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05.06.1981

Wirtschaftlichkeit der Anwendung bereitet Kopfschmerzen

Nach wie vor brennt den DV-Managern die Personal-Misere als Hauptproblem auf den Nägeln. Aber auch Wirtschaftlichkeit und Organisations-Adäquanz der DV bieten nach Ansicht von Ullrich Heppner (SCS Personalberatung GmbH, Köln) in vielen Unternehmen häufig Zündstoff für folgenschwere Diskussionen auf "höherer Ebene". Vor allem die Wirtschaftlichkeit der DV-Anwendungen, so Heppner, sie heute für alle DV-Verantwortlichen mehr denn je der Schlüssel für Akzeptanz und Erfolg. Ein weiteres Problem, mit dem die Datenverarbeiter verstärkt zu kämpfen hätten, sie die rasant fortschreitende technologische Entwicklung, beklagt sich Brunata-DV-Chef Wolfgang Knauß. Wenn er heute eine neue Anlage ordere und sich schulungsmäßig intensiv darauf vorbereite, könne es ihm bei den derzeitigen Lieferfristen der DV-Hersteller passieren, daß sein Wissen bereits bei der Einführung des Systems überholt sei. ha

Ullrich Heppner

Leiter der Geschäftsstelle SCS Personalberatung GmbH in Köln

Personalprobleme, Wirtschaftlichkeit und Organisationsadäquanz sind früher heute die Fragen des DV-Anwenders. Faszinierend ist dabei zu beobachten, wie die aus den Fragen resultierenden Antworten durch Individualität der konkreten Situation, technologischen Wandel und soziale Ansprüche wieder neu definiert werden müssen. Die DV-Entwicklung zeigt sich auch insofern als Prozeß, der keine Statik kennt. Wie sind heute in einzelnen die Akzente der Entwicklung zu setzen? Der Personalmarkt für DV-Mitarbeiter ist auch 1981 im Zeichen regender Arbeitslosigkeit leergefegt wie eh und je. Die Begründung dazu ist plausibel. Unser Bildungssystem ist nicht und wird nicht wohl auch nie in der Lage sein, sich an die Intensität des Wandels in der DV anzupassen. Die wirtschaftliche stimulierte Rasanz der Technologie-Entwicklung der Gemächlichkeit von Bildungspolitkern und der Schwerfälligkeit der politischen und administrativen Entscheidungssysteme diametral gegenüber.

Wir haben uns inzwischen an diesen Zustand gewöhnt. Die Instrumente- der Personalplanung und Personalentwicklung werden heute in keinem Funktionsbereich der Unternehmen so konsequent eingesetzt wie in der DV. Die externe Personalbeschaffung konzentriert sich fast ausschließlich auf die jährlich wenigen tausend Absolventen der Hochschulen und DV-Fachausbildungsstätten. Den entsprechend hohen Stellenwert nimmt die interne Personalbeschaffung, sprich Rekrutierung bei fachlich interessierten Mitarbeitern von Anwenderbereichen des eigenen Unternehmens oder Konzernbereiches, ein.

Der gesamte Bereich der DV-fachlichen Fort- und Weiterbildung zwingt den DV-Manager zur ständigen Orientierung nach Bedarf, Qualität und quantitativer Verfügbarkeit. Die Effizienz des SV-Managers in der personellen Besetzung seiner Mannschaft ist letztlich in den Nuancierungen begründet, mit denen er das personalpolitische Instrumentarium allein oder in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung einzusetzen in der Lage ist.

Die Wirtschaftlichkeit der DV-Anwendungen im Unternehmen ist für den DV-Manager 1981 mehr denn je die Schlüsselfunktion für Akzeptanz und Erfolg. Die Antwort eines DV-Leiters zur Unterschiedlichkeit in den Anforderungen an seine Arbeit heute im Vergleich zu früher mag dieses illustrieren: "Der Anwender ist frecher geworden." Die DV ist heute im Unternehmen beileibe keine heilige Kuh mehr. Das Selbstgefühl der Unternehmensleitungen wird heute nur noch in den wenigsten Fällen durch die Anschaffung eines Rechenzentrums oder Verlagerung der DV-Arbeit auf andere Unternehmen tangiert.

Der Anwender ist heute immer weniger bereit, unvorhergesehene Reibungsverluste bei DV-Umstellungen oder Einführung neuer Anwendungen in Kauf zu nehmen. Ein unsauberes Projektmanagement der DV-Fachabteilungen führt fast schon regelmäßig zu personellen Konsequenzen. Um für die Einführung neuer Anwendungen überhaupt noch Akzeptanz bei den Fachkollegen finden zu können, muß sich der DV-Manager 1981 mehr denn je durch den Einsatz wirtschaftlicher Verfahrensweisen zur Effizienzsteigerung des eingesetzten DV-Personals bemühen. Normierung und Standardisierung in Methoden Programmierung und Dokumentation werden immer mehr unumgänglich. Kreativität in der Rationalisierung, Flexibilität in der Anwendung und Ausdauer in der Durchsetzung, machen erst den Einsatz von modernen Dialog-und Datenbanksystemen möglich.

