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27.01.1989

Wohin geht der Trend bei User-Groups?

In der Politik ist das Phänomen bekannt: Haben mehrere das gleiche Ziel, schließen sie sich zu einer sogenannten Interessengruppe zusammen, die dann mit der geballten Kraft ihrer Mitglieder versucht, die Regierenden zu beeinflussen. Solche Lobbys gehören mittlerweile zu den selbstverständlichen Nebenprodukten der Demokratie. Da gibt eine Institution vor, für viele zu sprechen und hofft, so ihre Ziele durchzusetzen. Kein Wunder, daß DV-Anwender zu dem gleichen Mittel griffen, um sich gegen ihre "Regierung", die Hersteller ihrer Rechnersysteme, zu organisieren.

Das beginnt bei unzähligen PC- und Homecomputer-Clubs und endet bei exklusiven Vereinigungen von Supercomputeranwendern. Nach ihren amerikanischen Vorbildern nennen sich die meisten Anwender-Lobbys weltmännisch "User-Groups". Durch ihre Präsenz hoffen sie auf Hersteller und Händler Einfluß zu nehmen und den Mitgliedern durch gegenseitigem Erfahrungsaustausch zu helfen. Die Hersteller stehen den Anwenderkreisen mit gemischten Gefühlen gegenüber: PC- oder Homecomputer-Clubs gelten grundsätzlich als "Vereinigungen zum Zweck der Herstellung von Raubkopien". User-Groups von größeren kommerziellen Systemen können sich den Herstellern in zwei Erscheinungsformen darstellen. Entweder sie treten als "Gegner" auf, die eigene Vorschläge und Ideen durchsetzen und den Anwendern mehr Unabhängigkeit von den Herstellern verschaffen wollen. Oder es gelingt den Herstellern, die User-Groups in ihre Richtung zu fuhren, zu beeinflussen und letztlich nur noch abhängiger zu machen.

Die organisierten Anwender haben letztlich nur bestätigt, daß die Hersteller von sich aus nicht genug tun, um sie zufriedenzustellen. Da mangelt es an Systemdokumentationen, Hinweisen zur Betriebssystemsoftware oder es werden den Anwendern bestimmte Fehler erst gar nicht mitgeteilt. Besonders Anwender im Bereich der mittleren Datentechnik stehen ohne die Hilfe einer User-Group schnell im Regen.

Mittlerweile scheint sich das Bild jedoch zu wandeln. Noch gibt es zwar die User-Groups, die an Systeme eines Herstellers gebunden sind, doch es zeigt sich ein Trend, der zur systemübergreifenden, unabhängigen Anwendervereinigung geht. Wir fragten die Vertreter zweier Vereinigungen, wie ihre User-Groups organisiert sind und wo sie die Zukunft solcher Computer-Lobbys sehen.

Rüdiger Brand

1. Vorstand "EDV Anwender Kreis e. V. (E.A.K.)", Weikersheim, vormals Nixdorf User Group

Wir sind ein eingetragener Verein, der sich E.A.K., EDV-Anwenderkreis, nennt. Wir benennen uns nicht nach einem bestimmten Gerät, sondern wir sind, ein herstellerneutraler, bundesweiter, branchenneutraler EDV-Anwenderverein. Wir haben einen Vorstand, der aus fünf Personen mit fünf Aufgabenbereichen besteht.

Wir führen Seminare mit Herstellern durch, sowohl mit Hardware-, Softwareherstellern und neutralen Institutionen wie Diebold. Außerdem unterhalten wir Kontakte zu einer Vielzahl von Leuten, die sich mit Datenverarbeitung - in welchem Bereich auch immer - befassen.

Bei uns kann jeder Mitglied werden, der nicht erwerbs- oder gewerbsmäßig mit der DV beschäftigt ist. Das heißt, daß zum Beispiel IBM- oder Nixdorf-Geschäftsstellen nicht eintreten können. Damit wollen

wir zeigen, daß wir auf der Anwenderseite stehen und auch weiter dort bleiben wollen.

