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10.04.1981

Wird der künftige DV-Spezialist ein "Externer" sein?

Für Klein- und Mittelbetriebe wird es nach Ansicht von Joachim Wegener heute zu einer Überlebensfrage, einen größeren Stab von DV-Spezialisten zu beschäftigen. Der steigende Bedarf dieser Unternehmen an freien Mitarbeitern sowie ein höheres Einkommen locke inzwischen immer mehr qualifizierte DV-Leute weg vom Anwender und hin zur Selbständigkeit. Wegener prophezeit daher mittelfristig die Verlagerung des DV-Know-hows in die freien Unternehmensberatungen.

Daraus ergebe sich eine Umstrukturierung innerhalb des gesamten DV-Berufsgefüges. Auch Ex-DV-Leiter Hermann Frankenfeld hat diesen Trend erkannt: Der zukünftige DV-Spezialist werde zwar nach wie vor aus der Schule des Anwenders hervorgehen, aber Überlastung, fehlende Anerkennung und immer neue, wenig motivierende Aufgaben seien ausschlaggebend, daß er zunehmend einen Job bei einem Dienstleistungsunternehmen einer Anwendertätigkeit vorziehe. ha

Arved v. Brasch, John Pegram, SPO Lethoff GmbH, München

EDV-Spezialisten sind heutzutage sowohl beim Anwender als auch beim Berater zu finden. Vor 15 Jahren war dies nicht der Fall. Damals waren EDV-Beratungs-Firmen eher eine Seltenheit, während der heutige Trend zweifellos in Richtung Zunahme der Anzahl von EDV-Spezialisten bei Beratungs-Firmen geht. Deshalb würde man vielleicht dazu neigen, die Frage, ob ein Verlagerungs-Prozeß stattfindet, zu bejahen. Eine wesentliche Überlegung dabei ist aber, daß dieser Prozeß tatsächlich eine Umwandlung und keine einfache Verlagerung ist. Der heutige EDV-Berater hat nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem klassischen EDV-Spezialisten beim Anwender. Der Umwandlungs-Prozeß ist nichts anderes als ein Symptom der tiefgreifenden Neustrukturierung der EDV, die wir heute erleben. Diese Software-Revolution" stellt den EDV-Spezialisten vor gänzlich unterschiedliche Anforderungen, was seine Rolle in der Entwicklung und Wartung von Anwendungs-Software und die dazu notwendigen EDV-Kenntnisse betrifft.

Früher hat der EDV-Spezialist sein Wissen und seine Erfahrung in einem "vertikalen" Lernprozeß erworben, indem er innerhalb der EDV-Abteilung seiner Firma die Erfolgsleiter von der Programmierung über System-Analyse und -Design zur Projektleitung aufstieg. Hat sich seine berufliche Entwicklung eher zum EDV-Spezialisten als zum Manager hin orientiert, wurde sein Aufgabenbereich notwendigerweise begrenzter, so daß man sein Spezialisten-Wissen als ein "vertikales" Segment aus dem Gesamt-EDV-Wissen bezeichnen könnte. Er wurde zu einem "vertikalen" EDV-Spezialisten.

Seitdem die Philosophie des Software-Engineering angewandt wird (Einführung von Top-down-Design, Qualitäts-Sicherung, Requirements-Analyse, strukturierter Programmierung etc.), haben sich die Anforderungen an das Wissen eines Spezialisten grundsätzlich geändert, indem sie den Phasen der Entwicklung eines Software-Produktes (Aufgabenbereiche) entsprechen. Demzufolge gibt es heute eine andere Art von EDV-Spezialist, der sich zum Beispiel mit strukturierter Programmierung, System-Design, Datenbank-Design, Qualitäts-Sicherung oder Projekt-Management beschäftigt, mit anderen Worten, der "horizontale" EDV-Spezialist.

Die Umwandlung eines "vertikalen" in einen "horizontalen" EDV-Spezialisten erfordert eine wesentliche Erweiterung der EDV-Kenntnisse im "horizontalen" Bereich, der seiner Begabung und seinen Fähigkeiten am besten entspricht.

Wenn wir zwischen Erfahrung und Kenntnissen unterscheiden und die Erfahrung als Maßstab für die berufliche Reife nehmen, ist offensichtlich, daß sie für beide Arten von Spezialisten zählt und dies den notwendigen Lernprozeß erleichtert.

Die Auswirkung dieser Evolution in der EDV auf den Anwender kann nur positiv sein, da der Trend zu einer wirtschaftlicheren Entwicklung von Produkten mit höherer Qualität neigt. Als Folge dieser Tendenz sind eine Vielzahl von Beratungsfirmen entstanden, um den dringenden Bedarf zu decken.

