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20.11.1992 - 

Neue Technologie bringt Wettbewerbsvorteile

Workgroup Computing verändert im Unternehmen das Kerngeschäft

Oft hört man, daß offene Systeme und Standardplattformen die DV-Landschaft in naher Zukunft umgestalten werden. Die Verarbeitungsform jedoch, die die 90er Jahre wirklich prägt und den meisten Nutzen verspricht, ist Workgroup Computing. Workgroup Computing wird nicht definiert durch ein Betriebssystem, eine Hardwareplattform oder einen internationalen Standard. Hier spielt es also keine Rolle, ob Unix, DOS oder irgend ein anderes Betriebssystem Verwendung findet.

Workgroup Computing unterscheidet sich von anderen Verarbeitungsumgebungen dadurch, daß es dem eigentlichen Kerngeschäft eines Unternehmens an nächsten ist. Die neuen Systeme bringen dadurch unmittelbare Wettbewerbsvorteile.

Der Siegeszug des PCs hat die individuelle Erledigung der tagtäglich anfallenden Aufgaben ohne Zweifel verändert. Beim Workgroup Computing handelt es sich um eine neue Anwendungskategorie, die ebenso nachhaltig die Arbeitsabläufe innerhalb von Gruppen umformen wird.

Die damit verbundenen Veränderungen in den Unternehmen insgesamt werden die Revolution, die die PC-Software in den 80er Jahren brachte, weit in den Schatten stellen.

Bei der Betrachtung des neuen Konzepts taucht eine Vielzahl von Fragen auf Inwieweit unterscheidet sich Workgroup Computing von Groupware? Ist die Vernetzung vorhandener PCs bereits gleichbedeutend mit Workgroup Computing? Gelangt man schon in den Genuß der neuen Technologie, wenn man die derzeit eingesetzten Anwendungen zu einem E-Mail-System verknüpft?

Für Workgroup Computing gibt es weder feste Grenzen noch eine exakte Definition. Vielmehr stellt es einen Ansatz dar, der die Lücke zwischen Anwendungen zur Hebung der persönlichen Produktivität auf der einen Seite und unternehmensweiten Lösungen auf der anderen Seite schließt. Erfolgreiche Programme im Bereich des Workgroup Computing decken zudem andere Aufgabenbereiche im Betrieb ab als bislang verfügbare Anwendungen. Es wirkt mehr als jedes andere Verarbeitungsmuster unmittelbar auf die Art und Weise ein, wie Mitarbeiter im Unternehmen an der Lösung von Aufgaben zusammenarbeiten.

Techniker, Berater und Hersteller propagieren heute offene Verarbeitungslösungen, Client-Server-Architekturen und standardbasierte Systeme. Für den geschäftlichen Erfolg ist aber stets die Technik am wertvollsten, die die konkreten und besonderen Abläufe beim einzelnen Anwender unterstützt. Firmen verschaffen sich zunehmend Marktvorteile dadurch, daß sie die Technologie unmittelbar an speziellen Unternehmensprozessen ausrichten. Standardsoftware hat gewiß ihren Nutzen, bringt aber keine Vorteile gegenüber Wettbewerbern, die dasselbe Programm einsetzen.

Deaktop-Investitionen gehen nicht verloren

Die 80er Jahre veränderten fundamental die Arbeitsweise des einzelnen Mitarbeiters im Unternehmen und hoben im allgemeinen seine Produktivität. Textverarbeitungs-Systeme und Tabellenkalkulations-Programme vereinfachten und beschleunigten das Erstellen von Berechnungen, Texten oder Grafiken. Der Benutzer hatte seinen persönlichen Desktop-Rechner, an dem er mit den zweckmäßigsten Tools seiner Arbeit nachgehen konnte.

Workgroup Computing macht diese Investitionen nicht hinfällig. Vielmehr ergänzt es den derzeitigen Technikbestand und ermöglicht die zusätzliche Automation vieler Funktionen. Eine wichtige Neuerung ist beispielsweise der gleichzeitige Zugriff auf und die parallele Eingabe in eine zentrale Informationsquelle.

Workgroup Computing verwaltet sämtliche dafür notwendigen Prozeduren und Abhängigkeiten. Ferner identifiziert es Benutzer je nach Zugriffsberechtigung und läßt sie entsprechend selektiv zur Informationsabfrage zu.

