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10.03.2008

Wohltemperierte CeBIT 2008

Messevorstand Ernst Raue zog auf der Abschluss-Pressekonferenz der CeBIT 2008 ein positives Fazit: Trotz der um einen Tag kürzeren Dauer erhöhte sich die Besucherzahl auf 495 000.

Der Neustart der CeBIT ist gelungen, das neue Konzept ist aufgegangen", sagte Raue. Die Zahl der Aussteller hingegen sank wiederum. 5845 Aussteller aus 77 Ländern zeigten ihre Produkte - etwa 300 weniger als noch im Jahr zuvor. Auch die Ausstellungsfläche insgesamt nahm ab: Belegten die Messestände im Vorjahr noch 280 000 Quadratmeter, schrumpfte der Bedarf dieses Jahr um 14 Prozent auf 241 000 Quadratmeter.

Die nächste CeBIT...

findet vom 3. bis 8. März 2009 statt.

Zufriedene Gesichter

Der Auftakt war ausgesprochen schwergewichtig: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Veranstaltung im Beisein von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy - Frankreich war 2008 Partnerland der CeBIT -, EU-Kommissions-Präsident José Manuel Durão Barroso und Microsoft-Chef Steve Ballmer eröffnet. So viel Prominenz war nie in der Leinestadt, um den Start der größten IT-Messe der Welt zu zelebrieren.

Die Aussteller rieben sich ob des Verlaufs der Messe zufrieden die Hände. Die CeBIT hat nach den Worten des Präsidents des Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer, "die Erwartungen deutlich übertroffen". Scheer weiter: "Die Aussteller nehmen volle Auftragsbücher mit nach Hause." Nicht nur habe das neue Konzept der IT-Leitmesse seine "Feuertaufe" bestens bestanden. Vielmehr entwickle sich der IT-Treff immer mehr "zum Davos der ITK-Branche", sagte Scheer. Damit zielte er auf den Weltwirtschaftsgipfel, der immer zu Jahresbeginn im Schweizer Kurort Große und Mächtige aus Politik, Wirtschaft und dem sonstigen öffentlichen Leben versammelt. Die Messeverantwortlichen sagten, dass auf der CeBIT 2008 mehr als zehn Millionen Geschäftsgespräche geführt wurden. Hierbei seien Investitionen angebahnt und Aufträge geschrieben worden.

Die offiziellen - und positiven - Aussagen der Messeveranstalter wurden in diesem Jahr auch von den Herstellern bestätigt, die die computerwoche befragt hatte. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass fast niemand die Aufgabe der traditionsreichen Halle 1 bedauerte. So war man bei der Datev zwar zunächst skeptisch. Datev-Vorstand Dieter Kempf gab zu: "Der Umzug aus der Halle 1 war nicht ganz freiwillig." Seine Pressesprecherin Claudia Specht fügte hinzu: "Wir haben zunächst gezweifelt, da wir unseren alten Stand erst im Jahr zuvor runderneuert hatten." Doch bereits zur CeBIT-Halbzeit verkündete Kempf euphorisch: "Für die Datev ist der Start in die Messe fulminant gewesen."

Halle 1 war überfällig

Mehr als zufrieden zeigte sich auch IBMs Messechef Hans-Heinrich Schmidt, der dem nach der Telekom größten CeBIT-Stand überhaupt vorsteht. Durch die strategisch günstige Lage am Nordeingang der Halle 2, den die meisten Messebesucher fast zwangsläufig passieren, herrschte auf dem riesigen IBM-Areal reges Treiben. "Wir haben unseren Stand stärker nach Themen strukturiert und viel lichter gestalten können", freute sich Pressesprecherin Christine Paulus. Schmidt fügte hinzu: "Ich hätte Halle 1 schon vor zwei Jahren geschlossen."

Schmidts IBM-Kollegin Martina Koederitz, Vice President Systems and Technology Group Deutschland und insofern für alle Hardwareangebote des Unternehmens zuständig, äußerte sich ebenfalls sehr zufrieden. "Der Stand in Halle 2 ist größer als früher in Halle 1." Manche Bereiche des Standes seien förmlich belagert worden von Interessenten - wie etwa der, auf dem Big Blue seine Server-Blade-Technik zeigte. "Wir mussten Leute aus Stuttgart nachordern, damit das Standpersonal sich abwechseln konnte."

