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10.09.2004 - 

Product-Lifecycle-Management/Zentrale Datenorganisation fordert ihren Tribut

Worauf bei PLM-Projekten zu achten ist

Als eine entscheidende Hürde auf dem Weg zu einer integrierten PLM-Anwendung erweisen sich die in einem Unternehmen bereits vorhandenen Strukturen. Durch Zukäufe, Fusionen oder ein kontinuierliches Wachstum sind über Jahre hinweg heterogene Systemlandschaften mit verteilten Daten gewachsen. Nicht selten lagern diese Informationen auf unterschiedlichen, teils proprietären Plattformen, die nicht oder nur mit großem Aufwand miteinander kommunizieren können. So existieren häufig AS/400-Umgebungen neben Oracle- und DB2-Datenbanken. Diese Situation findet man sowohl bei den Kundendaten als auch bei den Produktinformationen.

Für eine durchgängige, transparente PLM-Lösung müssen die Produktdaten aus allen alten Lagerverwaltungs- oder Warenwirtschaftssystemen auf einer einheitlichen Plattform unter einer einheitlichen Maske zusammengeführt werden. In dieser, von Oracle beispielsweise als "Product Data Hub" bezeichneten Datenzentrale residieren die Artikelstämme von Produkten bereits mit den neu definierten Produktmerkmalen und -bezeichnungen, während auf den bisher genutzten Plattformen noch die alten Artikelstämme verwendet werden. In solch einem Umfeld muss ein sorgfältiges Qualitäts-Management etabliert werden, um einheitliche Datenstrukturen herzustellen und Dubletten zu vermeiden.

Die Kommunikation zu sämtlichen angeschlossenen Altsystemen läuft über einen Message-Hub, der alle Systeme mit einer PLM-Lösung verbindet. Hier stehen auch Adapter zur Verfügung, die eine nahtlose Integration von ERP-Applikationen etwa von SAP, Siebel oder Peoplesoft ermöglichen. Die professionelle Einbindung dieser Anwendungen ist von essentieller Bedeutung, da die ERP-Systeme wichtige Daten für den Produktzyklus enthalten.

Sämtliche Vorgänge, die sich in einem System abspielen und Produkte betreffen, werden auf direktem Weg an den Produktdaten-Hub weitergeleitet. Nur so ist gewährleistet, dass die "Produktzentrale" stets über aktuelle Bestandsdaten aus allen Vorsystemen verfügt. Die Praxis zeigt, dass bei vielen Kunden die Integration von PLM-Systemen über mehrere Jahre laufen kann, weil sie aus firmenpolitischen Gründen den "Big Bang", also die sofortige Migration, scheuen.

Vorsicht bei Datenkonsolidierung

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wird eine solche Umstellung nicht sorgfältig geplant und umgesetzt, kann das wirtschaftliche Überleben gefährdet sein, weil nicht mehr alle für einen Produktzyklus relevanten Daten verfügbar sind. Die Konsolidierung sämtlicher vorhandener Daten in das zentrale Produktdaten-Management-System ist daher eine wichtige Hürde, die auf dem Weg zur integrierten PLM-Lösung genommen werden muss.

Analog dazu müssen auch die Kundendaten entsprechend konsolidiert werden, damit Marketingaktionen, die eine Produkteinführung begleiten, erfolgreich sein können. Auch in diesem Bereich gilt es, Altdaten zu übernehmen, zu bereinigen oder entsprechend der neu definierten Vorgaben anzureichern. Hinzu kommt der Dublettenabgleich auf den unterschiedlichen nationalen und internationalen Systemen. Auf der Basis eines zentralen Kundendaten-Hub kann dann ein einheitlicher Vertriebs- und Marketingzyklus etabliert werden.

Konsolidierte Kundendaten sind auch die Voraussetzung für einen schnellen, professionellen Service. In vielen Unternehmen residieren die Kundeninformationen jedoch auf teils proprietären Systemen, für die keine Schnittstellen zum zentralen PLM zur Verfügung stehen. Daher ist eine Portierung dieser Informationen auf die zentrale PLM-Kundendatenbank eine Maßnahme, von der der Erfolg eines Projekts entscheidend abhängt.

Zugriff auf Informations-Pool

Intergrierte PLM-Systeme führen Daten aus den unterschiedlichsten Bereichen eines Unternehmens, aber auch die von externen Partnern zusammen. Das erhöht die Flexibilität, beschleunigt Abläufe und sorgt dafür, dass Daten zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind. Hierin liegt aber auch ein Problem, denn wo viele unterschiedliche Elemente zusammengeführt werden, müssen Zuständigkeiten und vor allem Zugangsberechtigungen definiert werden. Lieferanten oder Kunden haben andere Anforderungen als beispielsweise die Engineering-Abteilung. Die Zugriffsberechtigungen auf den zentralen Datenpool müssen deshalb sorgfältig auf die jeweiligen Bedürfnisse und Aktionsradien aller in ein PLM-System integrierten Parteien abgestimmt werden. Insofern zählt auch der sorgfältige Aufbau einer dedizierten Rechteverwaltung zum Erfolg einer professionellen PLM-Implementierung.

