauflösung im neuen Dachverband vorher eingeholt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Harms: Der 1. Januar 2001 ist das entscheidende Datum. Ab diesem Zeitpunkt sind im Bitkom direkte Firmenmitgliedschaften möglich. In der Folge wird es dann vielleicht noch die eine oder andere Doppelmitgliedschaft geben - bis sich BVB, BVIT sowie die beiden Fachverbände im ZVEI beziehungsweise VDMA aufgelöst haben. Wir wollen schließlich, das hat Herr Jung bereits ausgeführt, kein neues Konglomerat an Verbänden schaffen, sondern eine schlagkräftige Organisation. Die muß allerdings nicht nur die großen wichtigen Themen aufgreifen, sondern gleichzeitig schlank genug sein, um auch die Belange eines Zwei-Mann-Unternehmens zu vertreten.

CW: Jetzt sind Sie meiner Frage ein bißchen ausgewichen. Die Konsolidierung der Verbandslandschaft im Bitkom muß erst noch vonstatten gehen. Reichen dafür zwölf Monate aus?

Liebig-Stöckigt: Sie verkennen die Tatsache, daß wir schon seit mehr als zwei Jahren an der Bitkom-Gründung gearbeitet haben. Ganz auf der grünen Wiese beginnen wir also nicht. Wir haben die wichtigsten Formalien geklärt, es gibt eine inhaltliche Plattform und eine gemeinsame Willensbekundung. Um das nun zu implementieren und zu synchronisieren, ist ein Jahr angemessen.

Berchtold: Ich wollte nicht ausweichen. Es ist nur so, daß reden nichts mehr nutzt, sondern gehandelt werden muß. Im Sinne unserer Glaubwürdigkeit würde es keinen Sinn ergeben, nach so einem weitreichenden Beschluß die einzelnen Verbände noch länger nebeneinander existieren und arbeiten zu lassen.

CW: Einige Kritiker nahmen auch die Standortwahl des neuen Spitzenverbands aufs Korn. Hauptsitz ist zwar Berlin, aber das Gros der Mitarbeiter und die Infrastruktur bleibt in Frankfurt am Main. Wie ist dies mit dem politischen Anspruch des Bitkom vereinbar?

Berchtold: Sehr gut. Warum soll bei uns nicht funktionieren, was auch bei der Bundesregierung klappt: die Arbeit an zwei Standorten? Zudem besteht ja auch Anlaß zu der Hoffnung, daß wir die Informationstechnik standortübergreifend noch eine Spur effektiver einsetzen können als die Ministerialbürokratie. Aber Spaß beiseite: Wir müssen als Bitkom in Berlin vertreten sein, keine Frage. Die Geschäftsstellen der einzelnen Bitkom-Gründungsverbände und damit unsere qualifizierten Mitarbeiter sind jedoch im Großraum Frankfurt angesiedelt. Übrigens auch viele unserer Mitgliedsfirmen. Es spricht also nicht alles für Berlin.

CW: Diskussionswürdig ist auch der Anspruch des Bitkom, die gesamte deutsche IuK-Branche zu vertreten. Was ist mit dem nicht ganz unbedeutenden Teil der deutschen Software-Industrie, der vor einigen Monaten einen eigenen Dachverband (Spitzenverband der Deutschen Softwareindustrie SVDS, Anm. d. Red.) gegründet hat? Und was ist mit den vielen TK-Firmen, die sich seit der Liberalisierung des deutschen Marktes etabliert haben?

Jung: Wir haben die Deutsche Telekom, Mannesmann Arcor, Otelo, Telepassport und viele andere in den einzelnen Gründungsverbänden an Bord. Die Liste ließe sich noch ergänzen. Ich kann deshalb kein Defizit bei der Verankerung des Bitkom im deutschen TK-Markt erkennen. Daß wir noch nicht für jeden einzelnen Citynetz-Betreiber einen Vertretungsanspruch erheben können, gestehe ich Ihnen gerne zu. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Richtig ist ferner, daß wir im Moment noch ein Problem mit einem Verband haben - nämlich dem VATM, dessen Satzung eine Mitgliedschaft der Deutschen Telekom ausschließt, was wiederum mit den Prinzipien des Bitkom und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) kollidiert, wo wir eine Mitgliedschaft anstreben. Wir werden uns aber mit dem VATM einig werden, und damit dürfte dieses Thema endgültig vom Tisch sein.

