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27.06.2003 - 

Mobile Computing/Techniken sollen sich leicht integrieren lassen

WLAN und UMTS: Symbiose im Antennendschungel?

Einst galt UMTS als der milliardenschwere Hoffnungsträger, doch sind die hohen Erwartungen mittlerweile Nüchternheit gewichen. Jetzt droht weiteres Ungemach: Mit WLAN (Wireless Local Area Network) gewinnt ein Funknetzstandard stark an Attraktivität und Verbreitung, der UMTS in entscheidenden Bereichen Marktanteile abnehmen könnte. Von Volker Pfirsching*

Auf den ersten Blick scheint WLAN gegenüber UMTS alle Vorteile auf seiner Seite zu haben: Neben der Tatsache, dass der Standard bereits stark verbreitet und damit sofort verfügbar ist, sprechen niedrigere Kosten für die Infrastruktur und die wesentlich höhere Bandbreite für die Technologie. Während UMTS im Idealfall eine Brutto-Bandbreite von maximal 2 MBit/s zulässt, erlaubt der aktuelle WLAN-Standard 802.11b bis zu 11 MBit/s. Künftige Generationen werden bald Daten mit maximal 54 MBit/s über die Luftschnittstelle schicken. Des Weiteren fallen für die Nutzung der WLAN-Frequenzen im Gegensatz zu UMTS keine Lizenzgebühren an.

Werden UMTS und die dafür getätigten Investitionen also nachhaltig durch WLAN bedroht? Schon seit längerem befürchten Experten, dass bereits installierte WLAN-Hotspots den UMTS-Lizenzeignern das Geschäft schmerzlich beschneiden, noch bevor die Mobilnetze der dritten Generation überhaupt auf breiter Basis zum Einsatz kommen. Grundsätzlich besteht diese Gefahr. Jedoch wird WLAN UMTS nur in einem sehr beschränkten Maße tatsächlich kannibalisieren. Vielmehr wird es zu einer mittelfristigen Integration der beiden Technologien kommen.

Es ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Mobilfunkanbieter versuchen wird, über ergänzende WLAN-Angebote den Datenverkehr im eigenen Netz zu halten. Während im UMTS-Markt nur wenige Provider agieren und Standards etabliert sind, hat der stark fragmentierte WLAN-Markt mit einer ausgeprägten Heterogenität hinsichtlich der Preise und der Abrechnungssysteme zu kämpfen. Bislang gibt es für die Nutzung von Hotspots in Hotels, Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen eine Vielzahl verschiedener - für den Kunden oft intransparenter - Abrechnungsmodelle.

Um WLAN als integrativen Bestandteil einer flächendeckenden UMTS-Infrastruktur anbieten zu können, sind künftig strategische Partnerschaften und Roaming-Abkommen zwischen den einzelnen WLAN-Anbietern ebenso notwendig wie das Engagement der großen Mobilfunkbetreiber.

Werbung für Hotspots

Einzelne WLAN-Hotspots müssen zuerst einmal beworben und bekannt gemacht werden, bevor ein ausreichend großer Nutzerkreis von dem Angebot Kenntnis erlangt. Hinzu kommt, dass die "Einwahl" in einen WLAN-Hotspot heute noch technisch wesentlich komplizierter ist als die Benutzung eines Mobiltelefons. UMTS bietet daher in puncto Bequemlichkeit deutliche Vorteile.

WLAN-Hotspots haben eine geringere Reichweite als UMTS-Mobilfunkmasten und sind daher nicht für ländliche Gebiete geeignet. Bemühungen, intelligente, sich selbst vernetzende und damit nahezu flächendeckende WLAN-Architekturen zu entwickeln, stecken noch in den Kinderschuhen. Auch definiert der WLAN-Standard kein komplettes Mobilfunknetz mit gesteuertem Mobilitäts-Management für den Wechsel zwischen einzelnen Zellen und ist daher für sich schnell bewegende Objekte wie zum Beispiel ein Auto ungeeignet.

Derzeit ist der typische WLAN-Benutzer hauptsächlich mit einem Notebook ausgestattet. Allerdings werden künftig Handhelds und Smartphones weitere Verbreitung erfahren und damit zusätzlich auch Sprachdienste sinnvoll integrieren. Während UMTS sowohl für Sprach- als auch für Datenverkehr entwickelt wurde, ist WLAN heute primär für den Bereich der Datendienste ausgelegt und bietet nur hier klare Performance-Vorteile. Eine Integration der beiden Standards dürfte sich aufgrund der heutigen Netzstrukturen zumindest für den Datenverkehr relativ problemlos gestalten, denn beide Standards nutzen einen Backbone, der auf dem IP-Protokoll basiert. (ba)

*Volker Pfirsching ist Berater bei Arthur D. Little in München.