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26.07.2002 - 

Angeblich keine Auswirkungen auf den weltweiten Internet-Verkehr

Worldcom meldet Insolvenz an

MÜNCHEN (CW/IDG) - Mit dem Antrag auf Gläubigerschutz gemäß Paragraf 11 des US-amerikanischen Konkursrechts will die Telefongesellschaft Worldcom ihre Sanierung einleiten. Derweil gibt es erneut Spekulationen über negative Auswirkungen auf den weltweiten Internet-Verkehr.

Die Entscheidung des schwer angeschlagenen US-Telecom-Konzerns, Gläubigerschutz zu beantragen, kam Anfang der Woche nicht mehr überraschend. Eine Sanierung der Gesellschaft auf herkömmlichem Wege gilt als aussichtslos. Das Unternehmen, mit jährlich 35 Milliarden Dollar Umsatz zweitgrößter Netzbetreiber und Internet-Service-Provider (ISP) der Vereinigten Staaten, drückt eine Schuldenlast von 41 Milliarden Dollar. Mit der Insolvenz war spätestens gerechnet worden, seit Worldcom vor etwa einem Monat Falschbuchungen in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar eingeräumt hatte. Anstelle der ursprünglich ausgewiesenen Gewinne musste die Company für die vergangenen fünf Quartale horrende Verluste melden. Mit einem vom Unternehmen selbst bezifferten Vermögenswert von 107 Milliarden Dollar ist der Insolvenzantrag damit mit Abstand der größte in der US-amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

"Wir denken, dass wir aus dem Insolvenzverfahren nach neun bis zwölf Monaten als stärkeres und gesünderes Unternehmen hervorgehen werden", erklärte CEO John Sidgmore, der vorerst im Amt bleiben will. Auf Druck der Gläubiger wird ihm aber vermutlich ein so genannter Chief Restructuring Officer zur Seite gestellt, der den Umbau des Konzerns begleiten soll. Paragraf 11 des US-amerikanischen Konkursrechts sieht als Alternative zur Zerschlagung eines Unternehmens vor, dass eine insolvente Gesellschaft möglichst uneingeschränkt den operativen Betrieb aufrechterhalten kann, um nach einer erfolgreichen Sanierung die Forderungen der Gläubiger zu erfüllen. Dies setzt allerdings entsprechende Aktiva voraus - und die Bereitschaft von Investoren, zunächst weitere Gelder in das Unternehmen zu pumpen. Die Bereitstellung einer solchen Zwischenfinanzierung in Höhe von zwei Milliarden Dollar war von einem US-Bankenkonsortium zugesagt und ist mittlerweile vom zuständigen Konkursrichter genehmigt worden.

Worldcom will sich nun, wie Konzernchef Sidgmore erläuterte, möglichst schnell von "unwichtigeren Aktivitäten" trennen und auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Dazu zählt man künftig vor allem Festnetztelefonie und Internet-Services für Firmenkunden. Zentrales "Asset" einer sanierten Worldcom-Gruppe wäre demnach die Internet-Sparte Uunet, über deren Leitungen rund die Hälfte des weltweiten Internet-Verkehrs abgewickelt wird. Dies dürfte auch insofern interessant sein, als Sidgmore Uunet 1995 als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht und später an Worldcom verkauft hat. Er leitete im Konzern diese Unit weiter, bis er vor kurzem zum Nachfolger des früheren Worldcom-Chefs Bernard Ebbers berufen wurde. Schenkt man Sidgmores ersten Ankündigungen Glauben, steht auch das unprofitable Mobilfunk-Business des Konzerns sowie das unter dem Namen MCI firmierende Telefongeschäft mit Privatkunden zur Disposition.

Die ersten Reaktionen auf die Worldcom-Insolvenz waren jedoch kaum von der Diskussion um die Tragfähigkeit etwaiger Sanierungskonzepte geprägt. Vielmehr brachen weltweit an den Börsen alle Dämme: Dow Jones, Nasdaq-Index und auch der Dax fielen auf neue Rekordtiefs. Neben den Technologietiteln traf der Kurssturz vor allem die großen Banken und Versicherer. Grund: Der US-Carrier soll Branchenkennern zufolge allein bei der Deutschen Bank und der zur Allianz-Gruppe gehörenden Dresdner Bank mit gut einer Milliarde beziehungsweise knapp 200 Millionen Dollar in der Kreide stehen.

Neben dem Beben an den Finanzmärkten gab es erneut Spekulationen um die Aufrechterhaltung des Netzbetriebs bei Worldcom und damit die Funktionsfähigkeit des weltweiten Internet-Verkehrs. Entsprechende Befürchtungen waren schon vor Wochen bei Bekanntwerden der Bilanzfälschungen aufgekommen (siehe CW 27/02, Seite 8: "Analysten warnen vor Serviceproblemen bei Worldcom") und haben sich nun durch die zwischenzeitliche Insolvenz des anderen großen europäischen Backbone-Betreibers KPN Qwest noch verstärkt. Angesichts der immer noch nicht ausgeschöpften Kapazitäten wird die Gefahr eines "Flaschenhalses" von Fachleuten derzeit aber überwiegend verneint. Auch die Geschäfte der Worldcom-Tochtergesellschaften in Europa laufen, wie eine Sprecherin des Unternehmens in Deutschland sagte, unabhängig vom Insolvenzverfahren in den USA "ganz normal weiter". (gh/tc)