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05.12.2003 - 

UMTS/Bandbreite kontra Flächendeckung

WLAN: Nachbarschaftshilfe für UMTS?

Über das Konkurrenzverhältnis von UMTS und WLAN ist viel diskutiert worden. Unbestritten ist, dass je nach Einsatzszenario eine der beiden Technologien im Vorteil ist. Aber auch komplementäre Anwendungen sind denkbar, und wie so oft wird der Preis über die Akzeptanz entscheiden.Von Thorsten Wichmann*

"Drahtlos glücklich ohne UMTS" versprach die Schlagzeile eines Computermagazins Mitte 2002, als der Hype um öffentliche Wireless-LAN-Hotspots in Deutschland gerade begann. Besonders Cyberaktivisten propagierten WLAN als ernsthafte Konkurrenz zu UMTS. Ganze Netze von WLAN-Hotspots, die Städte wie Maschendraht überziehen, sollten an jedem Ort einen drahtlosen (und am besten noch kostenlosen) Internet-Zugang zur Verfügung stellen. Die schnelle und innovative IT-Industrie, so die Vorstellung der WLAN-Aktivisten, sollte dafür sorgen, dass in Nachbarschaftshilfe ein alternatives Netz zum UMTS-Netz der schwerfälligen Telekommunikationsgiganten aufgebaut wird.

Ergänzung statt Konkurrenz

Mittlerweile ist dieser Hype um WLAN als UMTS-Konkurrenz einer deutlich nüchternen Betrachtung gewichen. Viele Mobilfunknetzbetreiber sehen WLAN und UMTS heute eher als Ergänzung und engagieren sich auch im WLAN-Bereich - in Deutschland besonders Vodafone und T-Mobile. Denn schließlich bieten beide Technologien den Nutzern IP-basierende drahtlose Datenübertragung. Und die meisten Anwender dürften sich mehr für Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Preis ihres Datenzugangs interessieren als für die technischen Details.

Vergleicht man WLAN und UMTS anhand der für Nutzer wesentlichen Merkmale, haben die beiden Technologien sehr gegensätzliche Stärken und Schwächen. So ist WLAN im Gegensatz zu UMTS bereits produktiv nutzbar. Die Technologie verspricht hohe Bandbreite, hat aber nur eine geringe Reichweite, so dass der Zugang nur in der Nähe von WLAN-Basisstationen, den Hotspots, möglich ist. Die Landschaft dieser Hotspots ist in Deutschland derzeit noch lückenhaft, die bereits existierenden Funkzonen werden von unterschiedlichen Anbietern betrieben, und die Abrechnung ist bisher relativ aufwändig.

UMTS ist das genaue Gegenteil. Bislang ist es produktiv noch nicht nutzbar, allerdings können äquivalente Dienste mit geringerer Bandbreite über GPRS oder HSCSD in Anspruch genommen werden. Wenn UMTS voll zur Verfügung steht, wird die Bandbreite tendenziell deutlich unter der von WLAN bleiben. Dafür ist die Datenübertragung per UMTS im gesamten abgedeckten Gebiet möglich und nicht nur in der unmittelbaren Nähe von Basisstationen. Darüber hinaus hat der Nutzer üblicherweise nur mit einem Netzbetreiber zu tun und kann dessen Angebot bundesweit ohne Neuanmeldung in Anspruch nehmen. Und schließlich wird die Verbindung automatisch von Zelle zu Zelle weitergereicht, auch wenn der Nutzer in Bewegung ist.

Die ideale Lösung aus Anwendersicht wäre also eine Kombination der beiden Technologien oder zumindest eine technische Lösung, die je nach Umgebung und Anforderungen an die Datenübertragung die optimale und kostengünstigste Technologie auswählt. Techniker würden sich dazu vielleicht noch ein nahtloses Roaming zwischen WLAN und UMTS wünschen - also einen automatischen Wechsel der Übertragungstechnologie ohne Verbindungsabbruch. Für die meisten Szenarien, in denen mobile Datenübertragung eine Rolle spielt, ist dieser fliegende Wechsel aber nicht notwendig.

Einsatzszenarien unter die Lupe genommen

Berlecon Research hat in der kürzlich veröffentlichten "Marktanalyse Public Wireless LAN" die Nutzung mobiler Datenübertragung und die Chancen unterschiedlicher Technologien in verschiedenen Szenarien genauer untersucht. Dabei wurde zwischen sechs variierenden Einsatzgebieten unterschieden, in denen UMTS und WLAN übrigens nicht nur miteinander konkurrieren, sondern auch mit stationären oder drahtgebunden Lösungen wie Internet-Terminals oder der Einwahl über Remote Access Server (RAS).

