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04.10.1991 - 

Comix-Leitfaden mit Anwendungs-Szenarios

X/Open zeigt Migrationspfade von TCP/IP- zu OSI-Normen auf

Die OSI-"Propaganda" der 9 letzten Jahre täuscht oftmals darüber hinweg, daß Anwender ihre bereits vorhandenen Systeme und Netze nicht einfach ausrangieren können. Verstärkt gefragt sind daher Strategien, die Übergänge insbesondere von TCP/IP zu OSI gewährleisten. Petr Janecek* widmet sich dem neuen X/Open-Leitfaden Comix, der Möglichkeiten der Koexistenz beider Protokollwelten aufzeigt.

Jedes größere Unternehmen verfügt über mehr als ein Netzwerk. Dabei variieren die Protokolle je nach Art der eingesetzten Computer. Das liegt zum einen an dem Bestreben der Hersteller, den Markt mit ihren proprietären Lösungen zu monopolisieren, zum anderen an dem unentwegten Bemühen um höhere Effizienz, was eine noch weitergehende Diversifizierung der Netzwerkprotokolle mit sich gebracht hat.

Der Schutz der Investitionen

Um dieser Fragmentierung der Datenkommunikation, ausgelöst durch eine Vielzahl unterschiedlicher proprietärer Protokolle, zu begegnen, hat die International Standard Organization (ISO) 20 Jahre lang an einer Reihe von Dienstprogrammen und Normen gearbeitet, die unter dem Oberbegriff Open System Interconnect kurz: OSI, zusammengefaßt werden. Mit ihrer Hilfe wollte man die Verbindung unterschiedlicher Systeme miteinander ermöglichen.

Kein Wunder also, daß mittlerweile viele Behörden und Unternehmen die Anwendung der OSI-Protokolle in neu zu installierenden Netzwerken verlangen. Aufgrund der breiten Akzeptanz dieses Netzwerkstandards wird vielfach angenommen, daß OSI in Zukunft die Netze dominieren und andere Protokolle verdrängen wird.

Doch wie groß der zukünftige Marktanteil der OSI-Netzwerke auch immer sein mag, die Anwender werden sich allemal vor das Problem gestellt sehen, daß sie die beträchtlichen Summen, die sie in ihre Netze investiert haben, schützen müssen. Also ist es erforderlich, eine Möglichkeit der Koexistenz mit OSI zu finden. Außerdem müssen Strategien entworfen werden, um von den verschiedenen Protokollsammlungen zu OSI zu migrieren.

X/Open, der Zusammenschluß der weltgrößten Computerhersteller zur Schaffung eines Marktes für offene Systeme, stell sich in diesem Zusammenhang insbesondere die Frage, was mit jenen Netzwerken geschehen wird, die zur Zeit mit IPS (Internet Protocol Suite, auch unter der Bezeichnung TCP/IP bekannt) als herstellerunabhängigem De-facto-Standard der Unix-Welt arbeiten.

Im Herbst dieses Jahres will die X/Open daher ihren Leitfaden zur IPS-OSI-Koexistenz und Migration, Comix, veröffentlichen. Die Comix-Ausführungen beginnen mit einer Darlegung des Problemkreises aus der praxisorientierten Perspektive von Netzanwendern. Ausgangspunkt sind die tatsächlich bestehenden Kommunikationsumgebungen von namentlich nicht genannten Firmen. Für die verschiedenen Netzwerk-Environments werden Szenarien entworfen, wobei in jedem Anwendungsbeispiel die jeweils spezifischen IPS-Aspekte Vorrang haben.

In Szenario eins zeigt Comix die Grundprobleme des Migrationsprozesses anhand einer einfachen IPS-Anwendung in einem Netz mit Unix-basierten Rechnern. In einem zweiten Szenario wird IPS zur Übertragung von Dateien zwischen verschiedenen Systemen benutzt; hier dient TCP/IP als gemeinsame Sprache in einem von proprietären Protokollen geprägten Netzwerk.

Schwächen und Stärken der Protokollsammlungen

Ein weiteres Anwendungsbeispiel beschreibt eine Umgebung von Workstations zur Applikationsentwicklung mit verteilten DV-Prozessen und kleinen Steuerungs- und Kontrolleinheiten.

Am bedeutsamsten ist wohl das Szenario einer Organisation, die ihre Netzinfrastruktur ausbauen will. Hier ist die Umstellung eines kleinen IPS-Netzes mit Unix-Systemen auf eine größere OSI-Verbundlösung vorgesehen. Im Rahmen der Migration spielen insbesondere Fragen der Performance, der Verfügbarkeit und etwaiger Übertragungsverzogerungen eine wichtige Rolle.

Im letzten Szenario wird ein hierarchisches Netzwerk mit hohen Ansprüchen an die Interoperabilität der Systeme dargestellt. In diesem Fall erweist sich die Migration als besonders schwierig, und die Vorzüge von OSI lassen sich nicht ohne weiteres erkennen.

