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15.01.1999 - 

Wurde der Ex-Mainframe-Spezialist zum Übernahmekandidaten?

Wurde der Ex-Mainframe-Spezialist zum Übernahmekandidaten?Unisys: Comeback als Dienstleister gelungen

Von Beate Kneuse MÜNCHEN - Für Branchenverhältnisse geradezu heimlich, still und leise hat sich Unisys zu einem IT-Dienstleister gewandelt und sich wirtschaftlich stabilisiert. Zudem bekommt der einstige Mainframe- Spezialist, der 1986 aus der Fusion der US-Konzerne Sperry und Burroughs entstanden ist, seine Schuldenlast allmählich in den Griff. Kehrseite der Medaille: Das Unternehmen wird immer häufiger als Übernahmekandidat gehandelt.

Lawrence Weinbach will von einem Verkauf nichts wissen. "Wir sind in keiner Weise daran interessiert, übernommen zu werden", stellte der seit gut einem Jahr amtierenden Chief Executive Officer (CEO) von Unisys, Ende vergangenen Jahres vor deutschen Journalisten unmißverständlich klar. Genauso entschieden wehrte sich der 58jährige Ex-Andersen-Worldwide-Berater gegen Spekulationen, er und sein Management-Team hätten die Company lediglich für einen potentiellen Käufer herausgeputzt: "Ich bin hier angetreten, um das Unternehmen zu formen und zu stabilisieren, nicht um seine Unabhängigkeit in Frage zu stellen." Ins gleiche Horn stößt auch der neue Unisys-Deutschland-Chef Ulrich Müller: "Unisys hat den Turnaround geschafft. Nun sind andere Zeiten angesagt."

Nach den jüngsten Geschäftserfolgen des in der Vergangenheit zeitweise vom Ruin bedrohten Konzerns klingen solche Statements plausibel. Jedenfalls gelang es Weinbach schon 1998, den Schuldenberg von insgesamt 2,3 Milliarden Dollar um eine weitere Milliarde Dollar zu reduzieren. Ursprünglich hatte er dafür die Zeitspanne bis zum Jahr 2000 angesetzt. Darüber hinaus konnte Unisys 1998 bislang respektable Quartalsgewinne ausweisen - in den ersten neun Monaten kam die Company auf einen Profit von 248,4 (1997: 112,1) Millionen Dollar. Der Umsatz stieg im Vorjahresvergleich um neun Prozent auf rund 5,2 Milliarden Dollar.

Gerade die wirtschaftliche Gesundung, offenkundig Ergebnis einer strategischen Neuausrichtung, macht aber das Unternehmen neuerdings immer wieder zum Gegenstand von Übernahmespekulationen. Dies vor allem, seit Digital Equipment (DEC) im Januar 1998 von PC-Weltmarktführer Compaq aufgekauft wurde. Felix Hamann, Geschäftsführer der Input Deutschland GmbH, sieht wie viele Experten Parallelen zwischen dem Compaq-DEC-Merger und der aktuellen Situation von Unisys: "Ähnlich wie Digital hat sich Unisys von einem reinen produkt- orientierten Unternehmen zu einem Service-Anbieter gewandelt - ein zum Teil sehr schmerzhafter Prozeß, der unter anderem Massenentlassungen zur Folge hatte."

In der Tat: Standen 1986 noch fast 100000 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste von Unisys, sind es heute nur noch 33000. Produk- tionsstätten, vor allem in der Großrechnerfertigung, wurden geschlossen und verlustträchtige Geschäftsbereiche abgestoßen.

Im Frühjahr 1997 erfolgte schließlich die Aufsplittung in die drei eigenständigen Divisions "Information Services Group", "Global Customer Services" und "Computer Systems Group" - also je eine straff geführte Unit für das Hardware-, Wartungs- und Service- Geschäft.

Besagter Umbau war übrigens die letzte große Maßnahme von Weinbach-Vorgänger James Unruh. Dieser hatte 1990 die Geschäfte von Michael Blumenthal, Ex-US-Finanzminister und Initiator der Fusion des Rechenmaschinenherstellers Burroughs und des Großrechner-Spezialisten Sperry zur Unisys Corp. vor rund 13 Jahren, übernommen. Dessen Bilanz wiederum war ernüchternd: Statt, wie ursprünglich angekündigt, einen ernstzunehmenden Herausforderer für Branchenführer IBM zu schmieden, hatte er auf Pump einen unüberschaubaren Konzern mit einem administrativen Wasserkopf, rivalisierenden Geschäftsbereichen sowie inkompatiblen Produktfamilien zusammengekauft.

Unruh dankte bekanntlich nach siebenjähriger Sanierungsarbeit erschöpft ab. Trotz erwähnter Massenentlassungen und zum Teil verlustreicher Geschäftsjahre (siehe Tabelle) hatte er das Unternehmen auf Kurs und weitgehend aus den Schlagzeilen halten können. Heute scheint Unisys aus dem Gröbsten heraus - die Wandlung vom Mainframe-Anbieter zum Enterprise-Server- und Dienstleistungs-Spezialist gelungen. Was sich auch an den Geschäftszahlen jüngeren Datums ablesen läßt: Im Geschäftsjahr 1997 steuerten die Dienstleistungsaktivitäten mit 4,2 Milliarden Dollar bereits rund 63 Prozent zum Gesamtumsatz von 6,64 Milliarden Dollar bei - Tendenz steigend. Für das Jahr 2000 peilt CEO Weinbach bereits einen Anteil von 70 bis 75 Prozent an.