Liebig-Stöckigt: Was den SVDS angeht, würde ich nicht von einem Verband, sondern von einem Verbund reden. Nichtsdestotrotz sind SVDS-Mitglieder wie Microsoft bereits indirekt im Bitkom vertreten.

Harms: Man könnte in diesem Zusammenhang viel zur Vorgeschichte sagen. Doch das tut nichts zur Sache. Wir haben jedenfalls mit allen relevanten Herstellervereinigungen im Vorfeld der Bitkom-Gründung ausführlich gesprochen.

CW: Auch mit dem SVDS-Mitglied Deutscher Multimediaverband, der viele der jungen Internet-Firmen um sich schart?

Harms: Ja, auch mit diesen Kollegen. Ich glaube, daß man dort und anderswo die Bedeutung und die Dynamik, die hinter dem Bitkom steckt, einfach unterschätzt hat. Sie können aber davon ausgehen, daß die meisten im Lauf der kommenden zwei Jahre ihre Entscheidung, jetzt nicht bei uns mitzuarbeiten, revidieren werden. Diejenigen, die sich dann immer noch alleine aufstellen, werden ihre spezifischen Gründe und Motive erläutern müssen - und vielleicht hat es in dem einen oder anderen Fall ja auch Sinn.

Jung: Wir wollen niemanden mit Gewalt missionieren. Wir haben die vier wichtigsten Verbände unserer Industrie unter einen Hut bekommen, und wir sind demnächst als Einzelverband Mitglied im BDI. Auch das war uns wichtig. Wir repräsentieren mehr als 1000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 200 Milliarden Mark und etwa 750 000 Beschäftigten. Das sind Fakten, über die man nicht weiter zu diskutieren braucht. Jetzt müssen wir in die Gänge kommen, alles andere ergibt sich von selbst. Ich habe genügend Phantasie, um mir auszumalen, welche Unternehmen noch Bitkom-Mitglied werden könnten. Denken Sie nur an die Bertelsmänner dieser Welt.

CW: Was versprechen Sie sich eigentlich von der Mitgliedschaft im BDI? Man mußte in der Vergangenheit ja eher den Eindruck haben, daß es der BDI war, der sich um die IuK-Branche bemüht hat, um seine eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Harms: Jetzt tun Sie Hans-Olaf Henkel unrecht. Der Präsident des BDI hat uns auf unserem Weg der Verbandskonsolidierung stets kritisch und unterstützend begleitet. Ich denke, daß der BDI aufgrund seiner Bedeutung unverzichtbar für unser Anliegen ist: der Durchdringung der Gesellschaft mit Informationstechnologie samt der Schaffung eines entsprechenden Bewußtseins.

Jung: Es ist ja auch nicht so, daß wir, wie vielfach spekuliert wurde, demnächst beim BDI das große Wort führen, den Laden quasi übernehmen. Wir haben aufgrund der volkswirtschaftlichen Bedeutung unserer Industrie allen Grund zum Selbstbewußtsein. Aber wir brauchen gestandenen Managern wie Herrn Piech oder Herrn Cromme nicht zu sagen, wie die ihre Geschäfte zu tätigen haben. Wir möchten vielmehr gemeinsam versuchen, den Standort Deutschland zukunftsfähig zu machen. Dabei wollen wir als deutsche IuK-Branche endlich ernstgenommen werden.

ES DISKUTIERTEN

Willi Berchtold, Vorstandsvorsitzender des BVB und Vorsitzender der Geschäftsführung der Giesecke & Devrient GmbH sowie Vizepräsident des Bitkom;

Jörg Menno Harms, Vorsitzender des Fachverbands Informationstechnik im VDMA/ZVEI, Geschäftsführer der Hewlett-Packard GmbH sowie Vizepräsident des Bitkom;

Gerhard Holzwart, Redakteur COMPUTERWOCHE;

Volker Jung, Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG sowie Präsident des Bitkom;

Elisabeth Liebig-Stöckigt, Vizepräsidentin des BVIT, Geschäftsführerin der List GmbH sowie Präsidiumsmitglied des Bitkom.

