Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.03.1988

Wirtschaftsinformatiker bitten Bonn zur Kasse

Um die Situation der Wirtschaftsinformatik ging es bei einem Spitzengespräch am 9. März 1988 im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft in Bonn. Neben Minister Jürgen W. Möllemann nahmen daran unter anderem der Sprecher der Wirtschaftsinformatiker in Deutschland, Professor Karl Kurbel vom Lehrstuhl für Betriebsinformatik der Universität Dortmund, der Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), Professor Fritz Krückeberg, und Professor Dieter Preßmar (Universität Hamburg) teil.

Das Gespräch war von der Wirtschaftsinformatik initiiert worden, um auf die Diskrepanz zwischen den Ausbildungskapazitäten und dem Bedarf des Arbeitsmarkts aufmerksam zu machen. Dem enormen Bedarf der Wirtschaft an informationstechnisch ausgebildeten Fachkräften, die auch über die notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse verfügen, steht die unzureichende Ausbildungskapazität der Wirtschaftsinformatik-Lehrstühle gegenüber. Professor Kurbel wies darauf hin, daß die Nachfrage des Arbeitsmarkts nicht annähernd befriedigt werden kann: "Auf einen Bewerber kommen im Schnitt mindestens vier offene Stellen. Arbeitslosigkeit ist ein Fremdwort für unsere Absolventen."

Die gegenwärtige Notsituation der Wirtschaftsinformatik rührt unter anderem daher, daß die massive Förderung der "reinen" Informatik bisher an den Anwendungsfächern fast spurlos vorüberging. Professor Kurbel sprach dies gezielt an: "Die Erwartung der Politiker, daß die Unterstützung der Informatik auch ihren Anwendungen zugute kommt, erwies sich als Trugschluß. Denn Informatik allein genügt nicht; der Nutzen der Informationstechnik kommt erst in der gezielten Anwendung zum Vorschein. Um die Anwendungen kümmern sich Fächer wie die Wirtschaftsinformatik." Die Notwendigkeit, das Informatik-Know-how in die Anwendungen zu tragen, erkannte auch Professor Krückeberg an und unterstütze in seiner Funktion als GI-Präsident ausdrücklich das Anliegen der Wirtschaftsinformatik.

Minister Möllemann stimmte mit Kurbel und Krückeberg voll darin überein, daß der Ausbau der Wirtschaftsinformatik dringend vorangetrieben werden müsse. Die Problematik der Ansiedlung der Wirtschaftsinformatik - außerhalb der Kerninformatik, im wirtschaftswissenschaftlichen Umfeld, und damit abgeschottet von Mittelzuflüssen in die Informatik - war ihm bewußt. Er brachte dies auf den Nenner: "Nicht Baum und nicht Borke."

Die Ausbildungsaufgaben der Wirtschaftsinformatik sind von den Anforderungen an die Computerunterstützung und vom Personalaufwand her vergleichbar mit denen der Informatik; sie müssen aber mit einer Sachmittel- und Personalausstattung wie in einer "Papier- und- Bleistift-Disziplin" bewältigt werden.

Kurbel und Preßmar legten dem Minister einen Entwurf für ein befristetes Wirtschaftsinformatik-Förderungsprogramm vor. Dieses sieht 145 Millionen Mark, über vier Jahre verteilt, zum Ausbau des Fachs vor. Davon sollen rund 100 Millionen Mark in Computerausstattung und 45 Millionen Mark in zusätzliche Personalstellen investiert werden. "Unsere Absolventen haben im Berufsleben ständig mit Computern zu tun. Wir müssen als Universität einfach in der Lage sein, die Anforderungen der Praxis im Bereich betriebliche Datenverarbeitung durch die Ausbildung abzudecken, trugen die beiden Wirtschaftsinformatiker dem Minister vor.

Bundesminister Möllemann sagte tatkräftige Hilfe zu. Die im Rahmen der Kompetenzen des Bundes liegenden Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden. Dies bedeutet konkrete Unterstützung beim Aufbau der Computerausstattung. Personalstellen fallen dagegen in die Zuständigkeit der Länder; Möllemann sagte zu, sich bei den Kultus- und Wissenschaftsministern der Länder für die notwendige Personalausstattung einzusetzen. Hier sind nun die Länder gefordert, sei es durch Einrichtung neuer oder Umwidmung vorhandener Stellen. Die Einschätzung von Kurbel dazu: "Auf jeden Fall wird das öffentliche Engagement des Bundesministers für die Wirtschaftsinformatik eine wichtige Signalwirkung haben. Die nächste Runde steht uns nun mit den Ländern bevor."