Im Zusammenhang mit Public Hotspots wird die Ausnutzung von Reise- oder Wartezeiten oft besonders hervorgehoben. Geschäftsreisenden bieten sie sich für die Bearbeitung von E-Mails, die Erledigung von Formalitäten wie Reisekostenabrechnungen (zunehmend im Intranet) oder ähnliche Aufgaben an. Für diese mobil stationäre Nutzung sind WLAN-Hotspots, etwa in Flughäfen, eine gute Basis, weil sie vergleichsweise hohe Übertragungsraten bieten. Die UMTS-Vorteile der größeren Abdeckung von Ballungszentren dürften in erster Linie für ausgeprägte Vielreisende relevant sein - deren Zahl ist aber vergleichsweise klein.

So wird die endgültige Entscheidung, welche Technologie beim reisenden Anwender mehr Anklang findet, einerseits von den Preisen und anderseits von der Etablierung eines funktionierenden WLAN-Roamings abhängen: Ist die Einwahl in WLANs dauerhaft deutlich günstiger als in UMTS und gelingt den WLAN-Betreibern die Installation eines flächendeckenden Roaming-Systems, bei dem Hotspots unterschiedlicher Betreiber über eine Rechnung abgerechnet werden, dürfte sich für dieses Anwendungsszenario WLAN durchsetzen. Der Extremfall ist natürlich der kostenlose WLAN-Zugang als Ausstattungsmerkmal einer Location wie zum Beispiel Hotels oder für bestimmte Kundengruppen wie Vielflieger. Ist der Preisvorteil von WLAN dagegen gering und das Roaming kompliziert, dürften sich besonders die bequemen Nutzer für UMTS entscheiden.

Ein etwas anderes Nutzungsszenario ist das Arbeiten an bestimmten Orten: Für Journalisten und ähnliche Berufsgruppen stellt der Internet-Zugang etwa auf Messen, in Presse- und Kongresszentren, Politik- oder Sportstätten eine wertvolle Hilfe dar, um die vor Ort erstellten Beiträge schnell in die Zentrale zu übermitteln. Auch hier könnten prinzipiell beide Techniken genutzt werden. Wichtigster Vorteil von UMTS ist die Abdeckung auch weniger stark genutzter Schauplätze, Vorteil von WLAN die größere Bandbreite und die einfache Bereitstellung ausreichender Kapazität für eine große Anzahl gleichzeitiger Nutzer. Aus Anwendersicht erlangt WLAN jedoch einen kaum schlagbaren Vorteil, wenn die Betreiber der entsprechenden Einrichtungen WLAN als Grundausstattung ansehen und gratis anbieten.

Bei einem mobilen Büro steht dagegen der Wunsch im Vordergrund, überall mit dem Notebook arbeiten zu können und dabei Internet-Zugang zu haben - ob im Café, auf der Parkbank, am Strand oder sonstwo. Für UMTS spricht in diesem Szenario klar die breite Abdeckung, zumindest in Ballungsräumen. An wirklich entlegenen Orten steht allerdings auch UMTS auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung.

Beim mobilen Büro hat UMTS Vorteile

So sehr dieses Szenario in der Werbung beschworen wird, so unklar ist seine tatsächliche Relevanz. Die Zahl der Personen, die häufig entfernt vom Büro und potenziellen Hotspot-Locations arbeiten, ist vergleichsweise gering. Am stärksten dürfte der Wunsch nach einem mobilen Büro bei Außendienstmitarbeitern sein. Hier hat UMTS den Vorteil der einmaligen Konfiguration und zentralen Abrechnung. Der Zugang zu Ethernet- oder WLAN-Anschlüssen für firmenexterne Außendienstler wird dagegen voraussichtlich nur in den wenigsten Unternehmen möglich sein. Wichtigster Konkurrent von UMTS ist hier eher die traditionelle Modemeinwahl über RAS oder VPN mit 0800-Nummer als WLAN.

Diesem Szenario ähnlich ist die Nutzung eines drahtlosen Internet-Zugangs als Datentankstelle, etwa für die Synchronisierung von E-Mails, von Auftragsdaten oder von Serviceaufträgen. Wenn diese Synchronisation tatsächlich elementarer Bestandteil der Unternehmensprozesse ist, muss sie überall möglich sein, nicht nur in der Nähe bestimmter Hotspots. Dem Vorteil der weitflächigeren Abdeckung durch UMTS kommt hier also Bedeutung zu. Gleichzeitig sind die übertragenen Datenmengen oft relativ klein, so dass die Bandbreitenvorteile von WLAN kaum ins Gewicht fallen. Die Chancen, dass in diesem Szenario UMTS die Nase vorne hat, dürften groß sein.