EUROPÄISCHES PENDANT

Am 16. November 1999 wurde in Brüssel der Europäische Verband der Informationswirtschaft und Telekommunikation (European Information and Communications Technology Industry Association - Eicta) aus der Taufe gehoben. Zum Eicta-Präsidenten wurde der Franzose Jacques Dunogué, Mitglied des Vorstands von Alcatel, gewählt. Er wird zusammen mit Volker Jung, der als Vizepräsident nominiert wurde, die Geschicke des Brüsseler Spitzenverbands lenken. Die bisherigen europäischen Verbände der informations- und kommunikationstechnischen Industrie, Eurobit und Ectel, werden mit Eicta verschmolzen. Eicta vertritt den Angaben zufolge 22 Fachverbände in 16 Ländern, darunter auch Ungarn und Tschechien. Indirekt repräsentiert sind damit mehr als 3000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von gut 600 Milliarden Mark und über drei Millionen Beschäftigten. gh

BITKOM - EIN LANGER WEG ZUM ERFOLG

"Der neue IuK-Spitzenverband ist ein ganz erfreuliches, in langen Jahren erkämpftes Wunder in der sonst tatsächlich eigeninteressengesteuerten deutschen Verbandslandschaft. Er ist nur erreichbar in der gegenwärtigen Konstellation - und zwar in einem sehr kleinen Zeitfenster." Diese Bemerkung eines Insiders verdeutlicht die Tragweite der Bitkom-Gründung, die am 28. Oktober 1999 in Berlin feierlich über die Bühne ging. Immerhin leistet sich die hiesige IuK-Industrie bis jetzt den Luxus von mehr als 20 Einzelverbänden. Jahrelang hatten sich die wichtigen Herstellervereinigungen bei der Konsolidierung gegenseitig blockiert; zahlreiche Fusionsprojekte wurden genauso schnell begraben, wie sie zuvor angekündigt worden waren. Dem persönlichen Beziehungsgeflecht zwischen Willi Berchtold, Jörg Menno Harms und IBM-Deutschland-Chef Erwin Staudt ist es, so Kenner der Szene, zu verdanken, daß jetzt der Durchbruch doch noch gelungen ist. Und natürlich Volker Jung, dem mit der Bitkom-Präsidentschaft die nicht ganz unwichtige Mitarbeit von Siemens schmackhaft gemacht werden konnte. Sanften Druck hat über Jahre hinweg auch BDI-Chef Hans-Olaf Henkel ausgeübt, der als früherer IBM-Manager bekanntlich bis heute nicht von "seiner Branche" lassen kann.

Gründungsverbände des Bitkom sind der BVB Bundesverband Informations- und Kommunikations-Systeme, der Bundesverband Informationstechnologien BVIT sowie die Fachverbände Informationstechnik im VDMA/ZVEI und Kommunikationstechnik im ZVEI. Neben Volker Jung als Präsident wurden Willi Berchtold, Jörg Menno Harms sowie Gerhard Jörg, Präsident des BVIT und Geschäftsführer der Software AG, als Vizepräsidenten des Bitkom gewählt. Dem insgesamt zwölfköpfigen Bitkom-Präsidium gehören unter anderem Erwin Staudt, Josef Brauner (Deutsche Telekom AG), Eberhard Färber (Ixos AG) sowie Werner Schmücking (Siemens AG) an. Bis zum 1. Januar 2001 läßt die Bitkom-Satzung nur die Mitgliedschaft weiterer Verbände zu, danach sind auch direkte Firmenmitgliedschaften möglich. Der Bitkom will gemäß eigener Zielsetzung den konvergierenden Branchen der Informationswirtschaft und Telekommunikation die bislang fehlende gemeinsame Stimme geben. Einen Schwerpunkt will man dabei auf kleine und mittelständische Unternehmen legen. Startups sollen besonders günstige Konditionen erhalten. gh