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04.02.2000 - 

Fehlerhafte Textverarbeitung der nächsten Generation

Wordperfect 2000 lässt sich auch als XML-Editor nutzen

Die Verquickung von Informationen mit proprietären Dokumentenformaten macht sich spätestens beim Publizieren im Web nachteilig bemerkbar. Mit der Extensible Markup Language (XML) existiert ein offener und medienneutraler Standard, der schnell an Popularität gewinnt. Fotis Jannidis* beschreibt, wie gut sich Wordperfect 2000 als XML-Editor eignet.

Für das Erstellen von XML-Dokumenten gibt es inzwischen eine Reihe von Editoren. Da auf den meisten Arbeitsplätzen aber eines der großen Office-Pakete installiert ist, wollen Firmen die darin enthaltenen Textverarbeitungsprogramme auch für das XML-Publishing nutzen. Sie hoffen, dass dadurch ein geringerer Schulungsaufwand nötig wird als bei der Umstellung auf spezialisierte XML-Software. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis auch die typischen Büroanwendungen XML-Funktionalität aufweisen. Einige Zeit glaubte man, Winword 2000 werde sich an die Spitze dieser Bewegung stellen, weil Microsoft ohnehin recht intensiv bei XML engagiert ist. Das veröffentlichte Produkt zeigte aber dann, dass sich der Riese aus Redmond nicht so schnell von seinen proprietären Techniken trennen möchte (siehe CW 34/99, Seite 15).

Corel, ohnehin unter stärkerem Innovationsdruck als der Beinahe-Office-Monopolist, hat mit Wordperfect 2000 nun eine erste Textverarbeitung der nächsten Generation vorgelegt. Dieser Schritt fiel den Wordperfect-Entwicklern leichter, da schon die Version 8 des Programms ein SGML-Modul enthielt und XML von SGML abgeleitet ist. Die neue Version 9, auch Wordperfect 2000 genannt, unterstützt nun das Arbeiten mit SGML und XML.

Die SGML-Unterstützung hatte in Version 8 noch den Charakter eines Add-ons, das zwar neue Funktionalität bot, aber nicht ins Kernprogramm integriert war. In der neuen Version dagegen wurde das SGML/XML-Modul Teil des Programms. Der neue "XML Project Designer" hat den alten Layout-Designer ersetzt und kann nun, ebenso wie der DTD-Compiler, innerhalb des Programms aufgerufen werden. Außerdem werden neben Unicode auch UTF-8- und UTF-16-Codierungen unterstützt.

Damit sind auch schon die wichtigsten Schritte bei der Erstellung eines XML-Dokuments genannt. Zuerst muss die DTD kompiliert werden, die die Liste der erlaubten Tags und Attribute sowie deren Syntax enthält. Nun kann man aufgrund dieser kompilierten DTD bereits XML-Dokumente mit Wordperfect 2000 erstellen, aber die eigentliche Leistungsfähigkeit des Editors besteht darin, dass man jedes Auszeichnungselement mit einem Wordperfect-Format oder auch mit Makros und Programmaktionen verbinden kann.

Dies geschieht mit dem XML Project Designer und ist - abhängig von den Bedürfnissen - etwas aufwendig, aber normalerweise verwendet man ja auch nur eine sehr kleine Anzahl verschiedener DTDs in einer Arbeitsumgebung. Der Designer eignet sich nicht nur für die Zuordnung von Formatangaben zu einfachen Elementen, sondern erlaubt auch die Deklaration besonderer Funktionen.

Umgang mit XML relativ einfach gehalten

Auf diese Weise können die Features der Textverarbeitung für Tabellen, Grafiken, symbolgegliederte Listen, Inhaltsverzeichnisse und Querverweise relativ einfach für die Arbeit mit XML-Dokumenten verwendet werden. Für unterschiedliche Bedürfnisse können auch verschiedene Ansichten auf dasselbe Dokument definiert werden. Integriert ist außerdem ein Validierungsprogramm, das die Gültigkeit eines Dokuments gemessen an den Vorgaben der DTD und dem XML-Standard überprüft.

Im Editor kann man nicht nur den Text - wahlweise mit oder ohne Tags -, sondern auch die Baumstruktur des Dokuments anzeigen lassen. Die meisten der genannten Funktionen sind über eine eigene XML-Symbolleiste mit den wichtigsten Funktionen an die jeweilige DTD-spezifische Vorlagendatei anpassbar.

Zu einer Datei gehört die kompilierte DTD, die Zuordnungsdatei, die Wordperfect-Dateivorlage und noch eine Aliasliste. Um das Datei-Management zu vereinfachen, legt Wordperfect alle diese zusätzlichen Informationen in der zugehörigen Vorlagendatei ab. Die Erleichterung ist nicht zu leugnen, aber das proprietäre Format dieser Datei, die sich auch nicht in irgendein lesbares Format umwandeln lässt, widerspricht den Grundprinzipien von XML und macht auch die Fehlersuche nicht leicht.

Hat man die Vorarbeiten erledigt, kann man mit wenigen Schritten ein neues XML-Dokument des definierten Typs anlegen. Die Tags für Textbestandteile, die von der DTD als obligatorisch definiert werden, fügt der Editor auf Wunsch automatisch ein. Arbeiten kann der Anwender sowohl in einem Darstellungsmodus, der die Auszeichnungsmarken anzeigt, als auch in der herkömmlichen Textverarbeitungsmanier durchführen.

In manchen Berichten über Wordperfect 2000 war zu lesen, es unterstütze nun neben HTML und PDF auch XML als Speicherformat. Dies zeigt eine völlige Unkenntnis darüber, dass es sich bei XML nicht nur um ein Datenarchivierungsformat handelt, sondern vor allem auch um ein Arbeitsmodell: Der Dokumentersteller gibt nicht nur die bloßen Textinformationen ein, sondern notiert gleichzeitig mittels der Textauszeichnungselemente wichtige Zusatzinformationen. Gerade in der Zusammenführung von bekannter und erprobter Leistungsfähigkeit einer Textverarbeitung mit der strukturierten Arbeitsweise, die XML-Dokumente verlangen, liegt der wirklich innovatorische Charakter von Wordperfect 2000.

Allerdings schließt das Programm den Anwender durch seine proprietäre Layoutsprache wiederum in seine Grenzen ein: Weitere Standards um XML, beispielsweise Cascading Stylesheets oder Xlink werden nicht unterstützt.

Unerfreulicher noch ist aber die Tatsache, dass der XML-Editor und der Projekt-Designer anscheinend keinen allzu gründlichen Betatest erlebt haben: Während unseres Programmtests zeigten sich einige sporadische und einige reproduzierbare Fehler, manche davon gravierend, die den sonst positiven Gesamteindruck deutlich trübten. Davon betroffen ist nicht zuletzt auch das Validierungsprogramm. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass die Firma Corel die XML-Funktionalität von Wordperfect 2000 nicht für weiter erwähnenswert hält.

*Fotis Jannidis arbeitet als freier Autor in München.