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10.01.1975

Wollen Sie lhre EDV-Abteilung verkaufen ?

Mit Walter Büttner, Geschäftsführer der Datema, Frankfurt, sprach CW-Mitherausgeber Dr. Gerhard Maurer

- Wieviel Time-Sharing-Kunden gibt es heute in der Bundesrepublik?

Etwa dreihundert. Honeywell Bull mit Mark III dürfte etwa zweihundert haben. Datel hat vielleicht siebzig bis achtzig und CDC, die sich mehr auf Remote Batch konzentriert, hat etwa dreißig Time-Sharing Kunden.

- Wieviel Anwender arbeiten im Remote-Batch-Betrieb mit Rechenzentren zusammen?

Da gibt es eine ganze Reihe von Anbietern, weil viele Firmen, Anwender selber oder deren ausgegliederte selbständige Rechenzentren, auch diesen Service anbieten. Dennoch glaube ich nicht, daß es mehr als hundert Remote-Batch-Kunden gibt.

- Sie wollen beide Betriebsarten anbieten, konzentrieren sich in Ihrem Marketing aber auf das Time-Sharing?

Die Sache ist ganz einfach, Time-Sharing läßt sich mit weniger Investitionen für uns starten. Man braucht nicht viel Equipment. Wir verlassen uns voll auf die Mutter die den Großrechner hat. Wir brauchen also hier in Frankfurt nur einen Multiplexer und lokale Wähleingänge.

- Genügt das wirklich?

Wir haben einen Remote-Batch-Computer - und zwar einen Data 100 - installiert für Hilfsfunktionen für das Time-Sharing. Dieses Terminal wird zwischengeschaltet, wenn große Outputmengen generiert werden oder aber wenn man zunächst einen großen Input hat und dann nur noch im Dialog daran ändert.

- Wieso brauchen Sie für Remote-Batch mehr Startkapital?

Im Augenblick wo man Remote-Batch anbietet, muß man auch eine große Gruppe von Systemanalytikern und Programmierern bereithalten, um Full Service bieten zu können, denn Remote-Batch ist nichts anderes als ein Service-Rechenzentrum - nur stellt man eben die Ausgabestation dem Kunden ins Haus.

- Es wird aber doch immer wieder propagiert, daß Anwender ihre Kleincomputer und kleineren Mittelklassesysteme, die doch einen verhältnismäßig großen Overhead brauchen und in der Regel nur eine Schicht ausgelastet sind, echt abmieten und ihr Rechenzentrum durch ein High Speed Terminal ersetzen. Diese Leute haben im Hause das EDV-Know How, können auch selber programmieren. Solche Anwender brauchten doch nur Computerleistung, denn sie wollen den Komfort der eigenen Anlage, die sofortige Verfügbarkeit von Ergebnissen ?

Diese Kunden gibt es, sie brauchen nur Computerzeit. Aber da sieht man sich vielen Konkurrenten gegenüber, die ihre Maschinen vielleicht nur zu Grenzkosten anbieten und bei solchen Dumping-Preisen kann man nicht mithalten.

- Sind Sie um so viel teurer?

Die CPU-Sekunde kostet bei uns auf der 370/158 etwa 1,80 Mark. Hier in Frankfurt können Sie zur Nachtzeit komplette 370/145-Systeme für 300 bis 350 Mark pro Stunde mieten.

- Das klingt wie Resignation?

Das ist realistisch. Wir bieten aber solchen Kunden eine Dienstleistung an, die noch viel weiter geht als eben umrissen. Solchen Kunden offerieren wir Computer Resources Management. Das ist eine von uns in Schweden erfolgreich eingeführte höhere Stufe von Facilities Management, bei der wir die Gesamtverantwortung für die Datenverarbeitung eines Kunden übernehmen. Wir treten in seinen Computer-Vertrag ein. Wir übernehmen seine EDV-Mannschaft. Wir liefern ihm am Ort die Dienstleistungen, die er wünscht.

- Haben Sie damit Erfolg?

Ja, in Schweden wo wir als führende EDV-Know-How-Gruppe bestens eingeführt sind. Dort haben wir fünfmal die EDV-Abteilungen übernehmen können.