Das aktuelle Angebot reicht von Groupware-Produkten, die sehr den herkömmlichen Anwendungen zur persönlichen Produktivitätssteigerung ähneln - etwa "Instant Update" von On

Technologies oder "Meeting Maker" - bis hin zu eher für den unternehmensweiten

Einsatz gedachten und auf firmentypische Geschäftsabläufe abgestimmten Workgroup-Systemumgebungen wie "IBIsys" von Olivetti sowie "Lotus Notes". Die Produkte unterscheiden sich je nach ihrem Standort innerhalb des gesamten Produktspektrums.

Bei Groupware-Produkten können die Benutzer rasch und ohne größere Schulung mit einfachen Anwendungen arbeiten. Ein von einer Redaktion gemeinsam genutztes Autoren-Tool ist ein solches Beispiel einer kostengünstigen, produktivitätssteigernden Anwendung für die Gruppenarbeit.

Die im High-end-Bereich angesiedelten Workgroup-Verarbeitungssysteme sollen eher spezifische Aufgaben, etwa in bestimmten Abteilungen, lösen. Hierdurch ist dann beispielsweise ein Zugriff auf Informationen möglich, den die im Linienbetrieb eingesetzten Applikationen und auch Groupware-Produkte nicht unterstützen.

Was Workgroup dem User bieten muß

- Benutzerfreundlichkeit. Damit Workgroup Computing den gewünschten Erfolg bringt, muß jeder in der Gruppe mit dem neuen System gut arbeiten können. Die Anwendungsregeln müssen mit intuitiver Alltagslogik verständlich sein. Der Benutzer soll nicht mit Dingen wie Host-Schnittstellen und Computersprachen in Berührung kommen. Ebenso sollte eine Anwendung automatisch andere Programme aufrufen können.

- Skalierbarkeit. Arbeitsgruppen arbeiten häufig in enger Nachbarschaft, zunehmen bestehen sie aber auch aus Mitarbeitern an unterschiedlichen Standorten und sogar aus verschiedenen Unternehmen. Die leistungsfähigen Workgroup-Systeme verfügen gewöhnlich über eine zugrundeliegende Datenbank. Käufer sollten es als ein ganz wesentliches Auswahlkriterium behandeln ob diese sich effektiv verteilen und innerhalb eines akzeptablen Zeitraums aktualisieren läßt. Dazu bietet eine ganze Reihe von Herstellern wie Oracle, Informix, Garmhausen & Partner, Ingres etc. Lösungen an.

- Sicherheit. Für die Sicherheit eines Systems sorgen in der Regel Zugangsbeschränkungen. Denkbar sind hier Berechtigungen wie Nur-Einsichtnahme, Editieren, Erstellen, Zugriff auf sämtliche oder einen Teil der Dokumente etc.

- Unterstützung heterogener Systeme. Da die Benutzer unterschiedlichste Aufgaben erledigen müssen, sind gewöhnlich verschiedene Desktop-Rechner und Betriebsumgebungen im Einsatz. Ein PC-User muß beispielsweise nur auf die Workgroup-Anwendung und andere PC-Software zugreifen können, andere müssen dagegen auf ihrem Bildschirm verschiedene Fenster darstellen können etwa ein Terminal-Fenster, Anwendungsfenster, Datenbankfenster und ein Fenster für die Workgroup-Anwendung. Diesen Benutzern ist nur mit einer Multithread-Betriebssystem-Umgebung gedient. Da in den Unternehmen zudem der Trend zu Netzwerken geht, besonders zu solchen über mehrere Betriebsstätten hinweg, müssen die Workgroup-Systeme heute auch unterschiedliche LAN-Betriebssysteme unterstützen.

