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07.09.1990 - 

Mit Erweiterung der Mehrprozessor-Unix-Systeme in die Spitze

Wyse will den PC-Markt jetzt auch mit EISA-Rechnern erobern

PARIS (jm) - Erst im Januar hatte Wyse Technology mit einem Mehrprozessor-Unix-System einen Anlauf gemacht, neues Terrain auf dem Feld von Hochleistungs-PCs zu gewinnen. Jetzt präsentierte man für diese 9000i-Serie ein neues Top-Modell. Zusätzlich rundete Wyse ihre Advanced-Systems-Familie mit einem EISA-Rechner ab.

Die wegen finanzieller Schwierigkeiten in die Schlagzeilen gekommene Firma mit Sitz im kalifornischen San Jose - mittlerweile im Besitz einer taiwanischen Investmentgruppe - stellte als neues, leistungsstärkstes Mehrprozessorsystem seiner Advanced-Technology-Familie das Modell 940 der 9000i-Serie vor. Gegenüber dem im Januar präsentierten Multi-CPU-Rechner Modell 920 mit den 386-Prozessoren von Intel ist es mit dem Nachfolgechip 486 (25 Megahertz) ausgerüstet.

Die nach dem TSMP-Konzept (True Symmetric Multiprocessing) arbeitenden 9000i-Computer können mit acht CPUs bestückt werden und sollen eine linear steigerbare Leistung in der Maximalkonfiguration von 160 MIPS verwirklichen. Berend Haber, Sales- und Marketing-Manager und neben Martin Brauns in der Position der Geschäftsführung bei der Wyse Technology GmbH in Grasbrunn, betonte in diesem Zusammenhang, daß die verschiedenen CPU-Karten gemischt in einer Maschine verwendet werden können.

Der zunehmenden Bedeutung Europas als Absatzmarkt für EDV-Technologie trug Wyse nach den Worten ihres Senior Vice-President Marketing International, Dave Everett, Rechnung, indem man erstmalsf eine weltweite Ankündigung vom alten Kontinent aus machte: Das Modell 740 der Serie 7000i basiert auf dem EISA-Bus und wird zunächst als EinprozessorRechner mit 486-Chip angeboten, soll aber in einigen Monaten auch als Multiprozessor-Rechner bis zu drei CPUs unterstützen können.

Mit der abgerundeten PC-Palette verfolgt Wyse nach Worten von Everett ein ehrgeiziges Ziel: "Wir werden den PC-Markt in Zukunft aggressiv angehen", malte er mit einer Seitenbemerkung auf ein Rekordquartal bei Terminal-Verkäufen die PC-Zukunft von Wyse aus.

Offene Systeme sind ideal für die Unternehmens-DV

Unterstützt wurde Everett in seinen hohen Erwartungen von Paul Cubbage, Spezialist bei Dataquest für den Unix-Markt. Mit Verweis auf British Petrol, General Motors und McDonalds, die alle auf unternehmensweite Unix-Systeme umgestiegen seien, meite der Marktanalyst, daß offene Mehrprozessor-Systeme in idealer Weise die Erfordernisse von Unternehmens-DV-Strukturen erfüllen würden. "Sie sind portabel, lassen sich leicht vernetzen, können in der Größe ohne Probleme aufgestockt werden, sie verfügen darüber hinaus über große Interoperabilitäts-Potentiale." Vor allem aber seien Multiprozessor-Unixsysteme nach den Worten des Branchenkenners aus Kalifornien in puncto Preis/ Leistung sehr attraktiv. Zudem gäbe es Tausende von Universitätsabgänger geschulte Unix-Spezialisten.

Auch der 7000i-EISA-Rechner arbeitet unter Unix nach dem TSMP-Prinzip. Haber verwies auf die Konkurrenz aus dem Hause Compaq und deren Zweiprozessor-PC "Systempro", als er die Vorteile des eigenen Produktes unterstrich: "Die Prozessoren des Systempro arbeiten - auch wenn Compaq das nicht so gerne sagt - nach dem Master-Slave-Prinzip. Das bedeutet, es bildet sich beim Rechnen ein Flaschenhals, der die Leistung des Gesamtsystems senkt." Bei der von Wyse benutzten TSMP-Architektur sei hingegen eine gleichmäßige Auslastung aller im System vorhandenen CPUs gewährleistet, jeder Prozessor könne jede anstehende Task bearbeiten. Alle CPUs werden von einer einzigen Kopie des Unix-Betriebssystems gesteuert, bei welchem es sich um die von Wyse erweiterte und optimierte Version des AT&T-Unix-System V/386, Release 3.2, handelt. Zu den Verbesserungen zählen die durchgehende Multithreading-Struktur des Betriebssystemkerns und die Verwirklichung eines dynamischen Auslastungsausgleiches.

Die bessere Lastenverteilung der einzelnen CPUs schlägt sich nach den Ergebnissen der AIM Technology, eines kalifornischen Unternehmens aus Santa Clara, welches Leistungsbewertungen von Unix-Systemen vornimmt, unter anderem beim 8-Prozessor-System des Modells 940 in einer Benutzerauslastung von 902 nieder. Das bedeutet, erst bei dieser Anzahl angeschlossener Benutzer geht das System leistungsmäßig in die Knie.

Weitere Entwicklungen am Unix-System umfassen eine 486-Erweiterungskarte und eine mit zwei SCSI-Kanälen versehene SPA-Karte (SCSI Peripheral Adapter), die bis zu 14 Peripheriegeräte bedient, für die Modelle 920 und 940 der Serie 9000i, sowie die Unterstützung von Disk- und Bandlaufwerken mit SCSI-Interface für die Einprozessor-Einstiegsfamilie 5000i.

Das EISA-Modell 740 der Serie 7000i garantiert nach Unternehmensangaben auf seinem "Wyse Wyde Bus" Übertragungsraten bis zu 80 MB/s. Das Rechnersystem besitzt einen externen Copy-Back-Cache von 128 KB, elf EISA-Steckplätze und einen auf 192 MB ausbaufähigen Arbeitsspeicher. Das mitgelieferte Unix System V/385 Release 3.2.1 sei kompatibel zu Tausenden von Applikationen unter Unix/386- und Xenix-Derivaten. Modell 740 kann auch unter VP/ix von Interactive Systems und XDOS von Hunter Systems betrieben werden.

Das neue EISA-System unterstützt die Disk-Mirror-Technik und besitzt eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. In einer vernetzten X-Windows-Mehrplatzumgebung unterstützt Modell 740 unter Unix und dem erweiterten Client-Support für X-Windows auch grafikorientierte Unix-Applikationen sowie TCP/IP und NFS.

Der EISA-Rechner ist in Westeuropa ab Dezember 1990 erhältlich, die mit dem 486-Prozessor versehenen 9000i-Rechner sowie die Verbesserungen der 5000i-Systeme sollen ab sofort verfügbar sein. Modell 940 wird je nach Konfiguration zwischen 100 000 und 450 000 Mark kosten. Eine Grundkonfiguration für 48 bis 64 Benutzer, mit einer CPU, acht MB Arbeitsspeicher, einer 190-MB-Festplatte, einem Cartridge-Bandlaufwerk, mit einem Ethernet-Port, einer 1,2-MB-Floppy und Unix einschließlich TCP/IP soll unter 150 000 Mark kosten.