- Was waren beim Anwender die Motive für solche Radikalmaßnahmen?

Die wirtschaftlichere Lösung. Doch muß ich noch etwas zum Vorgehen sagen. Wir brauchen natürlich auch eine Zeit, um die Abteilung auf Vordermann zu bringen. Wir nennen das Stream-Lining. Für die gleiche Leistung verlangen wir deshalb im ersten Jahr von unseren Kunden das gleiche Geld, das er bisher in seinem Budget hatte. Bei gleichem Leistungsvolumen, und das läßt sich über Job Accounting abrechnen, also bei gleicher Datenmenge und gleichen Anforderungen können wir ab dem zweiten Jahr schon einen Nachlaß von 10 Prozent anbieten und der steigert sich bis zum fünften Jahr.

- Und wie hoch sind die Einsparungen dann?

Das ist ziemlich schwer zu sagen, einfach deshalb, weil diese Leute nämlich gar nicht beim alten Volumen und den Anforderungen bleiben, sondern mitwachsen.

- Unterstellt sie blieben beim alten Leistungsumfang.

Dann könnte der Preis absinken bis in die Größenordnung von 60 Prozent der ursprünglichen Kosten.

- Also Einsparungen von vierzig Prozent?

Richtig, wobei aber gesagt werden muß, daß wir diese Einsparungen bei gutgeführten Rechenzentren natürlich nicht nur damit erzielen, daß wir die Installationen rationalisieren. Vielmehr bauen wir diese Installationen aus und machen sie zu einem vollwertigen Datema-Rechenzentrum, indem wir noch mehrere Feature dazu installieren, größeren Hauptspeicher und dergleichen, und dann natürlich die verfügbare Gesamtkapazität, die wir in der Regel dann rund um die Uhr fahren, als Dienstleistung verkaufen.

- Diesen Service bieten Sie auch in der Bundesrepublik an?

Ja eben, und wir sind auch schon mit einem deutschen Konzern im Gespräch.

- Unterstellt, ein Anwender würde Sie morgen anrufen und sagen: Ich habe die Schnauze voll, hier habt ihr meine 370/145, 240 K, Peripherie und die Leute noch dazu. Wie würden Sie darauf reagieren?

Wir würden die Situation analysieren, insbesondere den Standpunkt dieses Rechenzentrums. Die Frage ist, ob es für uns von Interesse sei, dort vertreten zu sein.

- Wenn Sie eine EDV-Abteilung mit einem Computer-Resources-Management-Vertrag übernehmen, würden dann Köpfe rollen?

Man darf davon ausgehen, daß dort, wo ein solcher Vertrag zustande kommt, Unzufriedenheit über die derzeitigen Leistungen herrscht. Opposition gegen unsere Bemühungen, die Abteilung zu streamlinen, darf es nicht geben. Allerdings muß nicht immer Blut fließen, es gibt in den Unternehmen ja auch noch andere Positionen.

- Kann man sich nicht vorstellen, daß ein EDV-Chef sich gerne unter ein sachkundigeres Management stellen möchte?

Es ist denkbar, daß ein EDV-Chef sich bei den Aufgaben, neue Technologien - wie etwa Datenfernverarbeitung und Real Time-Lösungen - zu realisieren, sich überfordert sieht. Wir bieten diese Verträge ja zeitlich befristet an. Es ist denkbar, daß wir in drei Jahren vertragsgemäß neue Lösungen implementieren und dann der Firma einen gut laufenden Laden übergeben, den sie in eigener Verantwortung weiterführen kann.

- Wieso ist Computer Resources Management, wie Sie sagten, eine höhere Stufe des Facilities-Management?

Das ist einfach zu beantworten. Wir übernehmen nicht nur das Rechenzentrum, sondern die gesamte EDV-Abteilung mit Systemanalyse, Programmierung und Datenerfassung. Wir sind nicht nur Berater. Wir übernehmen die Verantwortung.

- Sind Sie nur an Rechenzentren mit Systemen bestimmter Hersteller interessiert?