Ein entscheidender Faktor ist darüber hinaus das Dokumenten-Management. In der Regel sind Dokumente heute auf einer Vielzahl von Windows-NT-Servern in verschiedenen Ordnern abgelegt. Hinzu kommen unterschiedlichen Datenbanken oder Archivierungssysteme, die bei global agierenden Unternehmen unter Umständen auf Servern rund um die Welt verteilt liegen. Hier sind Redundanzen vorprogrammiert. Am besten wäre es, wenn bei der Einführung sämtliche Dokumente in die einheitliche Dokumentenverwaltung des PLM-Systems übernommen würden. Die Praxis sieht aber anders aus, denn viele Kunden lehnen diesen drastischen Schritt ab. Vielmehr werden lediglich neue Dokumente in die zentrale PLM-Verwaltung übernommen, die alten bleiben an ihrem ursprünglichen Standort.

Berechtigungskonzepte

Über entsprechende Routinen kann zwar jederzeit auf diese Dokumente zugegriffen werden. Als Problem können sich jedoch hier wieder die Zugriffsberechtigungen erweisen, denn unter Umständen sind auf dem PLM Routinen installiert, die konträr zu den bisher genutzten arbeiten. Hier ist im Rahmen der Implementierung viel Organisationsarbeit zu leisten. Um im neuen System Redundanzen zu vermeiden, bietet es sich an, die Kapazitäten des Netzwerks auszubauen, damit Mitarbeiter oder Partner, die auf einem anderen Kontinent arbeiten, über ein schnelles, eventuell breitbandiges Netz Zugriff auf die Dokumente haben, ohne diese lokal speichern zu müssen.

Configuration-Management ist eine weitere wichtige Säule im Zusammenhang mit PLM. Ingenieure, die Stücklisten generieren, nutzen bisher meist proprietäre Lösungen. Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten werden die ausgearbeiteten Stücklisten dann an die Produktion übergeben, die sich um die nächsten Schritte kümmert. Durch PLM steht Unternehmen heute ein sehr mächtiges Werkzeug zur Verfügung, das sämtliche Abteilungen eines Entwicklungs- und Produktionsprozesses unter einem Dach zusammenführt. Das gilt für das Backoffice mit Produktionssystemen ebenso wie für die Entwicklungsingenieure sowie alle anderen Abteilungen.

Ingenieure müssen umdenken

Für die Ingenieure bedeutet das in der Regel den Abschied von gewohnten Werkzeugen, die sich nicht in das PLM-System integrieren lassen. Der Vorteil des neuen Configuration-Managements ist dessen Möglichkeit, ohne Probleme in andere Teilbereiche, wie die Produktion oder das Marketing, hineinzuwirken, da eine vollständige Integration gegeben ist. Für die Ingenieure ist das mit einer großen Umstellung verbunden, da sie nicht länger mit einem autarken System arbeiten, das sich eng an ihren Anforderungen orientiert, sondern mit einer offenen Lösung, die auch anderen Abteilungen zur Verfügung steht. Diese können demzufolge früher in das Configuration-Management eingreifen und den Produktionsprozess beeinflussen.

Entwicklungsingenieure können in einem PLM-System weiterhin ihre CAE- und CAD-Lösungen nutzen. Die Modelle und Daten aus diesen Anwendungen werden über Adapter mit der PLM-Plattform verknüpft. Relevante Daten von Stücklisten, die Darstellungen einzelner Teile oder die Beschreibungen der Teileattribute werden extrahiert, zunächst in einem Zwischensystem gelagert und von dort in den Produktdaten-Hub respektive das PLM-System überführt. Änderungen an CAD-Dateien werden nicht automatisch in das PLM übernommen, sondern müssen über diese Zwischenschritte manuell angestoßen werden, bevor sie greifen. Durch die Zwischenlagerung werden Daten aus unterschiedlichen CAD-Lösungen in ein einheitliches Format gebracht und lassen sich damit auch über das Internet diskutieren. Rückmeldungen, beispielsweise dass ein entworfenes Produkt aufgrund seiner Größe in der vorgelegten Form nicht produziert werden kann, werden aus dem PLM-System ebenfalls über die "Zwischenablage" geleitet, bevor der weitere Transfer in die jeweilige CAD-Umgebung erfolgt. Die Synchronisierung von CAD-Daten mit dem PLM ist ein sehr komplexer und aufwändiger Prozesse, der in der Implementierungsphase viel Fingerspitzengefühl verlangt. (ue)

*Stefan Sack ist Senior Business Development Manager, seine Kollegen Berater bei Oracle.

Hier lesen Sie ...

- worin die erste, aber entscheidende Hürde eines PLM-Projekts liegt;

- welche Bedeutung einem zentralen Hub für Produkt- und Kundendaten zukommt;

- warum besonders Ingenieure in ihrer Arbeitsweise von der PLM-Einführung betroffen sind.