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25.04.2003 - 

Aktionäre gehen bei Umschuldung vermutlich leer aus

Worldcom startet Neuanfang

MÜNCHEN (CW) - Mit Hilfe eines umfassenden Restruktrurierungskonzepts will der zahlungsunfähige US-Carrier Worldcom ab sofort unter dem Namen MCI einen Neuanfang wagen. Bis zum Herbst sollen laut CEO Michael Capellas das Insolvenzverfahren abgeschlossen und die Verbindlichkeiten auf 3,5 bis 4,5 Milliarden Dollar gesunken sein.

Einen Gewinner hat die aktuelle Entwicklung beim skandalträchtigen Worldcom-Konzern jetzt schon: Michael Capellas. Der frühere Compaq-Chef hatte Ende 2002 den Job als CEO mit dem Versprechen angetreten, bis zum 15. April 2003 einen Sanierungsplan vorzulegen - und er hielt Wort.

Am Montag vergangener Woche reichte die Gesellschaft beim zuständigen Konkursgericht in New York ihr Restrukturierungskonzept ein. Danach bleibt bei dem Carrier, der den bis dato größten Skandal der US-amerikanischen Wirtschaftsgeschichte verursacht hat, kein Stein mehr auf dem anderen: Der Name wurde mit sofortiger Wirkung in MCI geändert, die Firmenzentrale vom Gründungsort Clinton/Mississippi nach Ashburn im US-Bundesstaat Virginia verlegt, ein neuer Chief Financial Officer (CFO) ernannt, und - was am wichtigsten sein dürfte - das Unternehmen soll von einem Großteil seiner Schulden befreit werden.

Vor allem Letzteres dürfte noch für Zündstoff sorgen, denn von den 41 Milliarden Dollar, die Worldcom bei der Beantragung von Gläubigerschutz nach Chapter 11 vor rund neun Monaten an Verbindlichkeiten in seinen Büchern stehen hatte, sollen nur 3,5 bis 4,5 Milliarden Dollar übrig bleiben. Gut 90 Prozent der Gläubiger haben Unternehmensangaben zufolge dem Umschuldungsplan bereits zugestimmt. Dieser sieht vor, dass Besitzer von Anleihen 36 Cent je investierten Dollar erhalten, die Inhaber von Schuldverschreibungen 80 Cent und die Eigner von Intermedia-Anleihen, dem letzten Zukauf vor der Insolvenz, sogar 94 Cent. Die Aktionäre gehen indes vermutlich leer aus.

Man habe schnell und konzentriert gearbeitet, um "im Laufe dieses Jahres als verschlankter und gestärkter Wettbewerber aus dem Gläubigerschutzverfahren hervorzugehen", ließ Capellas als offizielles Statement zum Sanierungsplan verbreiten. Inoffiziellen Schätzungen zufolge rechnet man beim US-Carrier damit, das nach entsprechenden Anhörungen im Mai bereits im September Chapter 11 aufgehoben werden könnte - ein wesentlicher Schritt, um das Vertrauen von Kunden, Geldgebern und Lieferanten zurückzugewinnen. Um auch nach außen hin wieder ein ordnungsgemäßes Vorgehen im Berichtswesen zu demonstrieren, berief Capellas ebenfalls am Montag vergangener Woche den 61-jährigen Robert Blakely zum neuen Finanzvorstand.

Ein neuer Finanzchef soll das Vertrauen wiederherstellen

Blakely war unter anderem 18 Jahre CFO beim US-amerikanischen Automobilzulieferer Tenneco und ist Mitglied des einflussreichen Financial Accounting Standards Advisory Council. Seine Reputation wird der Manager auch dringend benötigen. Zur Erinnerung: Das Unternehmen steht wegen Falschbuchungen bei Umsätzen und Gewinnen in Höhe von inzwischen mehr als elf Milliarden Dollar am Pranger.

Einen Neuanfang will die Company aber nicht nur in puncto Berichtswesen, Marktauftritt und Marketing wagen, sondern natürlich auch im Geschäft. Man wolle den Kunden, so Capellas, ab sofort wieder "bestmöglichen Service bieten" und die Position als "einer der führenden IP-Kommunikations-Provider festigen". Ein Unterfangen, das Analysten angesichts der insgesamt schwierigen Marktsituation zwar als anspruchsvoll, aufgrund der nach wie vor guten Marktposition des Unternehmens (die "neue" MCI ist in den Vereinigten Staaten trotz Zahlungsunfähigkeit immer noch vor AT&T Marktführer bei Datendiensten für Unternehmen) jedoch durchaus als realistisch ansehen. Ein Beleg dafür dürften auch die prompten Reaktionen der einschlägigen Wettbewerber auf den Sanierungsplan sein. So kritisierte beispielsweise AT&T, Worldcom sei für seinen Bilanzbetrug de facto belohnt worden und könne seine Geschäfte mit weniger Schulden fortführen. (gh)