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13.12.1991 - 

Ovum-Studie sieht OSI-Standard im Aufwind

X. 500: Dem verhaltenen Start werden die fetten Jahre folgen

MÜNCHEN (CW) - Einen in den nächsten Jahren sehr deutlichen Aufschwung wird nach Ansicht des britischen Marktforschungsinstitutes Ovum Ltd. der OSI-Standard X.500 nehmen. Bis zum Jahre 2000 erwarten die Analysten in den USA, Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik jährliche Umsatzraten von insgesamt rund 600 Millionen Dollar mit X.500-Produkten und Dienstleistungen.

In ihrer jüngst vorgestellten Studie "X.500 and the Electronic Directory: the Business Opportunity" verweisen die Londoner Marktexperten auf drei wesentliche Anwendungsbereiche, in denen sich X.500 mittelfristig durchsetzen wird. Zum einen sind dies, wie es in dem Bericht heißt, "benutzerfreundliche Verzeichnisdienste" sowohl für den unternehmensinternen als auch öffentlichen X.400-Datentransfer, die für eine Belebung des bisher weltweit nur schleppend in Gang kommenden Electronic-Mail-Marktes sorgen könnten.

Ferner prognostizieren die Ovum-Experten eine weitere Zunahme von Diensten in der reinen Sprachkommunikation. X.500 wird hier in den nächsten Jahren vor allem eine breite Basis für die Implementierung, Verbindung und Weiterentwicklung elektronischer Telefonverzeichnisdienste (weiße, gelbe oder braune Seiten) bilden. Als dritte X.500-Domäne sehen die Marktforscher die Katalysatorfunktion für neu zu konzipierende Mehrwertdienste, die spezielle Verzeichnis-Management-Services beinhalten.

Gegenwärtig allerdings hat es der CCITT- beziehungsweise ISO-Standard noch, wie die Briten in ihrer Studie konzedieren, schwer, entsprechende Marktakzeptanz zu finden. Grund: Die 1988 verabschiedete Version hat sich als zu wenig stabil erwiesen und die für 1992 vorgesehene Definitionserweiterung muß dann erst noch in Form von Produkten verfügbar werden. Richtig einsetzen dürfte der Aufschwung des X.500-Marktes laut Ovum daher erst Mitte der neunziger Jahre. Demzufolge fällt die Situationsanalyse des heutigen X.500-Marktes relativ ernüchternd aus. Allen falls könne man hier, so Ovum, von einem "Embryonal-Stadium" sprechen. Der Status quo heute- Einige wenige Hersteller wie BT, SNI, Unisys und Retix hätten jetzt erst damit begonnen, X.500-Produkte anzukündigen beziehungsweise auszuliefern.

Gleichwohl, Optimismus sei angesagt - jedenfalls haben, wie die Marktforscher in diesem Zusammenhang feststellen, zumindest nahezu alle X.400-Service-Provider in Aussicht gestellt, in absehbarer Zeit auch X.500-Services anzubieten. Darüber hinaus sei zu konstatieren, so der Ovum-Bericht, daß die meisten großen Anbieter und Hersteller - einschließlich der Systemhäuser - , die sich zu OSI bekennen, die Aufnahme von X.500-Produkten in ihr Angebot angekündigt hätten. Hinzu komme ein "gewisser Druck" von Anwendervereinigungen, die von der OSI-Frage betroffen sind.

Weiterhin große Parallelen und Überschneidungen mit der Marktentwicklung im X.400-Bereich halten die Ovum-Analysten daher für unvermeidlich.

Schon die ursprüngliche Intention bei der Definition des X.500-Standards war, wie es in dem Bericht heißt, "die Unterstützung und Spezifikation von, Verzeichnissen, die bei OSI-konformen Services, speziell den X.400-MHS-Services, erforderlich sind". Unabhängig davon sei X.500 auch als offenes Verzeichnissystem für den generellen Datenaustausch konzpiert.

Schrittmacherdienste in der X.500-Entwicklung erhoffen sich die Londoner Experten vor allem aus Frankreich und den USA. Mit ihrem erfolgreichen Minitel-Projekt haben die Franzosen, so der Ovum-Report, eindrucksvoll dokumentiert, wie sowohl X.400-Services als auch, Telefondienste von einer X.500-Implementierung profitieren können. Im Rückenwind dieses Erfolges habe nun der nationale Mehrwertdiensteanbieter und France Telecom-Ableger Transpac mit "Atlas 11 " den ersten öffentlichen X.500-Service gestartet. Atlas 11 unterstützt auch den X.400-Service "Atlas 400". Parallel laufe bei der France Telecom die Entwicklung eines X.500-Gateways zur Verbindung des auf Videotext basierenden "Teletel" mit international entsprechenden Diensten.

In den Vereinigten Staaten ist es nach Ansicht der Ovum-Fachleute bereits gelungen, die Relevanz von X.500 für die Vernetzung von VAN-Directories nachzuweisen. Vor allem das North American Directory Forum (NADF),.sei in dem sehr wettbewerbsorientierten und deregulierten US-Markt federführend bei der Etablierung des X.500-Standards. Mehr oder weniger alle X.400-Anbieter gingen dort aufgrund zunehmender Forderungen ihrer Kundschaft dazu über, dem Problem der Connectivity ihrer Dienstleistungen oberste Priorität einzuräumen. Um diesem Bedürfnis des Anwenders in Zukunft gerecht zu werden, gibt es, so das Fazit der Studie, weltweit nur eine Antwort: X.500.