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11.06.1999 - 

Verteidiger der Gates-Company legen neue Dokumente vor

Wollte AOL Microsoft vom Thron stoßen?

MÜNCHEN (CW/IDG) - Im Antitrust-Prozeß gegen Microsoft streiten sich die Parteien über die Bedeutung der Übernahme Netscapes durch AOL. Die Verteidiger wollen darin einen Angriff auf Microsofts Marktstellung erkennen. Unterdessen präzisierte ein IBM-Manager Erpressungsvorwürfe gegen die Gates-Company.

Zu Beginn des am 1. Juni wiederaufgenommenen Verfahrens gingen die Anwälte Microsofts erneut in die Offensive. In der letzten Prozeßphase, die offiziell dazu dient, frühere Zeugenaussagen und Argumente der jeweiligen Gegenseite zu widerlegen, präsentierte der Redmonder Softwarekonzern neue Dokumente zur Übernahme Netscapes durch AOL und der damit verbundenen Kooperation mit Sun Microsystems.

Die Verteidigung legte Passagen aus einer bislang unter Verschluß gehaltenen Analyse der Investmentbank Goldman, Sachs & Co. vor. Die Autoren schlagen unter anderem vor, die mit Netscape übernommene Browser-Plattform zu einer umfassenden Desktop-Anwendung auszubauen mit dem Ziel, "Windows als die primäre Online-Umgebung von PC-Benutzern zu ersetzen". In einem anderen Dokument ist von einem "AOL-PC" die Rede, der ganz ohne Microsoft-Programme auskomme. Nach der Lesart der Verteidiger belegen diese und weitere Aussagen die Behauptung, Microsoft erstehe mit der Kombination aus AOL, Netscape und Sun ein ernstzunehmender Konkurrent.

Die Ankläger hielten dagegen und legten eine Reihe von E-Mails vor, die AOL-Manager untereinander und mit Analysten von Goldman, Sachs & Co. im Vorfeld der Übernahme ausgetauscht hatten.

Browser-Geschäft war für AOL nicht wichtig

Aus diesen Unterlagen gehe klar hervor, daß AOL Netscape nicht wegen des Browser-Geschäfts gekauft habe, sagte der Wirtschaftsexperte der US-Justiz, Franklin Fisher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die Verantwortlichen bei AOL hätten einen Konkurrenzkampf gegen das Windows-Betriebssystem als wenig aussichtsreich beurteilt. Seitdem Microsoft den eigenen Browser "Internet Explorer" kostenlos zusammen mit Windows ausgeliefert habe, sei der Marktanteil Netscapes deutlich zurückgegangen, so Fisher.

Richter Thomas Jackson äußerte sich kritisch zu den von Microsoft vorgelegten Dokumenten. Diese gäben ausschließlich den Wissensstand vom Herbst 1998 wieder und seien deshalb möglicherweise nicht mehr relevant.

Nach der Behandlung der Netscape-Übernahme hörte das Washingtoner Gericht unter anderem den IBM-Manager Garry Norris als Zeugen. Dieser hatte bereits in einer Voranhörung berichtet, wie Microsoft IBM und andere PC-Hersteller durch die Androhung und Verhängung höherer Lizenzgebühren unter Druck gesetzt habe (siehe CW 22/99, Seite 1).

Norris präzisierte seine Aussagen im Verhör mit dem Staatsanwalt Phillip Malone. So habe die Gates-Company 1995 die Lizenzverhandlungen für Windows 95 vier Wochen vor der Marktfreigabe abgebrochen. Damals war die Übernahme von Lotus durch IBM bekanntgegeben worden. Die Bürosoftware "Smartsuite" von Lotus stellte eine direkte Konkurrenz zu Microsofts "Office"-Produkten dar. Erst 15 Minuten vor der offiziellen Einführung von Windows 95 am 24. August 1995 habe man sich auf einen Vertrag einigen können, so Norris. IBMs PC-Sparte seien dadurch mehrere hundert Millionen Dollar an Gewinnen verlorengegangen.

Kein Zufall war es laut dem IBM-Manager auch, daß Microsoft zur gleichen Zeit die von IBM gezahlten Lizenzgebühren für Windows 3.1 einer Revision unterzog. Big Blue habe aufgrund falscher Angaben zu seinen PC-Verkäufen zuwenig entrichtet, behaupteten die Redmonder.