Die meisten unserer Mitglieder stammen aus der mittleren Wirtschaft, sehr viele von ihnen haben Nixdorf-Rechner, einige Kienzle. Die größeren Unternehmen haben IBM-Systeme installiert. Innerhalb des E.A.K. gibt es noch eine Gruppierung, die sich mit der 8890 von Nixdorf befaßt. Das sind derzeit 17 Mitglieder. Wir sind nicht nur bundesweit organisiert, sondern haben auch Mitglieder in der Schweiz, Osterreich und in den USA.

Was unsere Erfolge betrifft, gibt es jetzt zum Beispiel Seminare, die von Herstellern angeboten werden. Im zentralen Nixdorf-Ausbildungszentrum in Mainz werden jetzt Seminare veranstaltet, die wir gewünscht haben, zu Konditionen, die wir zwar nicht diktieren, aber mit dem Unternehmen besprechen. Gleiches führen wir mit der IBM durch.

Ein anderes Thema sind Drucker. Wir stellen fest, welche Druckeranwendungen unsere Mitglieder brauchen und sagen das den Herstellern. Im Lohnbereich und in der Werkstatt zum Beispiel, wo dickeres Papier bedruckt wird, geben Nadeldrucker nach einiger Zeit ihren Geist auf. Wir fordern jetzt den Hersteller auf, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das unseren Anforderungen genügt. Auch das hat bis jetzt funktioniert.

Was die Zukunft von Anwenderkreisen angeht, bin ich der subjektiven Meinung, daß es zweierlei Anwender geben wird: Die einen sind organisiert, die anderen sozusagen "freischaffend".

Große Unternehmen brauchen sich nicht zu organisieren. Sie werden von den Herstellern ganz anders betreut als ein mittlerer Anwender. Für ganz große Kunden wird da extra eine eigene Geschäftsstelle eingerichtet, da befassen sich ganze Stäbe nur mit einem Unternehmen.

Der mittlere Anwender bleibt mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Hat er gute Kontakte zum Hersteller, ist er gut dran, hat er weniger gute Kontakte, ist er schon schlechter dran. Ihm bleibt dann noch die Möglichkeit, sich in einem Anwenderkreis zu organisieren. Deswegen liegt hier die Zukunft auf der Seite der unabhängigen Anwenderkreise.

Ich glaube auch, daß die einzelnen Anwenderkreise sich nicht mehr an einem Hersteller orientieren werden, sondern sich auf mehrere Hersteller und Gerätetypen konzentrieren werden. Denn wenn die Hersteller den User-Groups von sich aus Mittel zur Verfügung stellen, dann führen sie die Anwender ja schon in eine bestimmte Richtung und Abhängigkeit.

Für einen herstellerunabhängigen Verein ist es natürlich schwieriger zu agieren, dafür ist der Informationswert, den wir erarbeiten, für die Mitglieder von wesentlich höherem Wert.

Abhängigkeiten zwischen Hersteller- und Anwenderkreis gibt es schon. Nämlich dann, wenn der Anwenderkreis vom Hersteller quasi unterhalten wird. Hier diktiert der Hersteller beispielsweise Veranstaltungen und bestimmt, wo Produkte vorgestellt werden. Wenn dann in solchen Vereinen auch noch die Hersteller mit den Anwendern gemeinsam im Vorstand sitzen, dann hat der Hersteller durchaus die Möglichkeit, die Anwender in eine bestimmte Richtung zu lenken. Denn wenn die Hersteller ein großes Angebot an Seminaren und Informationsveranstaltungen bieten - wo sollen sich die Anwender dann sonst noch informieren, so viel Zeit haben die meisten doch gar nicht. Bei manchen Vereinen kommen da leicht 30 Tage im Jahr für Informationsveranstaltungen zusammen. Ein DV-Beauftragter in einem mittleren Unternehmen hat gar nicht die Zeit für so viele Veranstaltungen. Wir haben uns im vergangenen Jahr auf elf Tagesveranstaltungen beschränkt. Darüber hinaus gab es Seminare mit Softwarehäusern und Herstellern. Acht bis zehn Tage sind eigentlich schon das Äußerste, was sich ein Anwender für die Information leisten kann.