Die neuen Stärken von Unsiys liegen neben dem Outsourcing vor allem im Netz-Management und in der Systemintegration, beispielweise in der Implementierung von Standardsoftware wie SAP R/3. Darüber hinaus konnte das Unternehmen in Folge einer 1997 mit Microsoft vereinbarten Partnerschaft als Solution Provider im NT- basierten Enterprise Computing Fuß fassen. Wie ernst es auch Unruh-Nachfolger Weinbach mit der strikten Service-Ausrichtung der Company ist, zeigte seine Entscheidung zu Beginn vergangenen Jahres, aus der PC-Fertigung auszusteigen und künftig mit Hilfe von OEM-Partner Hewlett-Packard dieses Marktsegment zu bedienen.

Doch die Luft im Markt für IT-Services wird bekanntlich immer dünner. Und auch beim anderen wichtigen Standbein von Unsiys, dem NT-Server-Geschäft, wo man nicht nur als Systemintegrator, sondern auch mit der eigenen Server-Familie "Clearpath" als Hardwarelieferant Flagge zeigt, wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Hinzu kommt: Das Image des Unternehmens als IT- Dienstleister ist noch schwach ausgeprägt. Die Kundenbasis der Company gilt zwar als ausgesprochen loyal, aber nicht als groß genug, um langfristig zu überleben. Also doch eine "Perle" für einen der Branchengiganten, der noch Nachholbedarf in Sachen Service hat? Marktforscher Hamann will sich nicht festlegen. Verglichen mit der früheren Digital-Division Multivendor Customer Services hinke Unisys "drei bis vier Jahre hinterher." Lediglich dieser Rückstand schütze das Unternehmen vermutlich noch vor einer Übernahme.

Unisys-Deutschland-Chef Müller hält von derlei Planspielen nichts. Ganz im Gegenteil: Man liebäugele durchaus selbst mit Zukäufen, die Kriegskasse sei "mittlerweile wieder ganz gut gefüllt". Ob Müller recht behält, wird sich zeigen. Paul Santner beispielsweise, Ex-Geschäftsführer von Digital Deutschland, hatte noch im November 1997 anläßlich des Verkaufs der eigenen Netzdivision an Cabletron Systems vollmundig getönt, nun sei Digitals Ausverkauf abgeschlossen, das Unternehmen sauber aufgestellt. Zwei Monate später schlug Compaq zu. IT-Unternehmen, die unter dem Zugzwang stehen, sich in puncto Service etwas einfallen zu lassen, gäbe es genug - allen voran PC- Direktvertreiber Dell, der seit kurzem (auch) eine Service- Partnerschaft mit Unisys unterhält. Das PC-Geschäft alleine dürfte den Texanern auf Dauer nicht zum Überleben reichen.

Neuer Kopf

Seit dem 15. November 1998 ist bei der Unisys Deutschland GmbH, Sulzbach/Taunus, ein neuer Kapitän an Bord. Ulrich Müller, zuletzt in Diensten von AT&T und davor bei IBM, ist jetzt Sprecher der Geschäftsleitung. Neben dem neuen Mann an der Spitze wird derzeit bei Unisys Deutschland wie auch weltweit im Konzern eine neue Management-Ebene etabliert. Sogenannte Business-Direktoren sollen die Branchenorientierung des Unternehmens nach außen hin unterstreichen. Zu den Wirtschaftszweigen, die Unisys verstärkt ins Visier nehmen möchte, zählen die Finanzdienstleistungsbranche, die verarbeitende Industrie, die Automobilhersteller, die Bereiche Transport und Verkehr sowie Handel und Telekommunikation.

Auf den neuen Unisys-Deutschland-Chef wartet aber auch so viel Arbeit. Denn so stark das Service-Geschäft des Konzerns mittlerweile weltweit floriert, so schleppend kommt es hierzulande voran. Zwar sind weit mehr als die Hälfte der knapp 600 Mitarbeiter in Deutschland mit dem Verkauf und der Bereitstellung von Dienstleistungen beschäftigt. "Aber das spiegelt sich noch nicht im Umsatz wider", bedauert Müller. Seine Begründung: "Wir sind in Deutschland einfach noch zu hardwarelastig." Dafür aber stellt er für das abgelaufene Geschäftsjahr 1998 (Ende: 31. Dezember) nach zuletzt roten Zahlen wieder einen Nettogewinn in Aussicht, wenngleich man beim Umsatz unter den Einnahmen des Vorjahres (laut Branchenschätzungen knapp 300 Millionen Mark) liegen werde. Um in puncto Wachstum wieder mehr Gas geben zu können, will Müller unter anderem das Personal kräftig aufstocken.

Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb: Wandlung vollzogen: Aus dem früheren Mainframe-Spezialisten wurde ein Komplettanbieter in Sachen IT-Services. Quelle: Unisys