Die Polarität zwischen zentraler und dezentraler Organisation begleitet die DV von der ersten Geburtsstunde an. Hier ist die Entwicklung momentan durch die Rasanz der Technologie am wenigsten übersichtlich und entsprechend für den DV-Manager in einer konkreten Entscheidungssituation die Anpassung an die optimalen Möglichkeiten schwer. Der Horizont der Entwicklung läßt sich sowohl in technologischer wie auch in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht schwer überblicken. Der Dezentralisierungseuphorie in den vergangenen fünf Jahren folgt mittlerweile die Ernüchterung. Insbesondere in größeren Organisationen ist die Systemlandschaft häufig so zerklüftet, daß eine systemmäßige Abstimmung einzelner Organisationsbereiche hinsichtlich Hard- oder Software kaum noch möglich ist. Durch vorschnelle Entscheidungen innerhalb der letzten Jahre haben sich nicht wenige Unternehmen den Zugang zu wirtschaftlichen Lösungen für absehbare Zeit verbaut. Die installierten Systeme müssen noch abgeschrieben werden, dürfen aber andererseits aus Gründen mangelnder Integrationsfähigkeit nicht weiter ausgebaut werden.

Dr. Peter Naumann

Abteilungsdirektor Systementwicklung, R + V Raiffeisen Versicherungen, Wiesbaden

Welche drei Probleme bereiten den DV-Managern heute am meisten Kopfschmerzen? Nach meiner Einschätzung sind es die drei Problemkreise

þPersonalführung

þKomplexität der Systementwicklung

þAkzeptanz der Anwender.

1. Die Personalführung im DV-Bereich wird mit wachsenden Anforderungen und Belastungen der DV-Mitarbeiter immer schwieriger. Insbesondere muß das DV-Management folgende Probleme losen:

- Die Enge auf dem Personalmarkt für DV-Kräfte verlangt umfangreiche hausinterne Ausbildungs- und Entwicklungsprogramme und weitgreifende Maßnahmen zur Reduktion der Mitarbeiterfluktuation. Zusätzlich wird die Erwartungshaltung der Mitarbeiter an das Management dadurch beträchtlich gesteigert.

- Auch von der Seite des hohen Anforderungsprofils und des besonderen Ausbildungsniveaus der Mitarbeiter im DV-Bereich her wird im Gegeneffekt eine sehr hohe Erwartungshaltung gerade dieser Mitarbeiter gegenüber der Führungsfähigkeit des DV - Managements erzeugt.

- Das moderne Projektmanagement verlangt Aufgabenerfüllung im Team. Spezialisten der Fachbereiche arbeiten mit DV-Mitarbeitern gemeinsam an der Erfüllung einer Aufgabe. Dabei gewinnt das soziale Verhalten der Mitarbeiter in der Gruppe eine große Bedeutung.

- Die immer noch weiter steigenden Anforderungen auch an Belastungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter treten häufig in Widerspruch zu entwickelten Normen, etwa geschaffenen gesetzlichen Regelungen im Rahmen der Mitbestimmung. Das bringt den DV-Manager zwangsläufig in ein sehr ernstzunehmendes Spannungsfeld.

Im Ergebnis wird sich der DV-Manager deshalb bezüglich Personalführung (Betreuung, Entwicklung und Orientierung der Mitarbeiter) neu orientieren und konzentrieren müssen. Er muß auf die Umwelt gestaltend eingreifen. Zum Beispiel durch Schaffung von Supportteams, um dadurch die Entwicklung oder Produktion von technischer Unterstützung zu trennen. Diese muß er definieren und koordinieren.

Die Streßfaktoren sollte er durch harmonisierende und stabilisierende Maßnahmen reduzieren und durch Gesamtüberblick und ständige Qualitätskontrollen Risiken erkennen und abbauen.

2. Der DV-Manager sieht sich vielfältigen ineinandergreifenden Aufgabenkomplexen gegenüber, die integriert zu lösen sind. Im wesentlichen muß er folgende Komponenten zusammenführen:

- Nicht einfaches Umsetzen von Fachabteilungsanforderungen, sondern das Entwickeln neuer richtungsweisender Lösungen, integrierter Gesamtkonzepte, einer Systemarchitektur als Basis für eine Langfristplanung charakterisieren das heutige Anforderungsprofil an die DV.

- Der Einsatz moderner Technologien muß die gleichzeitige Gestaltung der betriebsorganisatorischen Umwelt einbeziehen. Nicht das EDV-System allein, auch die Arbeitswelt bis hin zur Arbeitsplatzgestaltung (Bildschirmarbeitsplatz) muß gleichzeitig mitentwickelt werden.

- Die Innovationsgeschwindigkeit bei Hard- und Software muß bei den wachsenden Entwicklungszeiträumen, die zwischen Planung und Realisierung integrierter Systeme liegen, praktisch mitgeplant - also antizipiert - werden. Diese Planung bildet den Rahmen für die Entwicklungsplanung. Dabei ist es genauso gefährlich, wenn die - fortschrittlichen - Ziele des EDV-Managers mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen zu weit auseinanderklaffen, als wenn aus Entscheidungsangst vor dem ständigen Innovationsprozeß die vorhandenen Ressourcen nicht eingesetzt werden, also der Fortschritt unterbleibt.

