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Gartner-Manager sieht Umwälzungen auf IS-Industrie zukommen


09.11.1990 - 

Workstation-Umgebung wird künftig die DV-Welt beherrschen

MONTE CARLO (IDG) - Der gesamten IS-Industrie stehen einschneidende Veränderungen bevor. Brian J. Attwell, Managing Director der englischen Gartner Group Niederlassung, vertritt in einem IDG-Interview die Meinung, daß sich die heute Mainframeorientierte in eine fast ausschließlich Workstation-dominierte DV-Welt wandelt und daß die Grenzen zwischen offenen und proprietären Systemen zunehmend verwischen.

Attwell sieht die bereits vorhandenen und sich in den nächsten drei bis acht Jahren noch verstärkenden Konzentrationsbewegungen innerhalb der Computerindustrie auch durch den Trend zu neuen Systemarchitekturen begründet: "In einigen Fällen kann das der Katalysator sein - nämlich dann, wenn Hersteller wegen ihrer finanziellen Situation oder ihrer Produktpalette nicht überleben i können. Dann suchen sie Partner oder werden zu Übernahmekandidaten.

Diese Akquisitionen, übernahmen oder Allianzen werden die Computerindustrie weltweit, besonders aber in Europa verändern. Untersuchungen der Gartner Group zufolge dürfte sich die Konsolidierung fortsetzen. Demnach wird es von den acht in der Rangliste hinter der IBM angesiedelten Unternehmen - DEC, Fujitsu/ICL, NEC, HP, Unisys, Hitachi, Bull/Zenith und Siemens/Nixdorf - im Jahr 2000 nur noch sechs geben. Sowohl Unisys und Bull/Zenith als auch Siemens/Nixdorf sind bis dahin aus dem Spiel, dafür wird Apple das Feld als Mayor-Player betreten.

Der einzige verbleibende Europäer (obwohl in japanischem Besitz) wird die ICL sein, die aber nicht der Strategie der meisten Mitbewerber folgt, die als System-, Software- und Service-Anbieter auftreten, sondern sich als Low-cost-Lieferant im Warenmarkt etablieren wolle. Allerdings stehen Attwell zufolge japanische Unternehmen in Zukunft vor einem Problem: "Heute ist Japan vom Ö1 abhängig. Für das Jahr 2000 sagt das Ministerium für Industrie und Handel eine ähnliche Abhängigkeit von Software voraus.

"Deshalb glaube ich nicht, daß sie sich total von importierter Software abhängig machen wollen. Sie müssen dieses Problem irgendwie lösen. Doch ins Moment scheint niemand zu wissen wie."

Weil PCs ein weitaus besseres Preis-Leistungs-Verhältnis auf weisen als Mainframes, werden die Mikros seiner Auffassung nach in Organisationen (Groß-Unternehmen) schon bald einen Durchdringungsgrad von 90 Prozent erreichen.

Attwell sagt ein Zusammenwachsen beider Welten voraus, wenn entsprechende Umgebungen geschaffen würden, in denen Mainframes einerseits und PCs/Workstations andererseits miteinander arbeiten könnten. Dieses neue System werde aber nicht so sehr durch die heutige, streng kontrollierte Mainframe-, sondern durch eine Workstation-Umgebung bestimmt. Dabei sei vor allein auch der IS-Manager gefragt, der für die mit steigender Penetration wachsende Zahl unerfahrener Anwender den Umgang mit Workstations und PCs vereinfachen muß. Anstatt die Mikros weiterhin als "dumme Terminals" zu benutzen, solle die Workstation-Umgebung wie ein Werkzeugkasten sein, in dem der User alles findet, was er braucht, ohne die Anwendungsebene verlassen zu müssen.

Im Moment, so Attwell, könne der IS-Manager allerdings wenig tun, weil die entsprechenden Werkzeuge wie IBMs AD/Cycle oder andere CASE-Tools, die so etwas ermöglichen würden, zum Teil zwar angekündigt, aber noch nicht verfügbar seien.

Während dieses Wandels sieht der Gartner-Mann keine bestimmte Region - weder USA, Japan noch Europa - an der Spitze: "lm Moment kann man das eher an einzelnen Unternehmen als an bestimmten Ländern festmachen - nämlich an denen, die es sich leisten können, nicht mehr nur ein halbes oder ein Prozent ihres Umsatzes in Informationstechnik zu investieren, sondern zweieinhalb oder drei Prozent."

Die IBM habe bereits ihre Vorstellung des heraufziehenden Wandels definiert. Ihrer Meinung nach benötigt der Anwender System View, OS/2 Extended Editions, Distributes DB2, AD/Cycle, Netview, Officevision und SAA. "Sie haben zwar gesagt, wie die Umgebung aussehen und arbeiten soll", bemerkt Attwell, "aber sie brauchen wahrscheinlich noch drei, vier oder fünf Jahre, um sie komplett darstellen zu können."

Offenen Systemen sagt er keine rosige Zukunft voraus: "Die Gartner Group geht davon aus, daß sich die Bewegung hin zu offenen Systemen verlangsamen wird. Die Hersteller offener Systeme haben höhere Funktionalität als bei proprietären Umgebungen versprochen. Wenn man sich ansieht, was ausgeliefert wird, muß man allerdings davon ausgehen, daß sie heute nicht in der Lage sind, dieses Versprechen einzulösen." Viele IS-Manager würden sich deshalb wieder auf proprietäre Systeme besinnen, weil ihre Erwartungen dort erfüllt würden.

Attwell ist davon überzeugt, daß beide Umgebungen nach und nach zusammenwachsen: "Die Grenzen zwischen proprietär und offen werden verwischen, weil die Hersteller daran interessiert sind, ihre Software auf verschiedenen Hardwareplattformen verfügbar zu machen. Diese Entwicklung ist für eine neue Workstationorientierte Umgebung unbedingt notwendige."

Deshalb sieht er auch "OS/2 Extended" als den wahrscheinlichsten Betriebssystemstandard ab 1993 an. Er begründet dies damit, daß man sich jetzt darum bemühe, den DOS-Nachfolger auch auf RISC- und anderen Plattformen verfügbar zu machen. Windows 3.0 prophezeit Attwell zumindest für die nächsten zwei bis drei Jahre eine große Rolle.