Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.04.1978

"Wirklich warten und die IBM-Mietpreise zahlen?"

Mit Dieter Rücker, EDV-Leiter der Grace GmbH, Worms, sprach Dieter Eckbauer

- Herr Rücker, Sie haben an Ihrer 370/135 nahezu ausschließlich Fremdperipherie, nämlich Bänder, Platten sowie Controller von Memorex und Telex. Und von 384 X Memory sind ganze 96 K von IBM. Woher kam der Anstoß, Mixware-Fan zu werden?

- Ich bin kein Mixware-Fan, sondern versuche nur, an allen Knöpfen zu drehen, mit denen die Kosten für Computer-Equipment reduziert werden können - ohne dabei spürbare

Risiken einzugehen oder peinliche Leistungsabfälle in Kauf zu nehmen.

- Sie haben als 360/370-Anwender Erfahrungen mit Mixed Hardware bereits seit etwa sechs, sieben Jahren. Wie hat sich IBM verhalten?

- In den ersten Jahren gab es Überraschungen. Das hing sehr von der Persönlichkeit des jeweiligen IBM-Vertreters ab, wie er auf Mixware-Installationen reagierte. Da gab es ein paar sehr unangenehme Szenen. In der Zwischenzeit ist der Punkt so gut wie bereinigt. Die IBM hat gelernt, eine einheitliche Haltung gegenüber Mixed Hardware einzunehmen, und es gibt normalerweise keine Probleme mehr.

- Ihr Ziel war, durch Einsatz von Mixware die Rechnerkapazitäten ohne zusätzliche Kosten zu erweitern. Welche Kriterien haben die Entscheidung "Mixware oder nicht?" sonst noch bestimmt?

- Es gibt eine ganze Reihe von Kriterien, die sorgfältig überprüft werden sollten, bevor man Mixware-Geräte installiert. Am besten ist es, sich eine Checkliste aufzustellen mit Punkten wie Hardware-Kompatibilität, Leistungswerte-Vergleich, Software-Verträglichkeit, Installations-Erfordernisse und dergleichen. Eine genaue Untersuchung dieser Punkte hilft, Überraschungen zu vermeiden.

Ein Gespräch mit einem anderen Rechenzentrumsleiter, der die in Frage kommende Mixware installiert hat, ist ebenfalls sehr nützlich. Möglicherweise sollte man auf einer Testinstallation bestehen.

- Kompatibilität ist sicherlich ein Punkt, den sich der mixwillige Anwender ansehen sollte. Und auch die Leistungsdaten, die das Equipment betreffen, sind ganz gewiß ein wichtiges Auswahlkriterium. Aber wie steht's mit der Lieferfähigkeit der PCM (Plug Compatible Manufacturers)?

- Gerade die Lieferfähigkeit ist häufig ein Grund, warum man den Mixware-Hersteller nimmt und nicht IBM. Wer sehr schnell aufrüsten will oder nur für einen begrenzten Zeitraum, dem antwortet die IBM mit ihren Standard-Lieferzeiten. Und die sind oft nicht in Harmonie mit dem, was der Kunde just braucht.

- Service und Zuverlässigkeit jucken die Anwender, die Fremdgeräte einsetzen, bekanntlich am meisten. Gibt es nicht das Problem, daß bei Störungen jeder die Schuld auf den anderen schiebt?

- Die Anwender müssen für sich selber entscheiden, was sie in puncto Zuverlässigkeit erwarten. Wir versuchen, die Zuverlässigkeit durch Standards wie MTBF, die "meantime between failure", zu definieren. Wir gehen zum Beispiel davon aus, daß jedes Bandlaufwerk im Durchschnitt zirka 500 Stunden arbeiten sollte, ohne daß es notwendig ist, einen Ingenieur zu rufen, der irgendeinen Fehler beseitigt. Bei einer Kontrolleinheit gehen wir von einer MTBF von zweitausend Stunden aus. Aber das ist eine Sache, die man besser mit dem Hersteller der Mixware bespricht, damit man weiß, in welchem Erwartungsrahmen man sich bewegt. Darüber hinaus sind Aufzeichnungen erforderlich, wie häufig die Geräte kaputt sind, so daß die tatsächliche Zahl mit den Standards abgestimmt und entschieden werden kann, ob die Mixware den Erwartungen entspricht.

- Der nächste Punkt ist der Service ...

- Wir haben auch hier versucht, unsere Erwartungen durch zwei Standards zu definieren: Einmal die mittlere Wartezeit ("meantime to respond") - das ist die Zeit vom Anruf beim Hersteller bis zur Ankunft des Technikers im Rechenzentrum, zweitens die mittlere Reparaturzeit ("meantime to repair").

