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SCHOLZ REPORT


18.02.1977 - 

Wirtschaftlichkeits-betrachtungen im

EDV-Bereich -Problem langfristiger Voraussagen

Große Projekte werden meist über 5 - 10 Jahre im voraus geplant. Ein genauer Aufriß der

einzelnen sachlichen Probleme ist selbstverständlich. Er bildet die Basis für alle weiteren Arbeiten. Die Einführung derartiger umfangreicher Projekte, die meist das gesamte Unternehmen tangieren oder auch umkrempeln, ist jedoch davon abhängig, ob die neuen Verfahren langfristig wirtschaftlich sind oder nicht. Im Rahmen dieses Scholz-Reports möchte ich einige Überlegungen dahingehend anstellen, wie die Wirtschaftlichkeit von langfristigen Projekten in der Zukunft durch die fallenden EDV-Kosten und die steigenden Personalkosten becinflußt wird.

Steigende Personalkosten

Jeder ORG/EDV-Chef sollte sich einmal die Mühe machen festzustellen, wie stark die Personalkosten in den letzten 10 Jahren in seinem Unternehmen gestiegen sind. Er wird relativ leicht Steigerungsraten von ca. 8% pro Jahr errechnen können. Setzt man diese Zahl als Basis für weitere Überlegungen an, so kommt man schnell auf astronomische Werte, wenn man die Werte für die nächsten 10 Jahre ermittelt. Wenn ein Jahres- einkommen für einen mittleren Sachbearbeiter von 40 000 DM incl. Sozialleistungen heute zugrundegelegt wird, so ergeben sich bei je 8% Steigerung pro Jahr folgende Personalkosten in

den nächsten 10 Jahren:

Jahr 1 - 43 200 DM

Jahr 2 46 656 DM

Jahr 3 - 50 388 DM

Jahr 4 - 54 420 DM

Jahr 5 - 58 773 DM

Jahr 6 - 63 475 DM

Jahr 7 - 68 553 DM

Jahr 8 - 74 037 DM

Jahr 9 - 79 960 DM

Jahr 10 - 86 357 DM

Aus der obigen Tabelle ergibt sich, daß das mittlere Einkommen eines Sachbearbeiters nach 10 Jahren auf mehr als das 2-fache angestiegen ist. Dieser Trend hat sich in den vergangenen 10 Jahren durchaus so dargestellt, es handelt sieh also nicht um eine irreale Annahme, sondern um die nüchterne Realität.

Sinkende EDV-Kosten

In der Vergangenheit konnte eindeutig festgestellt werden, daß die EDV-Kosten einen stark sinkenden Trend aufweisen. Dies heißt natürlich nicht, daß die EDV-Kosten im Unternehmen absolut zurückgegangen sind, sondern es bedeutet lediglich, daß die Kosten pro verIgleichbarer Leistungseinheit gesunken sind. Dies läßt sich beispielsweise anhand der folgenden Tabelle für IBM-Plattenspeicher beweisen, wo die Kosten pro 1 Million Bytes Plattenspeicherkapazität verglichen werden:

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Typ Monatliche Kosten pro 1 Mio Bytes Kapazität in DM

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2311 369

2319 75

3330-1 28

3330-11 18

3350 8

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Es handelt sich hier um angenäherte Werte. Je nach Modell der Zentraleinheit sowie der verwendeten Steuereinheiten können sich Korrekturen nach oben ergeben. Die Kosten sind auch bei anderen Herstellern in ähnlichem Umfang gefallen, es handelt sich also nicht um eine IBM-spezifische Kostensenkung.

Ähnliche Kostensenkungen lassen sich nachweisen, wenn die Leistungen von Zentraleinheiten oder die Kosten des Hauptspeieherplatzes miteinander im Zeitverlauf vergliehen werden.

Fazit für den Anwender

Der Anwender muß heute bei Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen umdenken. Es ist bei langfristigen Projekten völlig falsch wenn die laufenden Kosten nach den heute gültigen Hardwarepreisen ermittelt werden. Genauso ist es verfehlt, wenn die Personaleinsparungen nach den jetzt gültigen Kosten ermittelt werden. Vielmehr müssen Wirtschaftlichkeitsbetradltungen so dynamisch angelegt werden, daß der Versuch einer realistischen Vorausschätzung der Personalkostensteigerung und der Hardwarekostensenkung unternommen wird. Zwangsläufig werden sich bei dieser Betrachtungsweise Probleme mit- den Fachbereichen und dem Management ergeben.

Durch die weiter sinkenden Hardwarekosten werden sich neue Anwendungen ergeben, die heute noch sehr teuer sind. Wagt man jedoch die Prognose, daß in 10 Jahren Million Bytes auf einem Direktzugriffsspeicher höchstens 1 Mark Miete pro Monat kosten werden, dann ist die Speicherung umfangreicher Historienbestände kein nennenswertes Problem mehr. Der Aufbau umständlicher Verfahren zum Auslagern auf andere - derzeit billigere - Speichermedien wird mehr und mehr unsinnig.

Ich meine, daß das Einsparen von Computer-Kapazität heute nicht mehr höchste Priorität hat, es kommt entscheidend darauf an, lukrative Anwendungen schnell und gut zu realisieren. Die Systemoptimierung wird mehr und mehr nachrangig.