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29.07.1977

Wirtschaftlicher Computereinsatz:Geglückte Spekulation

Dilemma bei Anwendern von IBM-Großrechnern: Soll man sich jetzt - bedingt durch das günstige Angebot der 3033 (3032, 3031?) für vier oder mehr Jahre an ein System binden, das frühestens Ende 1978/Anfang 1979 installiert werden kann? Und dann Gefahr laufen, im Hause auf einer "lnterims-Lösung" zu sitzen, wenn doch bereits Anfang der 80er Jahre die "eigentlichen" IBM-Future-Systeme kommen? Was nützt es auch jetzt die erheblichen Preisreduzierungen bei Systemen für Distributed Processing mitnehmen zu wollen, wenn diese Produkte (3276-Bildschirme etc.) für eine neue Computergeneration untauglich sind, weil völlig neue Technologien in's Haus stehen? Mehr denn je wird wirtschaftlicher Computereinsatz von geglückter Spekulation abhängig, obwohl die (Kauf-)Preise, günstig sind wie nie zuvor. CW befragte vier Anwender von Großsystemen über "die Qual der Wahl". hö

Dr. Werner Brack,

Geschäftsführer, Mannesmann Datenverarbeitung GmbH, Lintorf

Vermutlich waren technische Entwicklung und Preis/Leistungsrelationen des Marktes Anstoß für eine Reihe Anpassungsankündigungen des Marktführers.

Die allgemeine strategische Linie - verteilte Intelligenz innerhalb von Verbundnetzen oder föderative Lösungen für begrenzte Aufgaben - wird dadurch weiter gefordert. Die

Kontinuität von bestehender Soft- und Hardware ist nicht gestört. Insoweit keine Revolution sondern Evolution, die zunächst durchaus den Vergleich des Vorhandenen mit dem Neuen anregt. Neuere Konzepte werden erst die 80er Jahre bringen. Der Konkurrenz ist gezielt aber gemessen gefolgt worden.

Paul Sistig,

Leiter der Planungsabteilung, zuständig für EDV-Organisation, Programmierung und Maschinenkonfiguration

Wir haben seit langen Jahren bereits einen sehr guten Kontakt zur IBM - nicht nur zu der für uns zuständigen Geschäftsstelle. Letztes Jahr konnten wir uns anläßlich einer Amerika-Reise in den IBM-Labors gründlich umsehen und bekamen in etwa einen Eindruck davon, was auf uns bis etwa 1980 zukommt. Insofern haben uns die IBM-Ankündigungen des letzten halben Jahres nicht so sehr überrascht. Vorausahnen konnte man die Ankündigungen ja auch, wenn man den Markt aufmerksam beobachtete: Anlaß für diese Ankündigungen war ja vor allem der Druck der Konkurrenz auf allen Bereichen. Hier mußte der Marktführer nachziehen, wenn er nicht einen beachtlichen Marktanteil verlieren wollte. Denn eines steht fest: daß die Hersteller von Großsystemen - für die wir uns speziell interessieren - als auch die Hersteller für Peripherie um einiges unter den IBM-Preisen lagen und dabei auch noch gut verdienen, da sie ja in der Regel keine Software mitliefern. Und uns allen ist ja klar, daß die Kosten der IBM-Software auf die Hardwarepreise aufgeschlagen sind. Zwar hat IBM angekündigt, daß mit Erscheinen der 3033 die Softwarekosten steigen werden, das aber mit dem Hintergrund, daß der Anwender bei der 3033 vorrangig den Hardwarepreis zahlt, damit die IBM konkurrenzfähig bleiben kann.

