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26.10.2001 - 

Informatikstudenten forschen für IBM

"Wir wollen weg vom Dinosaurier-Image"

Ein nicht alltägliches Projekt läuft seit Sommer diesen Jahres im Böblinger Forschungslabor der IBM Deutschland GmbH. Gefragt sind Forschergeist, Kreativität und im Idealfall mindestens sieben Semester Erfahrungen mit dem Studienfach Informatik. Wer diese Kriterien erfüllt und den Eignungstest besteht, kann sich auf spannende Arbeiten freuen. Von CW-Mitarbeiterin Katja Müller

Die neun Informatikstudenten, die sich für das Sommerprojekt "IBM goes Extreme" in Böblingen beworben hatten, trauten kaum ihren Augen, als sie eine der Aufgaben während des Assessment-Centers lasen: Sie sollten aus einem mittelstarken Papierbogen und ein wenig Tesafilm eine Brücke bauen. So hatten sich die angehenden Nachwuchsforscher ihre Eignungsprüfung für das neunwöchige Praktikum nicht vorgestellt, berichtet Informatikstudent Andreas Krebbel schmunzelnd. Doch Jörg Schmidbauer, Softwareentwickler bei IBM und Betreuer der Praktikanten, ist von diesem Teil des Auswahlverfahrens überzeugt: "Wir suchen Leute mit guter Vorstellungskraft und keine mit herausragenden Geschichtskenntnissen."

Abstimmung via PDA-KonferenzDie vorrangig kreativen Anforderungen, die das Sommerprojekt an die Studenten stellt, scheinen ihm Recht zu geben. Anhand der Personal Digital Assistants (PDAs), mit denen Achim Schäfer, Marcus Völp, Peter Oberparleiter, Andreas Haeberlen und Krebbel seit dem 15. Juli arbeiten, sollen die Möglichkeiten Linux-basierter Anwendungen im Bereich kleiner mobiler Endgeräte erforscht werden. So können sich Teilnehmer einer virtuellen Konferenz via PDA zusammenschalten und mit einem Stift Zeichnungen auf den Bildschirm malen, die ad hoc auf den PDAs der anderen erscheinen. Personen, die verspätet zum Online-Seminar eintreffen, bekommen die Folien automatisch nachgeschickt. Mit einer Reichweite von 100 Metern wäre die Konferenzschaltung auf Bluetooth-Basis über mehrere Zimmer hinweg möglich.

Darüber hinaus geht es der Gruppe um eine Softwareentwicklung, die den Geräten wie Laptop und PDA eine möglichst große Bandbreite an Funktionalität und Portabilität erlaubt. "Dazu ist es wichtig, dass die Studenten unbefangen und ohne Ballast forschen können", erklärt Projektleiter Dirk Breidt. Die im siebten beziehungsweise achten Semester stehenden Studenten haben während des Praktikums keinerlei Druck, ein Produkt in einem bestimmten Zeitraum fertigstellen zu müssen. "Im Normalfall ist das für ein Unternehmen nicht möglich", sagt Breidt. Einen großen Vorteil sieht er in dem Imagegewinn, den IBM durch das Forschungspraktikum davonträgt. "Wir wollen weg von dem Ruf, ein Dinosaurier zu sein. Kleine Dotcoms können sich solche Projekte jedenfalls nicht leisten."

Bei der amerikanischen IBM läuft das Praktikum bereits seit zwei Jahren. Über 10000 Bewerbungen gingen dort für eine Handvoll der begehrten Praktikumsplätze ein. Auch die IBM-Forschungsstätten in Israel, England und der Schweiz bieten ihren Studenten die Teilnahme an einem Extreme-Blue-Projekt an. Jeder der fünf Kandidaten erhält neben seinem Gehalt (entspricht dem Verdienst eines Werkstudenten) einen Flug nach London und eine Zugreise nach Zürich, um die anderen Studenten des Projektes kennen zu lernen. Kurz vor der gemeinsamen Präsentation ihrer Produkte in der Schweizer Hauptstadt mussten die Studenten noch ein paar Überstunden in Kauf nehmen: "Da haben wir schon mal die Bekanntschaft mit dem Nachtwächter gemacht", erzählt Krebbel. In der Regel gilt für die Studenten jedoch eine 40-Stunden-Woche, wie bei den meisten der 1700 in dem Forschungslabor arbeitenden Entwickler.

Praktikum mit RealitätsbezugDie fast reale Arbeitsatmosphäre gewährt den Studenten einen guten Einblick in die künftige Arbeitswelt. So kann auch die frühzeitige Auswahl und Integration von Spitzenfachkräften durch Projekte wie Extreme Blue vorangetrieben werden. Wenn es nach IBM geht, soll es sich nicht nur an den einschlägigen Hochschulen herumsprechen, dass hier mit der neuesten Technik geforscht wird.