Unser größtes Know-How haben wir natürlich mit IBM-lnstallationen, aber in Schweden haben wir auch Siemens und Bourroughs-Rechenzentren übernommen. Bei Abschluß eines CRM-Vertrages garantieren wir Funktionen, wie sie von uns gefordert werden. Wir legen uns aber nicht auf das Weiterführen bestimmter Maschinen fest. Vielfach wird ein solcher Vertrag ja auch deshalb geschlossen, um neue Technologien einzuführen. Dann kommt sowieso die Frage auf uns zu, wer hat diese Probleme am besten gelöst? Welcher Hersteller bietet die sichersten Systeme?

- Sind Sie an Systemen besonderer Größenklassen interessiert?

EDV-Abteilungen mit Systemen der Größenordnung IBM 370/145 und größer würden wir übernehmen, um sie zu Datema-Stützpunkten auszubauen. Bei kleineren Systemen würden wir vermutlich Remote-Batch-Stationen hinstellen und die Anwendungen auf einem dann vorhandenen Großrechner lösen.

- Glauben Sie, daß Sie im Laufe des Jahres 1975 solche Verträge abschließen können?

Davon sind wir fest überzeugt. Zumindest wird es einmal gelingen und damit ist das Modell dann auch hierzulande praxiserprobt, so daß weitere Verträge folgen können.

Walter Büttner (41)ist Geschäftsführer der Datema Gesellschaft für Datenverarbeitung mbH in Frankfurt.

Die Datema wurde erst im Frühjahr 1974 gegründet. Die Mutter, die schwedische Datema-Gruppe ist allerdings Service-Rechenzentrums-Verbund Nr. 1 in Skandinavien mit über 500 Kunden, etwa tausend Mitarbeitern und rund 80 Millionen Mark Jahresumsatz Holding ist die Axel Jansen-Gruppe, Schwedens zweitgrößtes Industrie-Konglomerat.

Am Firmensitz, im Stockholmer Großrechenzentrum, stehen zwei mal IBM 370/158 mit je zwei Megabyte. Angeschlossen sind Memorex und IBM-Vorschaltrechner, ferner Multiplexer und Satellitenrechner in acht schwedischen Städten, in Kopenhagen und in Frankfurt (Data 100). Zur Zeit gibt es zehn Datema Time-Sharing-Kunden in der BRD, - bis Ende des Jahres sollen es mindestens fünfzig sein.

Um das Datema-Geschäft auch in anderen RZ-Dienstleistungen aufzubauen, jagt Walter Büttner nach Firmen, die vor lauter Ärger über die hauseigene EDV gerne den ganzen Laden abtreten wollen.

Nach schwedischem Vorbild sollen solche Rechenzentren im Computer Resources Management zu Festpreisen voll verantwortlich übernommen werden und zu Datema-Stützpunkten in der ganzen BRD ausgebaut werden - vorerst noch ein Phantom. Möglicherweise aber eine interessante Alternative zum ständigen Ärger mit der EDV-Abteilung und ihren ständig steigenden Kosten. Walter Büttner ist jedoch selber skeptisch, ob sein Plan so bald gelingt, denn er kennt die EDV-Anwender aus langjähriger Vetriebspraxis.

Der gelernte Industriekaufmann war ab 1960 fünf Jahre bei lBM im Vertrieb für das RZ-Geschäft. Danach ging er zur Schweizer AC-Service-Gruppe, deren Geschäftsführer er 1968 wurde. Mit den Amerikanern der University Computing Company, die die AC aufkauften, konnte er sich nicht recht vertragen, so daß er versuchte, frei Software zu verkaufen, um bald zu erkennen, daß das wohl nicht das Richtige für einen Einzelkämpfer ist.

Kurz entschlossen akzeptierte er, für Honeywell Bull die Vertriebssteuerung für das Großmaschinengeschäft (Serie 6000) zu übernehmen; allerdings nur für kurze Zeit, denn bald reizte ihn das Service-RZ-Geschäft doch wieder so sehr, daß er für die schwedische Datema das Deutschland-Geschäft auszubauen begann. Noch steckt Büttner in den roten Zahlen. Wer den dynamischen Zyniker kennt, (IBM Erbe: blauer Anzug, weißes Hemd) weiß, daß es ein Senkrechtstart oder die große Katastrophe wird. Büttner zuversichtlich: "Mein Vorteil ist, ich kenne dieses Geschäft wie kaum ein Zweiter." -m-