Novell hatte zwar dieses Jahr einen kleineren Stand, zudem wurde die zweite Etage komplett gekappt. Das lösungsorientierte neue Messekonzept komme dem Unternehmen jedoch entgegen, stellt Stefan Backes fest. Novells Marketing-Chef für Europa sparte nicht mit Kritik an der Traditionshalle 1: "Sie war viel zu breit aufgestellt - große Anbieter neben ganz kleinen, dazu aus unterschiedlichsten Branchen."

"Unser Stand war überfüllt", gab Harald Gessner, Pressesprecher von Sun Microsystems, schon am Abend des ersten CeBIT-Tages eine Erfahrung zum Besten, die auch die IBM gemacht hatte. "Luft und Licht in Halle 2 sind um Längen besser als die vermiefte Halle 1, was auch den Besuchern entgegen- kommt", so Gessner. Entsprechend glücklich sei man über die Schließung. Die CeBIT befinde sich auf dem richtigen Weg. Allerdings müsse der Standort Hannover dringend attraktiver gestaltet werden, um mehr internationale Firmenbesucher auf das größte Messegelände Deutschlands zu lotsen.

Sündhaft teure Hotels

Gessner brachte eine alte Klage vor, der die CeBIT-Veranstalter bereits im vergangenen Jahr zumindest ansatzweise abgeholfen haben wollten. Besonders die beschränkten und überteuerten Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt hätten viele Kunden von Sun vom Messebesuch abgehalten. "Vielleicht sollte die Messe überlegen, an die Stelle der Halle 1 ein Hotel zu bauen", schlägt Gessner vor.

Monika Jacoby, Pressesprecherin von Kyocera, konnte der Geburtsstätte der CeBIT ebenfalls wenig Liebe abgewinnen: "Die Halle 1 war nicht mehr tragbar - hier in Halle 7 können wir mit einem abgespeckten Stand mehr Kunden direkt erreichen." Pflichtet Konkurrent Brother bei: "Unser Stand ist nicht mehr so aufwändig gestaltet wie früher - trotzdem konnten wir die Zahl unserer Besucher gleich am ersten Messetag im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln", stellt Jörg-Stefan Schmitt, Leiter Unternehmenskommunikation, fest.

Wolfgang Kobek, Geschäftsführer von Varial Software, erzählte, der erste Messetag sei noch "etwas irritierend" verlaufen. Aber bereits am darauf folgenden zweiten Messetag "waren wir sehr gut besucht". Ob die Qualität der Besucher gestimmt hat, wusste er nicht. Da wollte er die Analyse seiner Kollegen abwarten.

Keine neuen Trends

Einen neuen Trend hat Kobek auf der Messe nicht entdeckt. Nach dem Thema Software as a Service gefragt, gab er sich sehr zurückhaltend. "Bisher haben wir keine drei Anwender gefunden, die sich dafür interessiert hätten. Der Markt ist dafür einfach noch nicht reif."

Auch Peter Dewald, Geschäftsführer der Sage Software GmbH, winkt bei SaaS eher ab. Bis auf simple Lösungen beispielsweise im Bereich CRM sehe er keinen gesteigerten Bedarf in Sachen Software as a Service: "ERP als Mietlösung zu beziehen ist in Deutschland noch kein Thema. Den Anwendern ist das wohl noch zu komplex und zu teuer." Mit dem Verlauf der Messetage zeigte sich Dewald zufrieden.

Martin Hubschneider, Gründer und Chef der CAS, klang ziemlich euphorisch, als er auf die CeBIT und ihr neues Messekonzept angesprochen wurde: "Das Konzept geht auf. Selbst der erste Tag war stärker als in den Vorjahren." Andreas Naunin, Direktor Mittelstand bei SAP Deutschland, vermeldete eine große Nachfrage von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Bei Jürgen Skodda, Vertriebschef von Proalpha Software AG, hinterließen die Messe und das an seinem Stand angelandete Publikum einen guten Eindruck. Die Verkürzung der Messe habe sich nicht negativ ausgewirkt.

Trauer um Halle 1

Alles eitel Sonne also auf der diesjährigen CeBIT. Alles? Zumindest einer der Befragten war traurig über das Aus von Halle 1. Jörg Hollerith aus der Sales-Abteilung des Elektronikherstellers Casio, der nun in Halle 7 vertreten ist, zeigte sich enttäuscht: "Schade, dass es Halle 1 nicht mehr gibt. Wir haben da sehr gut hineingepasst." Die nächste CeBIT findet vom 3. bis 8. März 2009 statt.