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EG-Kommission unterstützt Aktivitäten des Unix-Zirkels:


13.03.1987 - 

X/Open hofft auf mehr Akzeptanz bei Usern

LUXEMBURG (kul) - Kritik am passiven Verhalten der Anwender übte Geoff Morris, Chairman der Unix-Herstellervereinigung X/Open, auf einem Seminar in Luxemburg: "Standardisierungsbestrebungen können nur dann weltweit zum Erfolg führen, wenn sie von den Kunden mitgetragen werden." Vorläufig sei von einem entsprechenden Engagement der User Jedoch wenig zu merken.

Oberstes Ziel der X/Open-Aktivitäten muß laut Morris eine verstärkte Aufklärungsarbeit bei den Usern sein; als erster Schritt dieser Strategie scheine deshalb ein Ausbau der User-Group-Kanäle erforderlich.

Die von den Anwendern oft geäußerte Sorge, für die X/Open-Mitgliedsunternehmen AT&T, Bull, DEC, Ericsson, Hewlett-Packard, ICL Nixdorf, Olivetti, Philips, Siemens und Unisys stelle die Standardisierungsarbeit neben den eigenen Firmenaktivitäten lediglich ein zweites sekundäres Standbein dar, kann Chairman Morris nicht teilen. Die Gruppe, so konstatierte er vor der Presse, verfolge als Organisation gemeinsame Interessen; von einem Konkurrenzkampf im negativen Sinne könne nicht die Rede sein.

Ein weiterer, auch für den Anwender begrüßenswerter, Aspekt der Standardisierungsbestrebungen sind Morris zufolge die geringeren Software-Entwicklungskosten: Jedes Paket müsse nur einmal erstellt werden, denn Anpassungen an die verschiedenen Hardwaresysteme seien nicht mehr erforderlich. Dieser Bonus mache sich für den User in niedrigeren Kosten für Softwareprodukte bemerkbar.

Hardwareunabhängigkeit und ein breites Softwareangebot für den Anwender sieht auch die EG-Kommission als stärkste Pluspunkte der X/Open-Strategie. Nach den Worten von Vincente Parajon Collada, Deputy-Director-General des EG-Ausschusses DGXIII, kommen die Standardisierungsbestrebungen den beteiligten Anbietern nur zugute, da sie sich positiv auf die Konkurrenzsituation auswirken; eine Verzerrung des Wettbewerbs durch die Aktivitäten der X/Open-Gruppe sei nicht gegeben. Vielmehr erfahre die Position der europäischen Anbieter gegenüber der Konkurrenz aus Übersee eine wesentliche Stärkung.

Damit, so betonte auch Walter de Backer, Director of Informatics des DGXIII-Ausschusses, werde die EG-Kommission auch ihrer Aufgabe gerecht, eine Monopolisierung zu verhindern und für Chancengleichheit auf dem europäischen DV-Markt zu sorgen. Eine Forcierung der Standardisierungsbestrebungen liege folglich ganz im Sinne der Europäischen Gemeinschaft.

Um der Forderung nach Herstellerunabhängigkeit gerecht zu werden, habe sich die EG-Kommission im Jahre 1984 für Unix entschieden. Die Förderung der X/Open-Aktivitäten sei folglich ein logischer Schritt in dieser Strategie. Deshalb erkenne die Kommission auch den Portability-Guide der Herstellervereinigung als Standardisierungsrichtlinie an.

Eine Schlüsselbedeutung innerhalb dieser Politik messen die EG-Repräsentanten dem Interface zwischen Unix und der Applikationswelt bei. Dazu de Backer: "Diese Schnittstelle ist sogar wichtiger als Unix selbst. Denn nur wenn es ein solches Interface gibt, bestehen auf dem Weltmarkt gute Absatzchancen für Anwendungspakete, und der Kunde bekommt die gewünschte breite Auswahl an Produkten."

In diesem DV-Weltbild spielt natürlich auch die künftige Unix-Politik der IBM eine entscheidende Rolle. Ob und wann der Branchenprimus zu dem Unix-Zirkel stoßen wird, (siehe CW Nr. 9 vom 27. Februar 1987, Seite 1: "IBM klopft bei der X/Open-Gruppe an), ließ sich in Luxemburg noch nicht erfahren. Der lapidare Kommentar von Chairman Geoff Morris: "X/Open steht allen Interessenten offen. Wenn Big Blue mitmachen will, werden wir sicher keinen Riegel vorschieben."