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13.06.1997 - 

Interview

"Wir wollen Wachstum in neuen Segmenten"

CW: Herr Zeitler, Novell schrieb im zweiten Quartal weltweit ein Minus von 14,6 Millionen Dollar. Wo sehen Sie die Ursachen?

ZEITLER: Die Ursachen lagen einmal in Einbußen beim Abverkauf unserer Red-Box-Produkte, also Pakete, die wir über die Distribution vermarkten, und zum zweiten im ebenfalls gesunkenen Abverkauf über unsere OEMs. Da beide Blöcke zusammen etwa 50 Prozent unseres Umsatzes ausmachen, haben wir den Rückgang deutlich in der Bilanz gespürt.

CW: Wo sehen Sie konkrete Gründe für den Einbruch? Ist der NT Server mittlerweile doch stärker im Markt vertreten, als es Novell bislang wahrhaben wollte?

ZEITLER: Der NT Server verkauft sich gut, wie wir alle wissen. Novell hat besonders im unteren Segment Marktanteile an NT verloren. Also in einem Bereich, für den "Intranetware for Small Business" konzipiert wurde. Bei großen Netzen haben wir dagegen einen Anstieg verzeichnet, der aber nicht ausreichte, Verluste im unteren Segment zu kompensieren.

CW: Welche Schritte unternehmen Sie, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben?

ZEITLER: Wir passen das Budget unserem Umsatz an und senken weltweit die Personalkosten um 18 Prozent. Lediglich den Support- und Marketing-Bereich nehmen wir aus, um weiter wachsen zu können.

CW: Im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen ist immer wieder von der Umstellung des Push- auf ein Pull-Distributionsmodell die Rede. In Deutschland praktizieren Sie das doch bereits seit 18 Monaten?

ZEITLER: Teils, teils. In Deutschland haben wir uns schon früher als andere auf die Pull-Komponente konzentriert. Aber wir mußten noch immer Sell-in-Ziele verwirklichen. Nun stellt Novell den ganzen Vertrieb auf eine Pull-Organisation um.

CW: Letztlich sieht das nach einem Rückzugsgefecht aus. Oder haben Sie noch ein As im Ärmel?

ZEITLER: Es ist alles, nur kein Rückzugsgefecht. Die Aufgabe war, die Kosten an die Umsatzentwicklung anzupassen sowie realistisch in Sachen Abverkauf von Netware und Intranetware zu sein. Diesen Umsatz wollen wir halten und Wachstum in neuen Segmenten generieren. Hier denke ich an Internet-Dienste oder Internet-fähige Netzwerkservices. Der "Border-Manager" ist ein Produkt in diese Richtung.

CW: Verglichen mit früheren Ankündigungen Ihrer Company sieht das so aus, als ob Sie gegenüber dem Erzrivalen Microsoft auf dem Gebiet der Netzwerk-Betriebssysteme die weiße Fahne hissen.

ZEITLER: Das sehe ich nicht so. Wir werden im Jahr 2000 etwa 30 Prozent unseres Umsatzes mit Netz-Betriebssystemen machen. Weitere 30 Prozent steuern plattformunabhängige Dienste bei - also Services für andere Systeme wie Windows NT oder Unix. Außerdem will Novell 30 Prozent seiner Einnahmen mit Netzapplikationen erwirtschaften, die dann zum großen Teil auf Java basieren. Dieses Umsatz-Splitting ist gesünder als das bisherige, das zum Großteil auf Netware beruhte.

CW: Das bedeutet konkret?

ZEITLER: Nach wie vor ist Intranetware als Betriebssystem-Plattform wichtig, aber ein starker Fokus wird auf der Unterstützung anderer Betriebssysteme wie NT oder Unix liegen. Letztlich werden wir dem Umstand gerecht, daß drei wichtige Betriebssysteme im Netzbereich eine Rolle spielen. Das sind Windows NT Server, Unix und natürlich Intranetware. Für diese entwickelt Novell künftig Produkte.

CW: Nur noch 30 Prozent des Umsatzes mit Netware? In der Vergangenheit war das doch die Cash-cow des Unternehmens.

ZEITLER: Richtig.

CW: Glauben Sie wirklich, daß eine Company, die die Nummer eins bei Netz-Betriebssystemen war, auf Dauer ähnlich wie Banyan als Nischen-Player überleben kann?

ZEITLER: Wenn wir nur Intranetware hätten, dann wäre Ihre Skepsis berechtigt. Novell verfügt aber zusätzlich über Technologien, die wachstumsfähig sind und uns in neue Segmente bringen. Es gibt keine Zweifel, daß wir einen Windows NT Server mit unserer Technologie besser verwalten und managen können als der Hersteller selbst. Diese Richtung verfolgen wir konsequent weiter.

CW: Geht es zu weit, zu sagen, die Novell Directory Services (NDS) und Border-Manager sind künftig die strategischen Novell-Produkte?

ZEITLER: Nein. Sie müssen dies nur durch die Aussage ergänzen, daß Intranetware nach wie vor eine wichtige Betriebssystem-Plattform sein wird, die wir auch weiterentwickeln.