Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.11.1974 - 

Neuer Antitrust-Großprozeß:

Wird der AT&T-Konzern aufgeteilt?

WASHINGTON, D. C. - Das US-Justizministerium erhob Anklage zu einem weiteren Antitrust-Verfahren. Der Beklagte ist diesmal die weltgrößte Gesellschaft im Kommunikations-Markt, AT & T (American Telephone und Telegraph Co.) und deren Tochtergesellschaften Western Electric Co und Bell Telephone Laboratories. Dies bedeutet nach dem Verfahren gegen den Giganten IBM eine weitere richtungsweisende Klage der US-Regierung gegen angeblich monopolistische Marktbeherrschung.

300 Millionen Telefone

Der AT&T-Komplex hat in den USA 113 Millionen Telefone (weltweit 300 Millionen) installiert und beherrscht damit 82 Prozent des lokalen Telefongeschäfts in den USA. Damit hat die Holding mit den Tochtergesellschaften den Status eines kontrollierten Monopols. Deswegen werde ihr bereits untersagt, weitere Telefongesellschaften aufzukaufen. Die Tarife unterliegen der öffentlichen Kontrolle durch die Federal Communications Commission. Dem Konzern wird nun vorgeworfen, andere Wettbewerber am Marktzutritt im Fernmelde- und Nachrichtenwesen zu hindern.

In der Antitrustklage fordert die Regierung, vertreten durch die Antitrust-Division im Justice Department, eine Trennung von AT&T und der Produktionsgesellschaft Western Electric. Darüber hinaus soll sich AT&T entweder aus dem Fernsprechgeschäft über weite Entfernungen zurückziehen oder alle lokalen Telefongesellschaften aufgeben. Außerdem soll eine Trennung zwischen AT&T und der Tochter Bell Telephone Laboratories erfolgen.

Neben der Antitrustklage gegen IBM ist dieses Verfahren das größte, das jemals gegen einen Konzern in die Wege geleitet wurde.

IBM als Duopolist?

In den USA mehren sich die Stimmen gegen die beiden Industriegiganten: So forderte A. G. W. Biddle, Vorsitzender der Computer-Industrie-Vereinigung, eines Verbandes von Kleinherstellern, auf dem Jahreskongreß des nationalen Einzelhändlerverbandes in Quebec/Kanada die "Zerschlagung beider Konzerne", da diese beiden Hersteller im Computer- und Kommunikationssektor den Anwender immer mehr "in den Käfig zwängen". In den 80er Jahren werde es nur noch einen Hersteller für Informationssysteme und einen für Fernsprech- und Nachrichtensysteme geben, wobei sich die Preise extrem erhöhen werden. "Damit wäre das gesamte Nervensystem unserer Wirtschaft in den Händen eines Duopols. "

Diese Vision gründet sich auf die Annahme, daß Tele-Kommunikation und Datenverarbeitung immer mehr zusammenwachsen, daß letztendlich unwichtig wird, ob auf Leitungen Sprache oder Daten übertragen werden und daß das Telefon ohnehin zum Computer-Terminal wird.

Noch mehr Staatskontrolle?

Rein technologisch gesehen erscheinen solche "Befürchtungen" gerechtfertigt; daß sie auch wettbewerbspolitisch begründet sind, soll die Marktstellung der beiden Industriegiganten belegen - ebenso AT & T æs Pläne für computergesteuerte Vermittlungs- und Nebenstellenanlagen wie IBMs Pläne, über eine Mehrheitsbeteiligung an der Comsat Satellite Corp. in das Geschäft mit kommerziellen Nachrichtensatelliten einzusteigen.

Während die US-Regierung gegen die beiden Konzerne Antitrust-Anklage erhebt, wird aber auch vor einer Zerschlagung der privatwirtschaftlichen Unternehmen gewarnt. Konservative amerikanische Kreise befürchten, daß jede neue Regelung als Ergebnis der Prozesse zu mehr Staatsaufsicht über die für die Zukunft wichtigsten und eventuell gar die Wirtschaftsordnung künftig prägenden Industriezweige führt. Dabei verweisen sie darauf, daß die staatlicherseits nicht regulierte IBM wesentlich innovativer und kundenfreundlicher sei, als die von der Regierung über die Festsetzung der Preise kontrollierte AT & T.