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16.08.2002 - 

Überlebensfähigkeit in Frage gestellt

Worldcom gesteht neue Fehlbuchungen

MÜNCHEN (CW) - Der bankrotte Carrier Worldcom hat neue Milliardenbeträge entdeckt, die fälschlicherweise als Gewinn ausgewiesen worden waren. Damit ist der Neuanfang der Company massiv bedroht.

Der Skandal um die manipulierten Bilanzen des inzwischen insolventen US-Carriers Worldcom nimmt immer größere Dimensionen an. Nachdem das Unternehmen bereits vor Wochen eingeräumt hatte, seine Gewinne der letzten Quartale um 3,85 Milliarden Dollar aufgebläht zu haben, sind nun erneut Falschbuchungen ans Licht gekommen. So gestand die Company vergangene Woche, weitere 3,3 Milliarden Dollar erfunden zu haben, um ihr Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aufzupolieren. Damit summieren sich die Fehlbuchungen auf 7,18 Milliarden Dollar.

Unregelmäßigkeiten seit 1999

Waren bislang nur die Bilanz des Jahres 2001 sowie das erste Quartal 2002 betroffen, beginnen die Unregelmäßigkeiten nun bereits im Jahr 1999, als 217 Millionen Dollar unkorrekt verrechnet worden waren. Im folgenden Jahr explodierte der Fehlbetrag auf 2,86 Milliarden Dollar, im Geschäftsjahr 2001 waren es 3,2 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2002 schließlich sollen 885 Millionen Dollar fälschlicherweise als Ebitda verbucht worden sein.

Ans Licht kam die neue Gewinnlücke im Rahmen der laufenden internen Überprüfung der Kennzahlen, meldete die Company, die am 21. Juli Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-amerikanischen Konkursrechts beantragt hatte. Gleichzeitig empfahl Worldcom, das sich selbst als "Wegbereiter für die digitale Generation" bezeichnet, seinen Investoren und Gläubigern, sich auf weitere Enthüllungen gefasst zu machen. Gegenwärtig werden alle Abschlüsse der vergangenen drei Jahre durch Wirtschaftsprüfer von KPMG untersucht. Deren Vorgänger Arthur Andersen sei inzwischen über die Unregelmäßigkeiten informiert worden, hieß es.

Zudem gab Worldcom bekannt, dass voraussichtlich rund 50 Milliarden Dollar an Goodwill- und anderen Abschreibungen zusätzlich anfallen könnten. Dies entspricht etwa dem doppelten Bruttosozialprodukt von Luxemburg. Insgesamt hat die Company 41 Milliarden Dollar Schulden. Der ehemalige Finanzchef Scott Sullivan und Chef-Controller David Myers waren Anfang August unter dem Verdacht des Aktienbetrugs festgenommen worden. Worldcoms ehemaliger CEO Bernard Ebbers schuldet dem Unternehmen 408 Millionen Dollar, die er sich unter anderem als Kredit aus der Firmenschatulle bewilligt hatte.

Was wusste CEO Sidgmore?

Die neuen Manipulationen treffen die Company und ihren amtierenden Chef John Sidgmore mitten in einer entscheidenden Phase. Worldcom verhandelt gegenwärtig mit Kreditgebern und Gläubigern darüber, ob und wie das Geschäft fortgeführt werden kann. Dabei spielt Sidgmore die Rolle des kompromisslosen Aufklärers, der nicht in die Manipulationen eingeweiht war. Er bekleidete allerdings seit 1996 das Amt des Vice Chairman und war von 1996 bis 1998 Chief Operating Officer (COO).

Derweil hat sich Reid Weingarten, Anwalt von Ex-CEO Ebbers, gegenüber dem TV-Sender CNBC zu Wort gemeldet. Sein Mandant sei rechtlich nicht verantwortlich für die Falschbuchungen, so der Rechtsvertreter. Als Chef einer Firma mit 60000 Angestellten könne man nicht jede Entscheidung seiner Untergebenen kennen. Zudem sei die Bilanzierung ein "geheimnisvolles" Geschäft, in das Ebbers nicht eingewiesen sei. Daher sei es unfair, Menschen für etwas zu belangen, für das sie nicht verantwortlich sein könnten. (ajf)