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Wordperfect-Verkauf verdeutlicht Microsofts Uebermacht Novell verabschiedet sich jetzt endgueltig von PC-Applikationen

10.11.1995

CW-Bericht, Juergen Hill

MUENCHEN - Netzwerkprimus Novell will sich von seiner Business Application Division trennen. Bis Ende Januar 1996 sollen die Produkte Wordperfect, Quattro Pro, Presentations, Info Central sowie die Suite Perfect Office verkauft werden.

Nachdem sich das Unternehmen unter der Fuehrung von CEO Frankenberg vor nicht einmal zwei Monaten von Unix getrennt hatte, steht bis zum Ende des ersten Fiskalquartals (Januar 1996) auch der Business-Application-Komplex zum Verkauf - Ausnahme ist das Groupware-Produkt Groupwise. Ein Kaeufer wurde bisher oeffentlich nicht genannt.

Die Veraeusserung dieser Division bedeutet einen endgueltigen Schlussstrich unter die Aera Ray Noorda, der innerhalb von zehn Jahren aus dem noch 1981 erfolglosen Hardwarehersteller Novell Data Systems die Nummer eins in Sachen Networking machte. Mit der Uebernahme von Unix und dem Kauf des Softwarehauses Wordperfect avancierte das Unternehmen zudem zur Nummer zwei im Softwaregeschaeft hinter Microsoft. Sein Expansionskurs kostete Noorda rund eine Milliarde Dollar. Dabei zahlte Novell fuer die Spreadsheet-Applikation

"Quattro Pro" 145 Millionen Dollar an Borland und fuer die Akquisition von Wordperfect rund 855 Millionen Dollar.

Allerdings wurden die Netzwerker mit ihrem Neuerwerb nicht gluecklich. Verkauften sich Wordperfect-Produkte 1994 noch gut und konnten auch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres in den USA einen erklecklichen Marktanteil erobern, so geriet der Applikationsbereich in den letzten Monaten ins Schlingern. Obwohl Noorda-Nachfolger Frankenberg Anfang des Jahres noch zum Angriff auf den Suite-Markt geblasen hatte, unterlief dem Unternehmen ein strategischer Fehler. Die Netzwerker schafften es nicht, ihre Suite rechtzeitig in einer 32-Bit-Version fuer Windows 95 auf den Markt zu bringen. Im Gegensatz zu Microsofts Suite wird ein entsprechendes Novell-Produkt vorausichtlich erst im Januar 1996 fertig sein. Pessimisten sprechen sogar von Maerz. So sank der Umsatz der Application Division von 134 Millionen Dollar im vierten Quartal 1994 auf 59 Millionen im letzten Quartal des Geschaeftsjahres 1995. Damit trug das Applikationsgeschaeft nur noch mit 16 Prozent zum Umsatz bei, im Vorjahreszeitraum waren es noch 28 Prozent gewesen.

Intern gilt der geplante Deal als konsequenter Schritt zur Umsetzung der neuen Vision vom "Smart Global Network". Unter diesem Schlagwort hat Frankenberg die Rueckbesinnung auf das Kerngeschaeft des Networking eingeleitet. Dass Novell noch im September verkuendete, man werde innerhalb von zwei Jahren Workgroup- Services auf Basis einer Netzversion von Perfect Office entwickeln, interessiert heute niemanden mehr.

Andreas Zeitler, Geschaeftsfuehrer der deutschen Dependance, raeumt ein, Novell habe es nicht geschafft, die Applikationen in einer vertretbaren Zeit in die Netze zu integrieren. Folglich sei es richtig, dass sich Novell von Wordperfect trenne. Branchenkenner vermuten allerdings einen anderen Grund fuer die Abgabe der Application Division: Novell muss alle Entwicklungskapazitaeten konzentrieren, um Microsofts NT Server kuenftig Paroli bieten zu koennen. Spekulationen, die Zeitler indirekt bestaetigt:

"Novell konzentriert sich kuenftig auf Entwicklung und Marketing fuer Netware, um den Marktanteil von 70 Prozent zu halten."

Schwere Zeiten kommen auf die Beschaeftigten von Novell zu. Im schlimmsten Fall muss sich das Unternehmen von 1800 Mitarbeitern trennen, die in der Application Division beschaeftigt sind. Hierzulande hoffen die Netzwerker jedoch ohne Stellenabbau auszukommen: "Wordperfect hatte fuer Novell Deutschland nie die Bedeutung wie in anderen Laendern", so der Manager.

Von der juengsten Entwicklung ueberrascht wurde offenbar die PC- Kette Escom. Erst kuerzlich hatte das Unternehmen angekuendigt, seine Rechner mit der vorinstallierten Novell-Suite auszuliefern. Ein weiterer Vertrieb haengt nun von dem moeglichen Wordperfect- Kaeufer und den Konditionen ab, die dieser der Kette einraeumt.

An Spekulationen ueber potentielle Kaeufer mag sich Zeitler nicht beteiligen. Der Manager versicherte lediglich, der neue "Wordperfect-Partner" werde ein Unternehmen sein, "das den Support der weltweit 15 Millionen Anwender gewaehrleisten koenne". Als moegliche Kandidaten werden in den USA Oracle und IBM gehandelt, wobei Big Blue eher als zweite Wahl gilt. Als Kaufinteressenten gelten auch Computer Associates, Symantec und Corel. Im Internet dagegen kursiert eine Splittertheorie, die davon ausgeht, dass Novell keinen Kaeufer fuer das Gesamtpaket findet und die Applikationen einzeln losschlagen muss.

Anlass zu Mutmassungen gibt auch Novells Absicht, im naechsten Jahr zehn Prozent der ausgegebenen Aktien, maximal jedoch 37 Millionen Stueck, zurueckzukaufen. Dafuer stehen rund 1,3 Milliarden Dollar zur Verfuegung. Waehrend Novell Deutschland dies als "ganz normalen Rueckkauf" bezeichnet, um den Verdienst pro Aktie zu erhoehen, vermutet Horst Gaudian, Finanzberater bei der New York Broker Deutschland AG in Duesseldorf, dass "sich die Braut huebsch macht fuer eine Uebernahme". Zudem, so Gaudian weiter, "ist dies eine Taktik, die normalerweise gegen feindliche Uebernahmen angewandt wird."

Eine These, die durch Geruechte aus Boersenkreisen zusaetzliche Nahrung erhaelt. Danach will Novell naemlich die Aktien kaufen, wenn deren Kurs unter 15 Dollar faellt, um so den Erwerb durch einen unerwuenschten Partner zu verhindern. Sollte Novell tatsaechlich mit fallenden Kursen rechnen, steht Boersenkennern zufolge ein schlechtes Quartalsergebnis ins Haus.

Angesichts der immer staerkeren Blockbildung sprechen Finanzberater wie Gaudian Novell die Faehigkeit ab, als eigenstaendiges Unternehmen zu ueberleben. Eine Uebernahme haelt der Duesseldorfer im ersten Quartal 1996 fuer wahrscheinlich, zumal die Netware-Company im Gegensatz zu den Grossen der Branche wie Microsoft, Intel oder IBM nicht ueber die kritische Masse verfuege, um eine Akquisition unmoeglich zu machen.