Dieses Marktsegement der offenen Kommunikation wird derzeit von einem Hersteller domminiert. Mit über 220 OEMs, darunter Unternehmen wie IBM, Siemens-Nixdorf DEC, Olivetti, HP etc. bietet Retix Kommunikationslösungen an, die das offene Netzwerkmodell beim unternehmensweiten Nachrichtenaustausch realisieren. Produkte hierfür enthält die "Openserver"-Reihe. Zu ihr gehören Openserver 400, Gateways zu X.400 sowie Funktionen für den Verzeichnisaustausch und Dienste für das Remote-Management. Sie alle basieren auf dem internationalen X.400-Messaging-Standard der CCITT und machen die wesentlichen Komponenten zur Entwicklung und Integration einer unternehmensweiten Lösung für den Nachrichtenaustausch verfügbar. Dabei unterstützen sie nicht nur derzeit verfügbare E-Mail-Systeme, sondern nahezu alle digitalen Informations- und künftigen Mail-befähigten Anwendungstypen sowie EDI.

X.400-Backbone ist wichtig

Wichtig für ein solches Konzept ist die Schaffung eines X.400-Backbones im Unternehmen. Dies deshalb, da X.400 speziell auf die Verwaltung mehrerer Datentypen und von Multimedia in einer verteilten Umgebung zugeschnitten ist. Mit einem X.400-Backbone verfügen die Unternehmen über eine Infrastruktur, die nicht nur E-Mail, sondern jedes beliebige für den Nachrichtenaustausch entwickelte System unterstützt.

- Offener Zugriff auf andere Daten und Informationen. Besonders wichtig für den Nutzen einer Workgroup-Anwendung ist deren Fähigkeit, Informationen außerhalb der eigenen

Domäne erhalten zu können. Der Zugriff auf interne und externe Datenbanken bei umfassender Import- und Exportunterstützung ist das wesentliche Merkmal vieler Workgroup-Lösungen. Mit dem Openserver von Retix kann jeder Anwender über das für ihn passende Gateway nahezu jede Datenbankapplikation wie Oracle, Ingres, Informix etc. für die Anwendergruppe nutzbar machen. Gateways zum Openserver bieten schon viele Hersteller zu den unterschiedlichsten Programmen, zum Beispiel Digital Eqipment, Enable Software, OCP, Lotus, Da Vinci Systems, Hewlett-Packard, Isocor, Microsoft, Novell, Oracle, Soft-Switch und Wordperfect.

Workgroup-Systeme müssen sich anpassen lassen

Ferner werden derzeit zusätzliche Gateways, etwa zu Lotus Notes und Quickmail, sowie ein Banyan- und Fax-Gateway, entwickelt, die Ende diesen beziehungsweise Anfang nächsten Jahres das Gateway-Angebot von Retix komplettieren sollen.

- Möglichkeit der benutzerspezifischen Anpassung. Effiziente Workgroup-Systeme müssen sich zumindest auf zwei Ebenen anpassen lassen - durch Endbenutzer und durch Anwendungsprogrammierer. Hierdurch ist gewährleistet, daß die Personengruppen, die mit den tatsächlichen Geschäftsabläufen am besten vertraut sind, das System den jeweiligen Anforderungen entsprechend modifizieren können. Anwendungsentwicklern sollte die Implementation von wertschöpfenden Funktionen möglich sein, die über den individuellen Anwendungsbereich hinausreichen. Für die Endbenutzer ist eine grafische Benutzeroberfläche ein unbedingtes Muß.

Präzise Definition der bestehenden Probleme

Einer der Hauptvorteile von Workgroup Computing besteht darin, daß die Einführung eines solchen Systems den Anwender vergleichsweise wenig kostet. Jedoch sollte sich jedes Unternehmen vor dem Trugschluß hüten, daß sich der Erfolg mit dem Erwerb eines Anwendungspakets von der Stange automatisch einstellt. Das neue System bringt nur dann etwas, wenn klar ist, wozu es eigentlich dienen soll.

Wenn das zu lösende Problem präzise definiert ist, sollten die Kaufwilligen überlegen, welche Technologie am besten zu ihm paßt und wie sie konkret einzusetzen ist. Diese Analyse ist die zentrale Voraussetzung für den Erfolg der Workgroup-Technologie.

Die Geschäftswelt wird heute durch immer globalere Märkte, gleichzeitig aber auch durch ständig zunehmende Uniformität der Anbieter gekennzeichnet. In vielen Branchen kristallisiert sich dabei heraus, daß nur noch die verwendete Technologie ein Unternehmen von den Konkurrenten abheben kann. Hier liegen heute die Chancen von Workgroup Computing.

*Beate Bittner ist freie Journalistin in Wiesbaden.