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23.07.1982

Wirtschaftliche Alternative: Kostentricks durch Hardware-Mix

Kostenersparnis bei gleichen Leistungen ist der Hauptgrund, wenn DV-Leiter sich für den Einsatz von Mixed-Hardware entscheiden. Eine preislich günstige "Mixtur" kann zu beträchtlichen Leistungssteigerungen auch am Arbeitsplatz selbst fuhren. Als weitere Vorteile werden bessere Hardwareverfügbarkeit, Zuverlässigkeit sowie vorteilhaftere Vertragsbedingungen wie garantierte Rücknahmepreise oder Umwandlung beziehungsweise Kündigung der Mietverträge genannt. Auch die Befürchtung, daß sich die Hersteller auftretende Fehler gegenseitig in die Schuhe schieben könnten, scheint sich in der Realität als weniger problematisch darzustellen.

Gerhard Köstner

Rechenzentrum, verantwortlich für das Gebiet Kapazitätsplanung, Die erste österreichische Spar-Casse, Wien

Unsere Hauptrechner zur Zeit eine Univac 1100/61 für unser österreichweites Online-System aller Zweiganstalten sowie eine 1100/81 für Batch, Entwicklung und Timesharing.

Obwohl Mixed-Hardware für Univac-Anlagen kaum angeboten wir dennoch haben wir für Hardcopy-Zwecke wesentlich kostengünstigere Matrixdrucker als die von Univac verfügbaren vorgesehen.

Auch die Druckqualität dieser Manessmann-Tally-Geräte ist besser.

Neben diesen beiden Univac-Rechnern steht im Rechenzentrum noch eine NAS AS/5-7031 mit einem gemischten Batch-, TSO- und Online-(CICS-)Betrieb. Diese Anlage löste eine alte IBM/360-50 ab. Bei der 360er "mixten" wir schon ab den frühen 70er Jahren: Band- und Plattenstationen von BASF ersparten einiges Geld gegenüber den IBM-Mietpreisen; bei den Platten war außerdem auch die modernere, leistungsfähigere Technologie ausschlaggebend nämlich die elektromagnetische Zugriffsarmsteuerung statt einer hydraulischen bei den damaligen IBM-Plattendrives.

Die wesentlichen Parameter für eine Mixed-Hardware-Entscheidung aus unserer Sicht; Preisvorteil, Leistungsvorteil, zusätzliche Features, bessere Hardwareverfügbarkeit und Zuverlässigkeit, qualitativ gleichwertige Wartung und Unterstützung, bessere Vertragsbedingungen (zum Beispiel garantierte Rücknahmepreise, Umwandlung/Kündigung, Mietverträge).

Problematisch sind Mixed-Installationen, wenn ein Fehler auftritt und nicht eindeutig erkannt und einem Hersteller zuordnet werden kann. Hier ist es oft schwierig oder zumindest zeitaufwendig, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und zu konstruktiver Mitarbeit bezüglich Fehlereingrenzung, Analyse und Behebung zu bewegen. Es ist prinzipiell immer der andere (Hersteller) schuld.

Seitdem die Mainframehersteller selbst mixen, indem sie OEM-Produkte zukaufen oder auf zugelieferte Geräte nur mehr ihr eigenes Firmenschild anbringen, sind eigentlich die meisten modernen Installationen strenggenommen Mixed-Hardware. Ein Ziel, das wir selbst längerfristig verfolgen, kann daher nur in einer sinnvollen Reduktion der Anzahl der Hardwarelieferanten liegen. Es ist uns bewußt, daß Einheitlichkeit besonders in den Bereichen Service und Support die Verfügbarkeit der EDV, Leistung und damit die Benutzerzufriedenheit positiv beeinflussen. Die sollte man überlegen, auch wenn damit geringfügige finanzielle Nachteile in Kauf genommen werden.

Dr. Anton Leyrer,

Freier Berater bei Arthur D. Little, Wiesbaden/Graz

Den Einsatz von Mix Hardware halte ich allem dann für sinnvoll, wenn es sich um mündige Benutzer handelt, die sich auch mal selbst helfen können. Der Hauptvorteil dürfte im Wettbewerbsprinzip liegen. Es heißt, daß mit Mixed-Hardware 25 bis 40 Prozent eingespart werden können. Hierbei muß aber beachtet werden, daß es sich nicht nur um Preis-, sondern vor allem auch um Leistungsvorteile handeln kann. Allerdings ist nicht auszuschließen, daß bei der Serviceunterstützung Probleme auftreten. Die Koordination verschiedener Herstellerfirmen ist nicht immer ganz einfach. Fehlerursachen treten nicht immer einheitlich auf, und Diagnosen können nur für bestimmte Einheiten abgegeben werden. Eine große Rolle wird zukünftig die Fernbetreuung spielen. Nehmen wir beispielsweise an IBM ist bereit, seine Anlage "fernzubetreuen", nicht aber die Platten von CDC oder irgendeinem anderen Hersteller. Hier könnten Probleme auf den Anwender zukommen.

Heute zählt aber mehr das Wettbewerbsargument. Bei Mixed-Hardware, besteht innerhalb der Servicetechniker ein gewisser Wettbewerb. Ohne diese Konkurrenz untereinander bestünde kein Maßstab für die Qualität anderer technischer Serviceleistungen. Neue Aspekte ergeben sich durch die Communication Architecture des blauen Anbieters, bei der gestufte Druckerintelligenz für ihre eigenen Anwender angeboten wird.

