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04.10.1991 - 

Für die Realisierung anwenderbezogener Projekte

X/Open will die Benutzer demnächst zur Kasse bitten

MÜNCHEN (qua) - Aufgeschreckt durch Unmutsäußerungen und Eigenaktivitäten der DV-Kunden (vergleiche CW Nr. 35 vom 30. August 1991, Seite 1: "Anwender wollen bei Standards keine Bummelei mehr zulassen") will die X/Open Ltd. ihre Arbeit künftig stärker an deren Forderungen ausrichten. Im Gegenzug sollen sich die Benutzer selbst stärker engagieren - mit Manpower und mit Geld.

Die Anwender sind mit der Arbeit der X/Open Ltd. nicht mehr Zufrieden. Die Open-Systems-Vereinigung, deren XPG-Spezifikationen - zumindest in Westeuropa - für viele Unternehmen und Behörden die conditio sine qua non ihrer DV-Beschaffungen darstellen, steht seit einiger Zeit in dem Ruf, sich nicht genug um die Belange der Benutzer kümmern.

Die schlechte Stimmung ist auch dem X/Open-Management nicht verborgen geblieben. Dazu X/Open-Präsident Geoff Morris: "Der große Trend, den wir seit Ende der 80er Jahre beobachten konnten, ist der, daß die Anwender frustriert sind, weil sie den Nutzen offener Systeme nicht

schnell und problemlos genug bekommen können. "

Als Folge dieser "Frustration" haben sich mehrere User-Gruppen zusammengefunden, um ihren Forderungen selbst Nachdruck zu verleihen. Diesem Trend will Morris Einhalt gebieten, da er die X/Open auch als legitime und schlagkräftige Interessenvertretung der Anwender begriffen wissen möchte.

Allerdings leugnet der X/Open-Präsident nicht, daß die Vereinigung, die derzeit von 21 Herstellern finanziert wird, vielen der von Benutzerseite gestellten Ansprüche bislang nicht genügen konnte: "Eine Reihe von Anforderungen, die die Anwender kürzlich an uns gestellt haben, ist noch nicht realisiert; dazu gehört beispielsweise ein konkreter Leitfaden für die Ausschreibung, Beschaffung und Implementierung von offenen Systemen".

Daß diese Anwenderforderungen, die sich aus dem von X/Open-initierten Marktforschungsprogramm "Xtra" herauskristallisiert haben, bislang unerfüllt blieben, begründet Morris zum einen mit der Tatsache, daß das Konsortium "bislang nur vom Standpunkt des Herstellers an die Sache herangegangen" sei, zum anderen aber auch mit dem Hinweis auf die Kosten solcher Projekte: "Dafür hatten wir einfach keine Ressourcen."

Grundsätzlich sei die X/Open bereit, das zu leisten, was die Anwender von ihr erwarteten. Im Gegenzug sollen die Benutzer jedoch den dafür erforderlichen Aufwand mittragen. O-Ton Morris: "Wenn sie wollen, daß wir ihnen das geben, dann werden wir das tun; aber wir brauchen ihre Hilfe in Form von personellen und finanziellen Ressourcen."

Wie das konkret vonstatten gehen soll, hat das X/Open-Management noch nicht entschieden. Die für den November dieses Jahres geplante "Xtra"-Konferenz wird möglicherweise mehr Licht in diese Sache bringen. Zunächst, so Morris, ist es erforderlich, die Programme, Projekte und Dienstleistungen zu ermitteln, die den Bedürfnissen der Anwender entsprechen. "Für etwas, das den Anwendern keinen Nutzen bringt, werden sie sicher weder Zeit noch Geld investieren", erläutert der X/Open-Chef.

Eine der Möglichkeiten, die Morris ins Kalkül zieht, besteht darin, die Benutzer auf der Basis einzelner Projekte zu beteiligen. Je mehr DV-Kunden an einem solchen Projekt partizipieren, desto geringer wäre der Aufwand für das einzelne Unternehmen. Deshalb ruft die X/Open alle an offenen Systemen interessierten Anwender auf, in die Realisierung ihrer Forderungen zu investieren.

Den Vorwurf, er wolle mit dieser Aktion lediglich die finanzielle Lage der X/Open verbessern, will Morris nicht gelten lassen: "Das soll keine Methode sein, um Geld zu beschaffen, sondern ein Weg, auf dem wir den Anwendern von Nutzen sein können. Wir würden sie nicht einladen, die Kosten mit uns zu teilen, wenn wir nicht erwarten würden, daß sie wirklich etwas davon haben."

Darüber hinaus hofft der X/Open-Präsident, auf diese Weise der erwähnten Frustration gegensteuern zu können.. Und last, but not least, soll die Kooperation mit den Anwendern auch der von X/Open angestrebten "Common Application Environment" (CAE) zugute kommen.

Dieser Bericht basiert auf einem Gespräch, das CW-Redakteurin Karin Quack mit Geoff Morris führte und das in der nächsten Ausgabe der COMPUTERWOCHE veröffentlicht wird.