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14.02.1992 - 

Durch bessere Verfügbarkeit von Standards soll Kritik eingedämmt werden

X/Open lehnt eine erweiterte Anwender-Mitbestimmung ab

MÜNCHEN (CW) - Entgegen früheren Überlegungen, die Stellung der Anwender im Standardisierungsverfahren zu starken hat die X/Open nun klargestellt, daß es für User keine Sonderrechte geben wird. Statt dessen soll der Standardisierungsprozeß künftig auch bei Applikationen transparenter gemacht werden damit sich die Ergebnisse schneller nutzen lassen.

In der Diskussion, ob Anwender innerhalb der Gremien der Standardisierungsorganisation X/Open besondere Mitbestimmungsrechte bekommen sollen, ist eine Entscheidung gefallen. Die X/Open betont wieder, eine Vereinigung von Herstellern zu sein.

Dem gesunkenen Ansehen und Einfluß der X/Open bei Anwendern, die Kritik am schleppenden Definitionsprozeß von Standards für offene Systeme erben, versucht die Gruppe jetzt anders zu begegnen. Anwender können zwar die Anforderungsprofile erstellen, sie sind jedoch für die Hersteller nicht verbindlich.

Dem Anwenderbeirat, obliegt die Durchführung von Befragungen im Rahmen des "Xtra"-Programms. Die dabei ermittelten Anforderungen an offene Systeme gehen in die fortlaufende aktualisierte "Open Systems Directive" (OSD) ein, deren erste Fassung vorliegt.

Eine weitergehende Mitbestimmung der Anwender wird abgelehnt. Dem Vorschlag, im Board of Directors der X/Open neben den Vertretern von DV-Herstellern mehr als einen Anwender kostenfrei aufzunehnen, wurde eine endgültige Absage erteilt. Petr Janecek, den Bereich "Connectivity Strategy" leitender Manager, bezeichnete solche Pläne als "lächerliche Idee".

So etwas gebe es in keiner anderen Branche; wer mitbestimmen wolle, solle auch Mitgliedsbeiträge bezahlen. Die Kosten sollen sich einschließlich Nebenaufwendungen auf nicht weniger als eine Million Dollar pro Jahr belaufen.

"Ich glaube nicht, daß eine größere Zahl von Anwendern im Direktorium etwas ändern würde", meinte Janecek. "Ich höre viel über Anwender aber wenig über Verantwortung." Von Usern gemachte Standards seien zwar nett, "aber Standards, die von den Herstellern nicht implementiert werden, sind sinnlos."

Allerdings qualifiziert der Connectivity-Manager auch viele von Herstellern verkündete Standards als "heiße Luft" ab. Die X/Open könne hingegen Spezifikationen mit internationaler Anerkennung vorweisen. 1991 habe das Unternehmen 30 Spezifikationen herausgegeben, in diesem Jahr dürften es genauso viele werden. Der nächste "X/Open Portability Guide", XPG4, werde ein Volumen von 15 Bänden haben, während der XPG3 noch in sieben Bände paßt.

Drei X/Open-Spezifikationen sind derzeit Abstimmungsvorlage für fast entscheidungsreife IEEE-Standards: "Transport Interface" (XTI) für die Posix-Gruppe 1003.12, "API to Directory Services" (XDS) für P1003.17 und "API to Electronic Mail" (X.400) für P1224. Vor wenigen Tagen wurde die Objekt-Management-API (XOM) unter dem Titel "OSI Abstract-Data Manipulation API" angenommen.

X/Open betont die Notwendigkeit, die große Zahl von Spezifikationen für die Anwendungspraxis übersichtlich und effektiv nutzbarer zu halten. Zu diesem Zweck will das Unternehmen "Profiles" erstellen, die zu Anwendungsbereichen geordnet alle verbindlichen Spezifikationen zusammenfassen. Dadurch könnten Projektausschreibungen für Anwender wie Anbieter erleichtert werden.

Neu in Angriff nimmt X/Open ein vor drei Jahren gestartetes Programm zur Auszeichnung von Anwendungen für Übereinstimmung mit XPG-Standards, das bisher keine Erfolge zeitigte. Die alte Schwäche beim "Application Branding" soll bei der "Application Registration Initiative" (ARI) dadurch ausgeglichen werden, daß in dem neuen Programm die Bedingungen für die Vergabe eines Markenzeichens definiert sind.

Um das begehrte - bisher bei Hardware sehr erfolgreiche X/Open-Label zu erhalten, haben die Programme verschiedene Kriterien zu erfüllen. Zunächst muß ein Produkt auf mindestens zwei XPG getesteten Plattformen mit unterschiedlichen Architekturen einsetzbar sein. Darüber hinaus sollen Schnittstellen zu anderen Plattformen gepflegt werden.

Applikationen müssen mit einem von der X/Open freigegebenen oder registrierten "Enabler" entwickelt worden sein. Und schließlich hat die Software auf derjenigen Plattform verfügbar zu sein, die der Anbieter unterstützen will. Das ARI-Programm soll Mitte April 1992 wirksam werden, wenn die X/Open das erste "Registrated Application Directory" solchermaßen geprüfter und akzeptierter Software herausgibt.