Ein neuer Trend auf dem DV-Markt ergibt sich durch kleine Anbieter, die plötzlich überall zum Vorschein kommen und auf Spezialgeräte eingerichtet sind. Ich denke hier an CAD-Bildschirme, Farbterminals, Plotter und vieles mehr. Besonders aufgefallen ist mir die Kreditkartenfirma Datacard aus den USA. Dieses Unternehmen hat in Hannover Fremd-Peripherie angeboten ohne irgendeine Tastatur dazu. Auch Intel steht unter dem Motto "Intel cannot do it alone". Das Unternehmen hat den Vorteil, daß es nicht wie IBM einen Riesenmarkt zu verteidigen hat, also frei von "Park-protection" agieren kann, Intel ist sogar bereit, die Vermittlung zu Zulieferfirmen in Europa zu übernehmen. Der Nutznießer ist in diesem Fall der Kunde. Es wäre überhaupt wichtig, die berühmten Second-Source-Hersteller benutzertransparent zu machen. Unter Second-Source verstehe ich, daß an irgendwelche größeren Rechner neuere Geräte von Peripherie-Anbietern direkt angeschlossen werden können.

Bei der Software sind Probleme ebenfalls nicht auszuschließen. Nicht einmal so sehr beim Betriebssystem selbst, sondern mehr auf der Anwendungsseite. Aber trotz allem überwiegen bei Mixed-Hardware die Vorteile. Sie kann nicht zuletzt auch zur Mündigkeit des Anwenders beitragen.

Peter Rudolf,

Bereichsleiter der Wrieske Systementwicklung GmbH BDU, Hamburg

Technologische Entwicklungen, Preiseinbrüche Tauf dem Hardwaresektor und vor allem verstärkte Konkurrenz haben den Hardwaremarkt durch neue Hersteller und neue Produkte einerseits unüberschaubar gemacht, andererseits jedoch zu einer für den Anwender vorteilhaften - Differenzierung des Marktes geführt. Man fühlt sich in einen Supermarkt versetzt, braucht nur das geeignete Gerät auszuwählen, falls eine bestimmte Hardware nicht vorhanden (oder zum gewünschten Termin lieferbar) ist, bedient man sich alternativ. Es gibt genug Alternativen. Kompatibilität ist gegeben...

Dieses totale Schlaraffenland haben wir zwar noch nicht ganz erreicht, aber weit davon entfernt sind wir sicher auch nicht.

Seit vielen Jahren bereits empfehlen wir, im Bereich der Hardwareperipherie, zum Beispiel Band-/ und Platteneinheiten nicht unbedingt von dem Hersteller zu beziehen, der die Zentraleinheit geliefert hat wenn es preisliche Alternativen gibt. Anwender aus unserem Kundenkreis beurteilen einen derartigen Mix durchweg positiv. Ein weiterer Anwendungsbereich von Mixed-Hardware liegt im Bildschirmeinsatz. Preisunterschiede von mehreren 100 Prozent sind hier durchaus an der Tagesordnung. Die Entscheidung über die Auswahl der einzelnen Bildschirme wird zwangsläufig durch derartige Tatsachen, denen sich ein verantwortungsbewußter Kaufmann nicht entziehen kann, entscheidend geprägt. Auch in diesem Bereich liegen nach unserer Kenntnis ausschließlich positive Erfahrungen vor - im Hinblick auf das Preis-/Leistungsverhältnis, das aus Gründen einer wirtschaftlichen DV-Anwendung immer stärker in den Vordergrund tritt. Die Ziele einer computerunterstützten Sachbearbeitung sind optimal nur dann zu erreichen, wenn pro Arbeitsplatz ein Bildschirm zur Verfügung gestellt werden kann. Kostengründe verhinderten das bisher oft. Kostengünstige und leistungsfähige Mixed-Hardware verbessert also den Komfort, der zu beträchtlichen Leistungssteigerungen am einzelnen Arbeitsplatz führt.

Schließlich - um einen weiteren wichtigen Aspekt einer möglichen Mixed-Hardware anzusprechen - ist der Kernspeicher zu nennen. Von denjenigen EDV-Chefs, die hier Versuche gewagt haben, bestanden beim Kernspeicher-Mix die größten Vorbehalte im Hinblick auf die vermeintlich damit verbundenen Risiken. Aus unserem Kundenkreis haben fünf Unternehmen Kernspeicher zu nennen. Von denjenigen EDV-Chefs, die hier Versuche gewagt haben, bestanden beim Kernspeicher-Mix die größten Vorbehalte im Hinblick auf die vermeintlich damit verbundenen Risiken. Aus unserem Kundenkreis haben fünf Unternehmen Kernspeicher-Mix eingeführt, mit den besten Erfahrungen (zum Teil seit über drei Jahren) und jährlichen Kosteneinsparungen, die bei Großrechnern durchaus in der Größenordnung einer halben Million liegen können.

Für die hier genannten wesentlichen Möglichkeiten eines Mixed-Hardware-Einsatzes kann festgestellt werden, daß offensichtlich die psychologische Barriere bei EDV-Chefs im Hinblick auf mögliche Software- und vor allem auch Service-Probleme als überwunden angesehen werden kann. Der Alptraum, daß bei Auftreten von technischen Störungen jeder Techniker (unterschiedlicher Herstellerfirmen) behauptet, daß an "seiner Hardware" der Fehler nicht liegen könne und daß eine durch Konkurrenzdenken geförderte mangelnde Kooperation zu gravierenden Nachteilen für den Anwender führt, wird wohl - Gott sei Dank - ein Alptraum bleiben. Die Realität sieht jedenfalls wesentlich besser aus. Nur Mut, die Kostenersparnis (ohne Leistungseinschränkungen) wird den Weg der Mixed-Hardware rechtfertigen.