Ein oberflächlicher Vergleich der Kosten zwischen dem Einsatz eines externen und eines internen EDV-Spezialisten zeigt ein Verhältnis von ungefähr 2,5 zu 1. Diese auf den ersten Augenblick erschreckende Feststellung wandelt sich sogar in einen echten Vorteil wenn man die erhöhte Wirtschaftlichkeit, die verminderte Entwicklungszeit und die höhere Qualität des Endproduktes in Betracht zieht. Eine weitere Überlegung in diesem Zusammenhang ist, daß in einem Beruf, wo das Personal im Schnitt alle drei Jahre den Arbeitsplatz wechselt, die Investition für die Ausbildung eines EDV-Spezialisten im eigenen Hause nicht sinnvoll ist. Hier könnte man einen Kernsatz des Software-Engineering anwenden, "keine Firma kann sich leisten, von einem unersetzbaren Spezialisten abhängig zu sein".

Hermann Frankenfeld, freier EDV-Berater, Bochum

Die Frage, ob der zukünftige EDV-Spezialist überwiegend beim Anwender oder in der Rolle eines externen Beraters anzutreffen sein wird, veranlaßt mich, erst einmal darüber nachzudenken, wer und was hier mit dem Begriff des zukünftigen EDV-Spezialisten gemeint ist.

Wer gemeint ist, ist klar: Es sind die vielen früheren EDV-Spezialisten aus der Zeit, als vor allem das Wissen um optimale Blockungsfaktoren oder die Einsparung von 20 K und ähnliches sie als EDV-Spezialisten auswies, also das Know-how der elektronischen Verarbeitungstechnik stärker gefragt war als das Wissen um die optimale Verwendung der Daten selbst.

Heute noch sind sie in den EDV-Abteilungen der Anwender fest etabliert und nicht Wegzudenken, meist gut behalt, mit System-Erhaltungs- oder Umstellungsarbeit überlastet und ohne die gebührende Anerkennung vor immer neue ärgerliche und wenig motivierende Aufgaben gestellt. Dadurch werden sie von den "Rosinen" ferngehalten, während die externen zu zukünftigen EDV-Spezialisten gewordenen früheren EDV-Spezialisten gezielt und scheinbar mühelos die speziellen Aufgaben der Fachabteilungen in Angriff nehmen.

Damit ist bereits angedeutet was unter einem zukünftigen EDV-Spezialisten zu verstehen ist. Ein zukünftiger EDV-Spezialist ist offensichtlich jemand, der den speziellen und für den darauf nicht eingestellten früheren EDV-Spezialisten geradezu ausgefallenen Wünschen der Fachabteilungen gezielt entgegenkommt und CAD-Systeme, Datenbank-Applikationen, eine integrierte Kosten- und Leistungsrechnung, eile Fertigungssteuerungs-Lösung oder eine intelligente Betriebsdatenerfassung angemessen schnell, mit großer Weitsicht auch über die gegenwärtigen Unternehmensgegebenheiten hinweg, ohne Verständigungsschwierigkeiten mit der Fachabteilung, zu akzeptablen Kosten und gegebenenfalls sogar auf dem dezentralen Computer der Fachabteilung realisiert. Über die Ärgernisse des früheren EDV-Spezialisten hat er sich dank weiterentwickelter Softwaretechnologie längst hinweggesetzt, um sich Hardware-neutral nur noch auf seine spezielle Anwendung zu konzentrieren.

Der frühere EDV-Spezialist muß also umdenken und seine fachlich orientierten Begabungen weiterentwickeln, um ein zukünftiger EDV-Spezialist zu werden. Hat er aber in "seinem" Unternehmen die Chance, ein zukünftiger EDV-Spezialist für etwas zu werden das dem Unternehmen auch langfristig nützt, Kreativität verlangt und zufrieden macht? Wohl kaum wenn es sich nicht um ein Größeres Unternehmen handelt Aus Sicht des Unternehmens: Warum auch?

Ein zukünftiger EDV-Spezialist ist nicht ständig vor Ort notwendig; er kommt und kostet nur, wenn man ihn ruft. Ihn selber ausbilden? Das dauert! Und hält er, was er verspricht? Vielleicht ja. Aber wird er bleiben, wenn die Chancen am Markt gut für ihn stehen? Was soll er tun, wenn er als Spezialist zeitweise nicht gefragt ist im Unternehmen, aber dennoch seinen Preis kostet? Und wieviel zukünftige EDV-Spezialisten verkraftet das EDV-Budget? Haben diese zu jedem Zeitpunkt die gerade benötigte Qualifikation?