Unser Unternehmen ist einer starken Expansion unterworfen, das bedeutet, daß alle zwei Jahre etwa Hardware-Wechsel oder -Umbau vorgenommen werden muß. Da wir von vornherein konsequent eine Linie verfolgen, gab es bei uns diesbezüglich keine Probleme. Derzeit geht unser Plan dahin, teilweise in den Außenstellen dezentrale Intelligenz in Form von Minicomputer-Systemen einzusetzen, die aber mit der Zentrale in Bonn nachts korrespondieren. Ganz sicher werden wir hierzu nicht IBM-Systeme einsetzen wie etwa die Minicomputer-Serie 1, da hier der Marktführer nicht die Software bieten kann, die wir fordern. Hier haben andere Anbieter mehr Erfahrungen und Möglichkeiten. Auch die neuen. IBM-Bildschirme interessieren uns vorerst nicht, da wir an diese Minicomputer reine Ein- und Ausgabe-Terminals installieren werden.

Die 3033 hat uns sehr interessiert, wir haben ein System bestellt, da unsere derzeitige Konfiguration bereits nächstes Jahr zu klein sein wird. Mit der 3033 mit 12 Kanälen und 6 Megabyte werden künftig unsere Anwendungen gefahren, die gekaufte 168 wird rein für TSO-Betrieb eingesetzt werden.

Peter Knobloch,

Leiter der EDV-Abteilung Gummi Mayer KG, Landshut

Wenn ich etwas zu IBM's Preis- und Produktpolitik der letzten 12 Monate sagen soll, dann kann ich das nur aus unserer Sicht tun. Wir betreiben eine vor zwei Jahren gekaufte 370/145 und haben in den letzten 12 Monaten unsere Plattenperipherie aufgestockt und gekauft. Unsere vorher gemieteten 560 Mio. Bytes in 3340-Einheiten ersetzten wir durch 1260 Mio-Bytes in gekauften 3340/3344-Einheiten. Wir haben als letzte Einheit also auch unsere Magnetplatten gekauft, weil wir meinen, auch auf diesem Gebiet langfristig disponieren zu können.

Die IBM-Preis- und Produktpolitik des letzten Jahres bestätigt uns in unserer Kaufpolitik, es hat - wie wir meinen - keine umstürzenden Neuankündigungen gegeben, sondern Leistungsverbesserungen und Preissenkungen, die unseren Kaufentscheid auch heute noch rechtfertigen. Uns sind auch heute noch die neuesten Systemsoftware-Produkte zugänglich und auch die neuen Bildschirm-Einheiten können wir noch anschließen. Dabei sind wir uns im klaren, daß sich dies eines Tages ändern könnte. Wir meinen jedoch, daß unser derzeitiges Computer-System noch eine ganze Reihe von Jahren geeignet sein wird, unsere geplanten Rationalisierungsanwendungen und unsere Erweiterungen vor allem im Dialogbereich zu unterstützen. Und das ist für uns schließlich entscheidend.

Wolfgang Wissing,

Verwaltungsleiter, Institut für automatische DV der Stadt Düsseldorf

Hauptaufgabe unseres Hauses ist derzeit die Entwicklung weiterer Anwendungen, eine bessere Ausstattung von Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit der Erweiterung der Datenverarbeitung. Nicht also der Drang, stets der neuesten EDV-Technologie hinterherzujagen. Unsere Vorhaben verlangen eine Sicherung des technischen Betriebes und somit der jeweiligen Hardware. Die Ankündigung der IBM 3033 berührt uns daher nicht - interessant erscheint uns die Frage nach dem Einsatz eines zusätzlichen Standby-Rechners, auch um die erweiterten DV-Kapazitäten aufzufangen. Auch die neue Minicomputer-Serie 1 kommt deshalb für unser Haus nicht in Frage. Unser Schwerpunkt liegt in der Verteilung der Computerintelligenz. Wir haben ein System 370/158 gekauft und werden es - um gut abschreiben zu können - so lange wie möglich nutzen. Die IBM-Bildschirme und Drucker haben wir gekauft. Da wir nicht wesentliche Erweiterungen im Datenverarbeitsnetz planen, war dieser Kauf für uns durchaus interessant. Natürlich werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Markt umsehen und die bis dahin verbesserten neuen Terminals einsetzen. Preise vergleichen werden wir immer. Denn der Markt muß auf die IBM-Ankündigungen reagieren - er hat es in der Vergangenheit immer getan.