Die Freizeitnutzung eines mobilen Zugangs zum Internet unterscheidet sich vom beruflichen Gebrauch in der Preissensitivität. Die meisten Privatkunden sind deutlich preissensibler als professionelle Anwender. Damit spricht der potenzielle Preisvorteil von WLAN-Hotspots - zum Beispiel durch Mischkalkulationen der Hotspot-Betreiber - in diesem Anwendungsbereich eher für WLAN. Wirklich relevant dürfte die Freizeitnutzung eines Internet-Zugangs über Notebooks in Zukunft aber nur dann werden, wenn diese Rechner auch für Privatpersonen zu einem regelmäßigen Begleiter werden, so wie heute Handys oder der Gameboy.

Bedeutender ist da dagegen die Nutzung von Mehrwertangeboten per Handy. Der Download von Spielen, momentan meist über GPRS verwirklicht, kann in Zukunft über UMTS schneller erfolgen. Das Gleiche gilt für die Nutzung von Portalen der Netzbetreiber wie I-mode, Vodafone live, T-Zones oder O2 active. Da hier der Zugriff am besten von überall möglich sein sollte und außerdem die Netzbetreiber auch die Grundausstattung der Endgeräte bestimmen, dürfte der Schwerpunkt hier klar auf UMTS liegen.

Wie diese Nutzungsszenarien zeigen, hat in einigen Bereichen UMTS, in anderen WLAN klare Vorteile. Welche Technologie von der Mehrheit letztendlich genutzt wird, hängt wesentlich von den jeweiligen Preismodellen ab. Eine klare Aussage wie "WLAN ist immer billiger" kann aber nicht getroffen werden.

Preisstrategien beinflussen den Access

Einer der großen Vorteile von WLAN ist die Möglichkeit der örtlichen Preisdifferenzierung. So kann zum Beispiel der WLAN-Zugang am Flughafen teurer angeboten werden als etwa in einem Café im Stadtzentrum, da die Fluggäste keine Alternativen haben. Allerdings können die Mobilfunkunternehmen den UMTS-Zugang bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen auch preiswert zur Verfügung stellen. Solche Strategien werden im Einzelfall dafür sorgen, dass der vermeintlich kostengünstigere WLAN-Zugang tatsächlich teurer ist. Damit hängt aber das Ergebnis, welche Technologie sich durchsetzt, von den jeweils gewählten Preisstrategien ab.

Allerdings kann das Rennen in Zukunft noch etwas an Spannung gewinnen. So vermarktet das Silicon-Valley-Startup IP-Funktechnologie für TC-CDMA (TDD), eine UMTS-Variante, die für eine noch höhere Bandbreite bei der Datenübertragung ausgelegt ist als das normale UMTS. Auf Basis dieser Technologie will zum Beispiel in Deutschland die Stuttgarter Airdata als Anbieter von so genannten Portable-DSL-Anschlüssen auftreten. Vorteil dieser Technologie für den Anbieter: Mit der Installation weniger Basisstationen kann eine ganze Stadt abgedeckt werden. Vorteile für die Nutzer: eine an DSL heranreichende Bandbreite und einheitliche Nutzung innerhalb des abgedeckten Ballungsraums. Damit verbindet diese Technik die Vorteile von WLAN und UMTS zumindest für die Nutzer, die sich vorwiegend in den abgedeckten Städten aufhalten. Entscheidend für die Wettbewerbschancen dieser Technik dürfte aber auch hier das Preis- und Abrechnungsmodell sein. (pg)

*Thorsten Wichmann ist Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Berlecon Research in Berlin.

Angeklickt

Eine eindeutige Empfehlung zugunsten von WLAN-Hotspots oder UMTS lässt sich nicht geben. Vor- und Nachteile hängen jeweils unter anderem ab von

- den Einsatzszenarien und Aufenthaltsorten des Anwenders,

- der Reichweite des Funknetzes,

- den künftigen Preismodellen der Anbieter,

- Roaming-Abkommen zwischen unterschiedlichen Hotspot-Providern,

- funktionierenden Billing-Verfahren, die trotz Nutzung unterschiedlicher WLANs eine einheitliche Abrechnung ermöglichen, sowie

- der Kombination zwischen den beiden Zugangstechniken.

Abb: Einsatzgebiete von Mobilfunktechniken

Bei der drahtlosen Übertragung konkurrieren mehrere Techniken. Vor allem auf Flughäfen, in Tagungszentren und Hotels steht mit WLAN eine bandbreitenintensive Alternative zu 3G und GPRS zur Verfügung. Quelle: Detecon & Diebold