Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.08.2000 - 

GI bemängelt Arbeitsbedingungen an den Hochschulen

Wissenschaftlicher Nachwuchs in der Informatik wird knapp

BONN (CW) - Der IT-Fachkräftemangel wirkt sich dramatisch auf die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses an den Hochschulen aus - darauf macht die Gesellschaft für Informatik (GI), Bonn, aufmerksam. Auch das Sofortprogramm der Bundesregierung schaffe keinen langfristigen Ausweg aus der Misere. Von einer Verbesserung der Hochschulbedingungen würde auch die Wirtschaft profitieren.

Offene Stellen im Hochschulbereich können nach Beobachtung der GI nicht oder erst nach wiederholten Ausschreibungen besetzt werden, die verfügbaren Mitarbeiter sind überlastet. Dies mindere die Qualität von Forschung sowie Lehre und gefährde damit auch die wirtschaftliche Entwicklung. GI-Präsident Heinrich Mayr: "Alle Wirtschaftszweige hängen unmittelbar von einer schlagkräftigen Informatik ab. Deutschlands Position im internationalen Wettbeweb wird sich massiv verschlechtern, wenn nicht umgehend durchschlagende Maßnahmen ergriffen werden."

Eine Umfrage der GI unter rund 200 Hochschullehrern verdeutlicht den Ernst der Lage: 89 Prozent der Befragten gaben an, dass es seit ein bis zwei Jahren erheblich schwieriger, wenn nicht gar unmöglich geworden sei, Stellen an den Hochschulen zu besetzen. Die Attraktivität der wissenschaftlichen Laufbahn habe stark nachgelassen. Promotionen würden häufiger abgebrochen oder die Möglichkeit gar nicht erst wahrgenommen, wie ausgeschlagene Stipendien für Graduiertenkollegs zeigten.

"Die Ursachen hierfür sind mehrschichtig", erklärt Mayr und führt als einen Grund die Einstiegsgehälter im öffentlichen Dienst an, die mit denen in der Wirtschaft nicht konkurrieren können. "Die finanzielle Motivation darf jedoch nicht überbewertet werden", so der Professor. Ebenso wichtig seien die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen, wie etwa die Ausstattung, oder die Möglichkeit, eine Promotion zügig zu erarbeiten. Diese Bedingungen seien jetzt zusätzlich beeinträchtigt: Wegen der erhöhten Studienanfängerzahlen stiegen die Anforderungen an die Mitarbeiter in der Lehre. Hinzu komme, dass fast keine Informatikstudenten als Hilfskräfte arbeiten wollten, weil sie bei Firmen leicht ein Mehrfaches des gebotenen Stundenlohns erzielten. Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gerate in einen Teufelskreis. Dazu Mayr: "Wenn Nachwuchsstellen nicht mehr besetzt werden können, verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für die übrigen wissenschaftlichen Mitarbeiter noch mehr. Damit verlieren die Stellen an den Hochschulen weiter an Attraktivität."

Zudem seien in Deutschland die realen Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, eine Informatikprofessur oder eine Festanstellung in einer Forschungseinrichtung zu erhalten, "ungewöhnlich schlecht". Es lockten also nicht nur die Industrie, sondern ebenso die viel flexibleren Hochschulen in den USA und in Großbritannien. Die GI fordert daher Bund, Länder sowie die Industrie auf, "alle Möglichkeiten zu mobilisieren, um die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses und damit die Qualität von Forschung und Lehre in der Informatik zu verbessern". Ein besonderes Augenmerk gelte dabei der Wirtschaftsinformatik, in der das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage besonders drastisch ist. Schließlich brauche auch die Industrie Mitarbeiter mit wissenschaftlicher Zusatzqualifikation sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen hoher Qualität. Die wissenschaftliche Laufbahn sei so zu gestalten, dass sie auch für Spitzenkräfte eine Alternative zur Karriere in der Wirtschaft darstelle. Hierzu gehörten interessante Forschungsthemen sowie attraktive Arbeitsbedingungen.

Das "Sofortprogramm zur Weiterentwicklung des Informatikstudiums an den deutschen Hochschulen" werde allein nicht ausreichen. Insbesondere lasse sich mit 100 Millionen Mark auf fünf Jahre verteilt keinesfalls, wie verschiedentlich behauptet, die Zahl der Professuren um 400 erhöhen, sondern nur um einen Bruchteil davon. Demgegenüber wolle beispielsweise Frankreich den Etat der Spitzenuniversitäten sowie des "Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique" (Inria) verdoppeln. Die USA investierten 900 Millionen Dollar allein in den nächsten Pitac-Cal (Pitac = President''s Information Technology Advisory Committee).

Mayr kritisiert die in der Wirtschaft verbreitete Abwertung der Promotion als überflüssige Qualifikation: "Für die Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten ist eine ausreichende Zahl hoch qualifizierter Nachwuchskräfte in der Informatik unverzichtbar."