Meine Prognose also: Die zukünftigen EDV-Spezialisten werden - bei entsprechend hohem eigenen Engagement- zwar auch in Zukunft aus der Schule der Anwender hervorgehen, aber in der Regel als zukünftiger EDV Spezialist dort keine Heimat finden können oder wollen. Durch Zusammenschluß oder auch allein verfügen sie nach einiger Betätigung als zukünftiger EDV-Spezialist auf ihrem Gebiet über ein sehr hohes und noch ständig wachsendes Know-how, wie es bei einem einzelnen Anwender kaum anzutreffen sein wird. so daß auch in Zukunft beide; Anwender und zukünftiger EDV-Spezialist. au. einander angewiesen bleiben und voneinander profitieren.

Aber der zukünftige EDV-Spezialist wird dann ein "Externer" sein.

Joachim Wegener, Dr. Körschgen - Lange-Wegener, Frankfurt

Als vor etwa 20 Jahren das "Computer-Zeitalter" begann, ahnten die wenigsten der damaligen EDV-Fachkräfte die schnelle und immer rascher werdende Entwicklung voraus.

Vor allem in den letzten Jahren findet man mehr und mehr Computer-Anwendungen in Verwaltung, Industrie, Handel und Dienstleistungsunternehmen, bedingt durch die Nachfrage und den Einsatz von komplexen Informationssystemen. Diese heutige Computer-Generation der achtziger Jahre wird teilweise sehr gut realisiert - sie hat aber auch einerseits den Großteil des damaligen qualifizierten EDV-Personals zu rückständigen "Laien" und andererseits eine kleine Gruppe zu hochqualifizierten EDV-Spezialisten gemacht.

Diese EDV-Spezialisten werden von Klein-, Mittel- und Großunternehmen deshalb dringend gebraucht und gefordert, da heute nicht nur die Unternehmensleitung, sondern das gesamte Management auf jeder Ebene und auch die einzelnen Sachbearbeiter Aufgaben an die EDV stellen. Die Übertragung einer Aufgabe auf die Datenverarbeitung erfordert jedoch meist einen verhältnismäßig hohen Aufwand von der Installation der Anlage bis hin zum optimalen Ablauf der erforderlichen Software. Für die mittelständische Wirtschaft wird es heute jedoch zumindest zu einer Kosten- oder Überlebensfrage, einen großen Stab von Organisations- und EDV-Spezialisten zu beschäftigen, - wie dies in der Großindustrie üblich ist -, um die betriebs- und marktwirtschaftlichen Problemstellungen qualitativ und quantitativ unternehmensgerecht zu lösen.

Wo aber sollen die Spezialisten herkommen, die das weitreichende Aufgabenspektrum (Organisation, Analyse, Programmierung und Integration von Informationssystemen) in ihrer Gesamtheit beherrschen und in die Tat umsetzen können. Die Industrie hat heute bereits Probleme, wenn sie offene EDV-Positionen in der Analyse oder Programmierung zu besetzen hat. Notgedrungen bedient man sich eben externer, Unternehmensberatungen beziehungsweise fähiger "Einzelkämpfer" des EDV-Bereiches, die ihr Know-how als Dienstleistung auf eigene Rechnung verkaufen.

Bedingt durch die steigende Nachfrage nach externen Beratern sowie die Möglichkeit, komplexere Tätigkeitsfelder von A- Z zu verarbeiten (das heißt weg von der Tages- und Routinearbeit) und nicht zuletzt wegen des besseren Einkommens, wanderten immer mehr qualifizierte EDV-Arbeitskräfte von Anwendern und EDV-Herstellern in Dienstleistungsunternehmen ab oder gingen in die Selbständigkeit.

Daraus ergab sich zwangsläufig eine Umstrukturierung. Momentan lassen sich immer mehr Unternehmen aller Größenordnungen von externen EDV-Spezialisten- und nicht nur bei speziellen Projekt-Management-Systemen - beraten und tatkräftig unterstützen. Natürlich spielten auch die Faktoren Zeit, Kosten und ständig neue EDV-Systeme, die erst einmal beherrscht werden müssen, eine wesentliche Rolle, da funktionierende und eingefahrene EDV-Abteilungen vielfach zu stark mit bereits integrierten Arbeitsabläufen beschäftigt sind.

Als langfristiger Trend wird dies dazu führen, daß noch mehr EDV-Personal eine selbständige Unternehmensberater oder eine Position innerhalb einer Unternehmensberatung anstrebt, um sich weiter zu spezialisieren. Ein anderer Trend dürfte dahin gehen, daß es eine ganze Anzahl dieser Spezialisten weiterhin in Großunternehmen geben wird, während kleinere und mittlere Unternehmen letztendlich kostengünstiger mit externen Beratern auf Zeit fahren können. Sicherlich spielen neue Ideen und Methoden, die von außen an die Unternehmen herangetragen werden auch eine gewichtige Rolle, um auf dem letzten Stand der Entwicklung zu bleiben. und um "Betriebsblindheit" zu vermeiden.