Der DV-Manager muß deshalb diesen Rahmen, die Architektur und das Planungsinstrumentarium einschließlich neuer Verfahrenstechniken in Entwicklung und Umsetzung schaffen und verantworten. Er muß durch ein internes Kontrollensystem die Entwicklung in diesem Rahmenwerk halten. Durch externe Orientierung sollte er die Richtigkeit der Strategie ständig überprüfen, um das Gesamtunternehmen vor dem Verfolgen falscher Richtungen zu bewahren.

3. Verständnis und aktive Mitarbeit des Anwenders: Eine der Hauptaufgaben des DV-Managers ist es heute, die gedankliche, sprachliche und fachliche Distanz zwischen EDV und Anwender mit geeigneten Maßnahmen zu verringern. Im Rahmen von Entwicklungsprojekten müssen Anwender vor allem heute

- mitdesignen

- testen

- Inbetriebnahme sicherstellen

- die geschaffenen Rationalisierungsmöglichkeiten nutzen.

Endbenutzersprachen müssen in die Fachbereiche eingebracht werden, um damit Entwicklungsaufgaben in die Fachbereiche delegieren zu können. Dazu ist erweitertes EDV-Wissen beim Anwender aufzubauen. Wichtig für die Anwender-Akzeptanz ist weiter die Transparenz des Kostenbudgets der DV, um eine gemeinsame Verantwortung der Unternehmensführung für alle mittel- und langfristigen Planungen zu ermöglichen. Kann die Integration des Anwenders in dieser Form nicht erreicht werden, ist der Erfolg der EDV-Arbeit in Frage gestellt.

Insgesamt bedingen diese Problemgebiete eine Neuorientierung im Anforderungsprofil des DV-Managers. Sie bieten jedoch gleichzeitig Chancen, Anreize und Motivation, dieser anspruchsvollen Aufgabenstellung in der persönlichen Leistung nahezukommen.

Wolfgang Knauß

DV-Leiter, Brunata, Wärmemesser Stuttgart, Echterdingen

(IBM 370/138, DOS/VSE)

Die meisten Kopfschmerzen verursacht den DV-Managern nach wie vor die unbefriedigende Situation auf dem DV-Personalmarkt. In den traditionellen Bereiche, die nicht langfristig von externen Mitarbeitern abgedeckt werden können (zum Beispiel Operating und Systemprogrammierung), stehen Angebot und Nachfrage in einem absolut unausgewogenen Verhältnis.

Das Kostendenken der Unternehmensführungen bringt inzwischen für die Datenverarbeiter ein neues Problem: Die Erwartungs- Erwartungshaltung von Management und Fachbereichen in die DV. Wie der "Diebold-Report '80" besagte, liegen die DV-Kosten inzwischen bei acht bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes eines Unternehmens. Dies läßt sich von den Top-Managern zwar theoretisch noch leicht akzeptieren. Liegen aber die Zahlen auf dem Tisch, gibt es immer härtere Diskussionen. Man geht davon aus, daß eine "so teuere DV-Anlage" quasi alles kann. Der Anwender stellt sich also stets den allerneuesten Komfort vor - und resigniert, wenn eine gewünschte Anwendung nicht schnell genug und nach seinen Vorstellungen realisiert werden kann. Man kann nur schwer deutlich machen, daß alle derzeit auftretenden Wünsche nur mit einem riesigen Aufwand möglich sind, den sich bei den derzeitigen DV-Gehältern kaum noch ein Unternehmen leisten kann.

Ein Phänomen, mit dem die DV-Manager heute mehr denn je zu kämpfen haben, ist die schnelle technologische Entwicklung. Wenn ein DV-Leiter heute ein neues System ordert und sich schulungsmäßig intensiv darauf vorbereitet, kann es ihm passieren, das sein Wissen bereits dann veraltet ist, wenn die Anlage installiert wird. Man rennt also immer dem eigenen Know-how hinterher.

Hinzu kommt, daß die Lieferzeiten der DV-Anbieter in der Regel etwa 24 Monate betragen. Eine nach dem neuesten Stand und nach bestem Wissen bestellte Anlage ist meist bei der Installierung schon wieder veraltet.

Wir standen einst selbst vor der Situation, daß nur wenige Wochen nachdem wir unsere IBM 370/138 bestellt haben, bereits die 4331 angekündigt wurde. Der Preisunterschied zwischen beiden Systemen ist hinlänglich bekannt. Es ist verständlich, wenn in den Vorstandsetagen immer häufiger die Frage auftaucht: "Konnten Sie diese Entwicklung nicht voraussehen?"

Es ist sicherlich nicht so, daß die Datenverarbeiter heute von einer Entwicklung total überrascht werden, aber als DV-Leiter steht man derartigen Vorwürfen meist ratlos gegenüber.

Die langen Lieferzeiten für Hard- und Software machen heute allen Datenverarbeitern zu schaffen.

Sechs bis acht Monate sind relativ gut zu überbrücken, aber zwei Jahre haben sich als zu viel erwiesen.