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IT-Arbeitsmarkt/Berliner Wissenschaftler untersuchen IT-Arbeitsmarkt


29.11.1996 - 

Wirtschaftsinstitut dämpft Beschäftigungseuphorie

Wie schon zu Beginn der 80er Jahre ist die Informationstechnik zum Hoffnungsträger für Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum avanciert. Ähnlich wie damals mit Kabelfernsehen und Btx ist heute mit Digital-TV und Internet die Erwartung verknüpft, daß sie das Angebot an elektronischen Massenmedien erheblich ausweiten und Informationen über Telekommunikationsnetze interaktiv nutzbar machen.

Doch im Unterschied zu damals wird der Weg Deutschlands in die Informationsgesellschaft heute als Teil eines globalen Trends gesehen. Politik könne allenfalls noch das Tempo bestimmen, so Wolfgang Seufert vom DIW. Eindeutiges Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft durch eine möglichst schnelle und breite Anwendung der Informationstechniken zu verbessern, um Wachstum und Beschäftigung langfristig sichern zu können.

In der gegenwärtigen Diskussion wird die weitgehende Deregulierung des Medien- und Telekommunikationsbereichs als geeignetes Mittel gewertet, um den Strukturwandel zu beschleunigen. Bedenken in medien- und gesellschaftspolitischer Hinsicht treffen in der öffentlichen Debatte vor allem auf das Argument von Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen. Die Analyse quantitativer und qualitativer Beschäftigungseffekte, die aus zahlreichen Studien hervorgehen, läßt freilich offen, ob die gewünschten Ziele auch zu erreichen sind.

Die Diskrepanz der Erwartungen hinsichtlich der künftigen Beschäftigungseffekte läßt sich an einem Beispiel zeigen: Noch im Mai 1996 rechnete das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMFT) damit, daß es bereits im Jahr 2000 mehr Arbeitsplätze in der IT-Branche als in der Automobilindustrie geben wird. Europaweit sei mit bis zu zehn Millionen neuen Stellen zu rechnen.

Erheblich zurückhaltender dagegen der zu Jahresbeginn vorgelegte Bericht der Bundesregierung über den Weg Deutschlands in die Informationsgesellschaft. Bis zum Jahr 2010 geht man hier im günstigsten Fall von 1,5 Millionen zusätzlichen Jobs aus. Ursache für die zum Teil erheblich divergierenden Prognosen sind laut DIW konkrete Wirkungsebenen, die in der Diskussion vermengt werden. Neue Arbeitsmodelle und Berufsbilder hätten demzufolge ebenso Einfluß auf die Prognosen wie der Aufschwung in der IT-Produktion oder der zunehmende Einsatz von IT in der gesamten Volkswirtschaft.

Eine weitere Tücke der vorgelegten Prognosen verbirgt sich hinter dem Begriff "neue Arbeitsplätze". Zahlreiche Studien suggerieren, daß es sich dabei um zusätzliche Stellen handelt. Unbestritten jedoch ist das hohe Rationalisierungspotential von IT, das zwar zu neuen Jobs führt, aber bestehende Strukturen massiv beeinträchtigen kann. Ein anderer Beschäftigungseffekt ist mit der Telearbeit verbunden.

VDMA und ZVEI haben jüngst ein Potential von einer Million Telearbeitsplätzen bis zum Jahr 2000 genannt. In der Mehrzahl jedoch dürften dies, so das DIW, räumlich verlagerte "alte" Tätigkeiten sein und damit unter dem Strich keine zusätzlichen Jobs.

Laut DIW erwirtschaftet der Informationssektor derzeit 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auf der anderen Seite aber findet der überwiegende Teil der IT-Beschäftigung in fremden Branchen statt. Ferner kommt das DIW zu dem Ergebnis, daß die Nachfrage nach entsprechenden Produkten zwar überdurchschnittlich ansteigt, die Wertschöpfung sich aber vom Bruttoinlandsprodukt nicht sonderlich unterscheidet. Produktivitätszuwachs müsse nicht unbedingt Beschäftigungszuwachs bedeuten. Beispielsweise seien zwar 60000 neue Stellen in den elektronischen Medien zu erwarten, allerdings werde dieser Anstieg vollständig durch Rückgänge im Druckmedienbereich kompensiert.

Angeklickt

Prognosen für die Beschäftigungsentwicklung sind ein äußerst schwieriges Unterfangen. Vor wenigen Monaten hatte bereits das Münchner ifo-Institut kritisiert, daß vor allem die einseitige Konzentration auf arbeitsplatzschaffende Effekte zu kurz greife. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) in Berlin kommt zu dem Schluß, daß die hohe Arbeitslosenquote selbst bei einer raschen Ausbreitung von IT-Techniken nur wenig sinken werde. Weder die Enthusiasten noch die Skeptiker können zuverlässig vorhersagen, wie sich die Beschäftigung in Zukunft entwickeln wird.