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10.11.1978

Wird die Computerwelt eine IBM-Welt?

Nach der Freigabe IBM-kompatibler Fujitsu-Großrechner für den Siemens-Vertrieb zeichnet sich nunmehr auch auf dem westeuropäischen Markt eine Zweiteilung der "Computerwelt" in einen IBM- und einen IBM-kompatiblen Teil ab - zu Lasten der "Dritten Welt", nämlich der "Nicht-lBM-kompatiblen". Denn: Sich gegen IBM zu entscheiden, kann heißen, in eine Einbahnstraße hineinzufahren. Ein Zurück gibt es nicht. Können die traditionellen

Mainframer unter diesen Umständen auf Sicht mehrere Jahre an ihrer Produktstrategie festhalten, eine "echte" IBM-Alternative (Hardware, Betriebssysteme, Programmiersprachen etc.) anzubieten? Diese Kernfrage bewegt derzeit viele Anwender. Wir baten daher die fünf führenden Großrechner-Anbieter und IBM-Mitbewerber auf dem deutschen Markt um ihre Stellungnahme: Burroughs, Honeywell Bull, ICL, NCR und Sperry Univac. hö

Horst Gellert Marketing-Direktor, Honeywell Bull GmbH, Köln

An unserer Strategie, dem Quasi-Monopol der IBM auf dem EDV-Markt eine echte Alternative entgegenzusetzen, hat sich nicht nur nichts geändert - wir werden unsere Anstrengungen sogar noch verstärken, wenn sich die Zweiteilung der Computerszene als so trendscharf erweist, wie das angesichts der steckerkompatiblen Systeme von Siemens-Fujitsu den Anschein hat.

Siemens und Fujitsu - und vorher Amdahl - fuhren ins Feld, daß ihre IBM-kompatiblen Großrechner geeignet sind, die Vormachtstellung des Marktführers empfindlich zu treffen. Hier wird jedoch mit einem sehr zweischneidigen Schwert zugeschlagen, denn die absolute Systemkompatibilität zur IBM fördert in der Praxis doch wohl die vielbeklagte Anbindung eines gesamten Wirtschaftszweiges an einen Mam(..)-Konzern, der übrigens allen Nachahmungen mit dem Argument begegnen kann: "Nur IBM ist wie IBM".

Die Abhängigkeit der Benutzerschaft von einer einseitig postulierten Systemarchitektur wird dem nach eher großer. Das ist gewiß kein Fortschritt, wenn man bedenkt, daß die IBM - was Technologie und Systemtechnik betrifft - durchaus nicht immer eine innovative Spitzenstellung einnimmt.

Eine solche Steckerkompatibilität kritiklos als das "Nonplusultra" der Anpassung einzustufen, widerspricht der Erfahrung. Jeder Insider weiß, daß auch die Umstellung innerhalb "rassereiner" IBM-Familien keineswegs problemfrei ist (oder sein kann).

Wir sind der Ansicht, daß dem Anwender durch den Einsatz problemorientierter Hochsprachen heute und in Zukunft die Möglichkeit gegeben sein muß, einen Systemwechsel in beliebiger Richtung vorzunehmen. Sinnvolle Einwände gegen die Vorteile des Hochsprachenkonzeptes kann es nicht mehr geben, seit die Kostenverschiebung zwischen Hardware und Software und der Preisrückgang für Arbeits- und Massenspeicher solche Vorbehalte in der Vergangenheit restlos ausgeräumt haben.

Honeywell Bull bietet beispielsweise - trotz eines völlig anderen Systemkonzeptes - passgenaue Kompatibilität auf der Hochsprachenebene. In der Praxis erweist sich diese Verträglichkeit durch eine wachsende Zahl von Ablosungen aus dem Anwenderkreis des Marktführers.

Es wird darum auch in Zukunft das Ziel unserer Produktpolitik sein, dem EDV-Benutzer durch Hochsprachen und perfekte umstellungshilfen den Freiraum zu schaffen, den er für seine Investitionsentscheidungen in Bezug auf die Computerausrüstung benötigt, damit er keinesfalls in eine Sackgasse gerät, wenn er sieh einem übermächtigen Alleinvertretungsanspruch aus wohlerwogenen organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen entziehen will.

Dieter Gallist Direktor Marketing Services, NCR GmbH, Nürnberg

Wir sehen diese Dreiteilung der Computerwelt bei weitem nicht so klar vorgezeichnet, wie es sich aus Ihrer Fragestellung zu ergeben scheint. Der Begriff "Kompatibilität" ist mit gewisser Vorsicht zu genießen. Die heutige Technologie

(Hardware-Architektur, Firmware Controlware) erlaubt jedem Hersteller moderner Anlagen, theoretisch Anlagen anderer Hersteller nachzustellen, das heißt, kompatibel zu gestalten.

Die echte Problematik beginnt dann, wenn die Software desjenigen, den man kopiert hat, zu pflegen, zu betreuen und weiterzuentwickeln ist. Bei der Komplexität der Betriebssysteme heutzutage ist es praktisch ausgeschlossen, die Software eines anderen Großherstellers ordnungsgemäß zu pflegen, es sei denn, man wirft jede Eigenentwicklung über Bord und investiert die gesamte softwareorientierte Manpower für die Aufgabe die Betriebssystemsoftware des Wettbewerbers zu pflegen. Damit wäre nahezu eine völlige Produktidentität erreicht, die sicherlich in niemandens Sinne ist. Sie würde zur Monopolisierung führen und sowohl in den USA als auch in Europa mit Antitrust- und ähnlichen Gesetzen in Konflikt geraten.