Ein weiterer Punkt, der für unabhängige Anwenderkreise spricht, ist die Tatsache, daß bei uns Mitglieder eintreten, die mit ihren herstellergebundenen User-Groups nicht mehr zufrieden waren. Deshalb haben wir uns seit etwa einem Jahr auch anderen Herstellern gegenüber geöffnet. Außerdem haben sich in letzter Zeit einige herstellergebundene Anwendervereinigungen aufgelöst, deren Mitglieder dann zum Teil zu uns kamen.

Ich bin mit der bei uns getroffenen Lösung, was eine wirksame Anwendervereinigung betrifft, sehr zufrieden. Innerhalb des erweiterten Vorstandes gibt es verschiedene Aufgabenbereiche, und Erfahrungsgruppen. sie beschäftigen sich mit einem bestimmten Thema, wie zum Beispiel CIM oder CAD. Da bilden sie eine geschlossene, spezialisierte Gruppe. Außerdem führt der Verein eine Second-hand-Hard- und Softwarebörse für seine Mitglieder durch. Bei der Software handelt es sich um Programme, die von Mitgliedern entwickelt worden sind, und die diese auch anderen Mitgliedern zugute kommen lassen wollen. Ein weiterer Vorteil sind gemeinsame Einkaufsmöglichkeiten. Wir schließen mit Peripherieherstellern Rahmenverträge zu günstigeren Konditionen als im Einzelverkauf ab.

Anfangs hatten wir übrigens Schwierigkeiten mit den Herstellern, die uns mit großem Mißtrauen gegenübertraten. Wir stellten uns aber von Anfang an als eine Art Partner der Hersteller dar. Denn der Hersteller wird besser oder marktgerechter, wenn er auf die Wünsche des Anwenders eingehen kann. Durch unsere Neutralität, die von allen Herstellern akzeptiert wird, können wir weitgehend freizügig agieren, ohne in Abhängigkeit von einem Hersteller zu geraten.

Ralph Treitz

German Unix User Group, München

Die GUUG (German Unix User Group) ist eine Interessengemeinschaft von Anwendern des Betriebssystems Unix. Mehr und mehr erweitert sich das Spektrum der GUUG hin zum allgemeinen Thema herstellerunabhängiger Systeme, einem Markt, der maßgeblich durch Unix initiiert wurde.

Hauptanliegen der GUUG ist die Unterstützung der Anwender in ihrer Meinungsbildung und in ihrer täglichen Arbeit. Wege dazu sehen wir in der Veranstaltung von Tagungen und Ausstellungen, in Workshops, die der Vertiefung von Themen dienen und in Tutorials zur Weiterbildung der Mitglieder. Außerdem wollen wir die Kommunikation zwischen den Anwendern unterstützen. Zur Erfüllung dieses Ziels ist die GUUG Träger des deutschen Teils des Eunet, eines weltweiten Rechnernetzes zwischen Rechnern mit dem Betriebssystem Unix. Ein letzter Punkt ist die Herausgabe von schriftlichen Informationen, darunter Zeitschriften und Softwarekataloge.

Durch diese Maßnahmen wird der Anwender in die Lage versetzt, seine Interessen selbst wahrzunehmen. Ein Einfluß der GUUG besteht also nur indirekt, was die Bedeutung ihrer Aufgaben aber nicht schmälert. Es wird deutlich, daß eine direkte Einflußnahme auf Einzelentscheidungen der Hersteller nicht im Sinne der GUUG ist. Das ist in einem Markt der offenen Systeme auch nicht notwendig, da die Anwender nicht von einem einzelnen Hersteller abhängig sind. Die GUUG hat aber die Aufgabe, auf Gefahren aufmerksam zu machen, die einem Markt der offenen Systeme drohen.

Es ist eine Eigenart der GUUG, daß Hersteller und Vertreiber von Hard- und Software selbst Mitglieder werden können. In einem Markt der offenen Systeme sind sie nämlich gleichzeitig Anbieter und Anwender. Diese Aussagen gelten übrigens auch weitgehend für die Schwesterorganisationen der GUUG in anderen europäischen Ländern, die alle gemeinsam in der GUUG (European Unix User Group) zusammengefaßt sind.

Für die Zukunft der Anwender und auch der GUUG sind wir optimstisch. Die weitere Entwicklung des Markts der offenen Systeme ist zu einem Teil auch ein Erfolg der GUUG zum Nutzen der Anwender.