Für jedes Unternehmen ist es unerläßlich, die Schwächen und Stärken der zwei genannten Protokollsammlungen zu kennen, bevor das Management und die für die Netzwerkarchitektur Zuständigen eine Entscheidung in Sachen Koexistenz und Migration treffen können. Aus diesem Grunde besteht die vorrangige Aufgabe von Comix darin, die jeweilige Funktionalität: der beiden Protokollsammlungen zu vergleichen. Dabei werden zunächst mit Hilfe des Referenzmodells die Funktionen jedes Stacks aufgelistet und dann die Verarbeitungsmöglichkeiten in den einzelnen Schichten miteinander verglichen. Für IPS bezieht sich Comix auf den IPS-Leitfaden (XGIPS) von X/Open, der Aufschluß darüber gibt, was kommerziell verfügbare IPS-Implementierungen heute in der Regel leisten können.

Auf diese Weise entstand, ohne daß dies eigentlich beabsichtigt gewesen wäre, ein IPS-Profil, das es Beschaffern, System-Integratoren und Software Entwicklern ermöglicht, von Beginn an eine hohe Interoperabilität zwischen den verschiedenen Systemen herzustellen.

Jede User-Organisation muß ihre eigene Politik der Migration definieren und entscheiden, wohin, wann und zu welchem Zweck Übergänge geschaffen werden sollen und welcher Grad an Interoperabilität zwischen OSI und IPS während des Migrationsprozesses gewährleistet sein muß. Comix benennt die Faktoren, die beim Entwurf einer einschlägigen Strategie zu berücksichtigen sind. Dazu zählen das Verhältnis von Kosten und Nutzen, Folgewirkungen auf der Benutzerseite - wie zum Beispiel Nachschulungen, neue oder abzuändernde Handbücher - und nachteilige Auswirkungen auf die Qualität des Services.

Der Comix-Leitfaden setzt sich auch mit dem Problem der Netzwerkanwendungen auseinander. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Vorgehensweisen: Man kann die jeweils verwendete Benutzerschnittstelle beibehalten, um den Endbenutzern die Migration zu erleichtern, oder die Endbenutzer zwecks Anwendung von OSI nachschulen. Hierdurch entfällt die Notwendigkeit, die alte Schnittstelle auf die neue Anwendung aufzusetzen. Als Applikationen für eine schnelle Migration kommen am ehesten E-Mail und der Dateitransfer in Frage.

Schließlich müssen noch die Auswirkungen der Migration im Hinblick auf Netzkomponenten wie Kabel, Bridges, Router und Terminalserver mit LAN-Gateways berücksichtigt werden. Comix erörtert sieben verschiedene Techniken, mit denen sich Koexistenz und Migration realisieren lassen. Wichtige Stichworte in diesem Zusammenhang sind duale Protokoll-Stacks, Universalanwendungen, allgemeine Schnittstellen für die Anwendungsprogrammierung und Transportschaltung.

Im Anschluß an die Erläuterung der Techniken wird etwa ein Dutzend spezifischer Software-Tools beschrieben, die der Anwender zur Implementierung der genannten Verfahren benötigt. Dabei läßt sich nicht jeder Technik ein bestimmtes Tool zuordnen: Eine einzelne Methode kann den Einsatz mehrerer Tools erforderlich machen, oder ein Werkzeug eignet sich für verschiedene Techniken. Comix listet die funktionalen und operationalen Anforderungen an diese Tools auf. X/Open geht im übrigen davon aus, daß die Vertreiber von Netzwerksoftware solche Tools demnächst im Paket anbieten.

Kein Kochbuch, sondern Leitfaden

Das letzte Kapitel des Leitfadens nimmt eine Synthese vor, indem es die Verwendung der genannten Tools und Verfahren in den eingangs aufgeführten Szenarien beschreibt.

Comix ist kein Kochbuch, in dem jedermann eine Anleitung finden könnte, deren getreue Befolgung ihm die erfolgreiche Bewältigung seiner Koexistenz und Migrationsprobleme garantiert. Aber es soll ein Leitfaden sein, der eine Zusammenschau vieler technischer und strategischer Aspekte liefert, die bei der Koexistenz und Migration von IPS zu OSI zu berücksichtigen sind. Er stellt den Versuch dar, Entwicklern von Netzwerkkomponenten, Anwendungsentwicklern, Systemintegratoren, Einkäufern, Beschaffungsabteilungen, Migrations- und anderen Netzwerkspezialisten sowie Vertretern der End-User, die mit der Implementierung von OSI-Systemen oder -Netzen befaßt sind, einen ausführlichen Ratgeber an die Hand zu geben.

*Petr Janecek ist Connectivity Strategy Manager von X/Open in London.