Wir sehen deshalb keine Veranlassung, unsere Produktstrategie zu ändern, eine Produktstrategie, die durchaus vorsieht, einem IBM-Anwender komfortable Umstellungshilfen zur Verfügung zu stellen, die es ihm ermöglichen, von IBM oder einem "IBM-kompatiblen" auf unsere Produkte umzusteigen, wenn dies - woran wir keinen Zweifel haben - für ihn von Vorteil ist.

ICL Deutschland GmbH, Nürnberg

ICL International Computers wird an der weltweit erfolgreichen Produkt-Philosophie festhalten dem Anwender Computer-Systeme zu bieten, die Unabhängigkeit von einseitiger Markt-Macht gewährleisten sowie alle Anforderungen hinsichtlich Kompatibilität und Wachstum erfüllen.

Daher wird niemand die Entscheidung, auf eine "Steckerverträglichkeit" mit IBM zu verzichten, als Schritt in eine Einbahnstraße sehen, sondern im Gegenteil als Ausweitung der Möglichkeiten Computersysteme flexibel einzusetzen. Man denke an die vielfältigen Hilfen zur Umstellung von anderen Wettbewerbs-Systemen, unter anderem IBM zu ICL Systemen. Spezielle Emulatoren, Konvertierungsprogramme, Übertragungs-Prozeduren oder Mikroprogrammstrukturen erlauben uns heute Verbindungen auf allen Ebenen zu allen Anlagen. Wir beweisen täglich, daß Umstellungen von anderen Herstellern zu ICL-Anlagen problemlos sind. Entscheidend für den Anwender ist das Preis-/Leistungsverhältnis, zu dem eine Computer-Lösung geboten wird und nicht eine bloße "Steckerverträglichkeit", die ihrerseits eine Sackgasse sein kann. Das zu beurteilen setzt Informationen und Sachkenntnis voraus, die Großcomputer-Benutzer besitzen. Bloße Kompatibilitätsduselei oder plakative Schreckensmeldungen verfehlen bei Fachleuten die Wirkung. Was zählt, sind Erfolge, und ICL, als einer der großen europäischen Computer-Hersteller, kann davon eine Menge vorweisen.

Josef Pecher Marketing Direktor, Sperry Univac Deutschland, Frankfurt

Die Entscheidung über die Anschaffung eines EDV-Systems ist ein vielschichtiger Prozeß, in den eine Vielzahl von Einflußfaktoren eingehen. Einer dieser Faktoren kann die Kompatibilität zum System des Marktführers sein - wesentliche Faktoren sind immer Wirtschaftlichkeit und die besonderen Stärken des ausgewählten Systems zur Lösung der anstehenden Aufgaben. Beispielsweise im Bereich des Datendurchsatzes, der Systemarchitektur, der Betriebssoftware, des Datenbankkonzepts, der Realzeitverarbeitung. Sperry Univac wird daher auch weiterhin mit eigenständigen Computersystemen dem Markt echte Alternativen anbieten. Daß man diesen Sachverhalt im Hause Siemens wohl ähnlich sieht, wird durch die jüngste Produktankündigung bestätigt.

Siemens hat gleichzeitig ja auch neue Großrechner im Bereich der bisherigen Modellreihe 7 angekündigt, die zu den IBM-kompatiblen Rechnersystemen der neuen Modellreihe 7 einen sehr großen Überlappungsbereich haben, aber über keinerlei Kompatibilität verfügen.

Sperr Univac zur Siemens-Ankündigung

Im Großrechnerbereich liegt einer der traditionellen Marktschwerpunkte von Sperry Univac. Wir verfolgen daher die jüngsten Siemens-Ankündigungen mit großer Aufmerksamkeit, obwohl ein Teil der Ankündigungen bereits durch den Kooperationsvertrag zwischen Siemens und Fujitsu bekannt war.

Im Großrechnerbereich verfügt Sperry Univac mit den Modellen der Multiprozessorfamilie 1100/80 über ein umfassendes und außerordentlich attraktives Angebot, wie die ausgezeichnete Marktaufnahme beweist. So war im abgelaufenen Geschäftsjahr das erreichte Buchungsergebnis bei den Modellen 1100/80 mehr als doppelt so hoch wie die Planzahlen. Die Fertigung läuft im Drei-Schicht-Betrieb. Diese - außerordentlich gute Aufnahme dieser Modelle ist Beweis dafür, daß Sperry Univac hier über ein ungewöhnlich leistungsfähiges und attraktives Angebot verfügt. Zweifellos werden die neuangekündigten Großrechnersysteme von Siemens in diesem Marktsegment die Wettbewerbssituation verschärfen. Die zum Teil sehr langen Lieferzeiten sind sicherlich erforderlich im Hinblick auf die Neuentwicklung einiger Modelle, sowie die Integration der von Fujitsu stammenden Großrechner einschließlich des neuen Betriebssystems BS3000. Hier wird von Siemens sehr viel Neuland betreten.

Die derzeit nur lückenhaft vorliegenden Leistungs- und Preisangaben sowie wesentliche Unterschiede in der Systemarchitektur und Betriebssoftware zwischen den Serien 7.7xx und 7.8xx lassen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine schließende Bewertung der Neuankündigung zu. Mit den fünf Modellen der Modellreihe 1100/80 überdeckt Sperry Univac das komplette Leistungsspektrum der von Siemens neuangekündigten Rechnersysteme, wobei der Vier-Prozessor-Version 1100/84 in der Leistung noch darüberhinausgeht.