- An welche Toleranz denken Sie da?

- Abhängig vom Gerätetyp gehen wir von einer meantime to respond von zwei Stunden und einer meantime to repair von drei bis vier Stunden aus.

- Ist hier nicht der Wunsch der Vater des Gedankens?

- Für das Equipment, das wir installiert haben, liegen die Werte innerhalb dieser von uns selbst festgelegten Standards. Ich habe allerdings versucht, diese Standards mit anderen Benutzern abzusprechen, von denen ich weiß, daß die ähnliche Verfahren haben, um festzustellen, wie gut oder schlecht, zuverlässig oder unzuverlässig ihr Equipment ist. Die liegen aller in diesem Rahmen.

- Ihre Aussagen zum Thema sind bisher durchwegs positiv. Wir vermissen ein bißchen das "Wenn und Aber".

- Ein großer Nachteil, den fast alle Mixwarehersteller haben, besteht darin, daß eine Hardware-Planungsunterstützung, wie sie IBM mit ihrer Organisation und ihren vielen Spezialisten liefert, nicht gegeben wird. Wir haben vor einigen Monaten unsere Kapazitätsplanung für die Zukunft gemacht, und es war dabei zum Beispiel notwendig, die CPU-Performance und die Disk-Kapazität im Detail zu planen. Da stellten sich dann Fragen wie: Was kann ich mit einem Disk-Management-System machen? Wieviel können wir da und dort sparen? Wo können wir unsere Anwendungen optimieren, um die bestehende Kapazität besser auszunutzen? Das sind Dinge die bisher von Mixware-Herstellern so gut wie nicht oder nur sehr unvollkommen unterstützt worden sind.

- Kann man annehmen, daß Sie sich schwertun, weiterhin in ihrem Hause für Mixware zu plädieren, wenn Ihre Forderung nach Planungsunterstützung nicht erfüllt wird?

- Allerdings. Eine Unterstützung bei Basissoftware- und Hardware-Planung ist derzeit zwar durch einen Telex-Mitarbeiter gewährleistet, der sich sehr stark einsetzt; wir müssen uns jedoch darauf verlassen können, daß wir auch in Zukunft nicht alleine stehen.

- Eine Ihrer Aussagen war: IBM hat gelernt, eine einheitliche Haltung gegenüber Mixed Hardware einzunehmen und daß es normalerweise keine Probleme mehr gebe. Würden Sie das "von der IBM allein gelassen werden" nicht als echtes Problem ansehen?

- Aber ja.

Es ist klar, daß die IBM keine Planungsunterstützung gibt, wenn es sich um Mixware-Geräte handelt. Man ist gezwungen, Zeit und Geld aufzuwenden, um das zu kompensieren.

- Das Problem des Mixed-Hardware-Einsatzes ist es auch, daß sehr schwer

vorauszusagen ist, welchen Ankündigungskurs IBM verfolgen wird ...

- Das ist richtig. Andererseits kurzfristige Änderungen der Computer-Anwendungen und damit verbundene Hardware-Installationen weniger häufig als man annimmt.

- Das setzt voraus, das der Anwender seine EDV-Planung längerfristig betreibt, etwa in einem Drei- bis Fünf-Jahres-Plan.

- Ich glaube sicherlich, daß eine solche Planung hilft, bessere und wirtschaftlichere Entscheidungen, auch auf dem Hardware-Sektor, zu machen. Zwischen der Ankündigung von neuen IBM-Produkten mit einem Preis-Leistungs-Verhältnis und ihrer Verfügbarkeit vergeht normalerweise einige Zeit. Diese Zeit ist immer ausreichend, um zu überprüfen ob die Mixware-Installation wirtschaftlichere Lösung darstellt.

Dieter Rücker (40)

ist seit rund dreieinhalb Jahren Leiter des Wormser EDV-Centers der Grace GmbH, deutsche Tochter den gleichnamigen multinationalen US-Chemie-Konzerns mit weltweit 65000 Beschäftigten. Er war vorher bei Ford Europe in England beschäftigt. Seine Mixware-Erfahrung erstreckt sich auf Bänder und Platten einschließlich Controller sowie Communication-Adapter. In Worms ist eine geleaste 370/135 mit 384 KB installiert, die unter DOS/VS, Release 34, gefahren wird. An Mixware haben die "Gracer" ein Band-Kontrolleinheit von Telex und sieben 320-KB-Bänder, ferner einen Disk-Controller und sechs 100 Mio Bytes-Platten (3330-kompatibel) vom gleichen Hersteller.

Rücker hat eine IBM 3031 besten und wartet auf Lieferung: "Die 135 hat nicht genügend Kapazität, weiter Arbeiten zu übernehmen."