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19.07.1991

X-Window-Systeme können nicht immer PCs ersetzen, aber

X-Terminals gelten bei CASE als eine preiswerte Alternative

X-Terminals haben sich erstaunlich schnell als Arbeitsplatzalternative zu vernetzten und verteilten Systemen etabliert. Sie erfreuen sich seit gut zwei Jahren steigender Nachfrage und auch exzellenter Aussichten für die nähere Zukunft. Wolfgang Jugl* beschreibt typische X-Terminal-Umgebungen.

Wer jemals vor einem hochauflösenden Farbbildschirm saß und sein Tagwerk mit Hilfe einer komfortablen und leistungsfähigen fensterorientierten grafischen Benutzeroberfläche - wie etwa dem X-Window-System mit Multitasking-Fähigkeiten - erledigte, wird die Rückkehr an ein "klassisches" alphanumerisches Terminal als unangenehmen Rückschritt empfinden.

Andererseits stößt das Verlangen, "einfache" Sachbearbeiter mit einem netzwerkfähigen PC einschließlich VGA-Farbbildschirm oder gar mit einer Workstation auszurüsten,

häufig auf den Wiederstand des Managements: zum einen aus Kostengründen, zum anderen aus Überlegungen zu Datensicherheit und -integrität. Sowohl PC als auch Workstation erlauben es, Daten lokal zu manipulieren und - sieht man einmal vom Sonderfall der plattenlosen vernetzten Workstation ("diskless node") ab - auch lokal zu speichern. So entstehen unterschiedliche Versionen von Datenbeständen, was eigentlich vermieden werden soll.

Hohes Maß an Datensicherheit

X-Terminals, die Nachfolger der alphanumerischen Terminals in zentral organisierten, großrechnerorientierten DV-Systemen, bieten grafische Oberflächen und ein hohes Maß an Datensicherheit. Sie sind zwar teurer als einfachere Terminals, bieten dafür aber eine standardisierte grafische Benutzeroberfläche (X.11).

Sie helfen relativ kostengünstige Arbeitsplätze in vernetzten und verteilten (insbesondere auch Client-Server-)Systemen mit hohen Ansprüchen an die Qualität der Grafik und an die Leistung der Fensterverwaltung zu realisieren, sofern diese Arbeitsplätze keine lokale Speicher- und Verarbeitungsmöglichkeiten benötigen oder diese Fähigkeiten nicht erwünscht sind.

X-Terminals eignen sich vor allem für kleine Teams (Companion Computing), Abteilungen (Workgroup Computing) und verteilte Systeme (Distributed Computing). Companion Computing ist gekennzeichnet durch eine überschaubare Anzahl von miteinander vernetzten Workstations; ein typisches Beispiel dafür stellt die mechanische Konstruktion und Entwicklung dar. Die X-Station ermöglicht es, diese Konfiguration sehr kostengünstig um einen CAD-tauglichen Arbeitsplatz zu erweitern. Die Leistung der vorhandenen Workstations ist im allgemeinen ausreichend, um die neu hinzugekommene X-Station zu bedienen.

Ein Exempel für das Workgroup Computing sind mehrere X-Terminals, die von einem leistungsfähigen Server mit Rechenleistung versorgt werden. Bei einem typischen Arbeitsablauf in der rechnergestützten Software-Entwicklung (CASE) wechseln lange Phasen geringer Leistungsanforderungen

- Schreiben von Quelltext, Abrufen von Bibliotheksinhalten, Erstellen von Benutzeroberflächen - mit kurzen, aber rechenintensiven Phasen wie Kompilierläufen ab.

Große verteilte Distributed-Computing-Systeme für die On-line-Transaktionsverarbeitung oder auch für unternehmensweite Datenbank-Applikationen überspannen Standorte, Länder und sogar den ganzen Globus. Sie stützen sich auf eine Vielzahl von spezialisierten Computern - etwa Datenbank-, Arithmetik- und Kommunikations-Server - , auf die der Anwender über die X-Terminals und deren einheitliche, konsistente Benutzeroberfläche zugreift, ohne von der Komplexität des dahinterstehenden Netzwerks etwas zu merken.

Ganz allgemein bieten X-Terminals die kostengünstigste

Möglichkeit, zu einem vorhandenen Netzwerk aus Workstations oder Großrechnern und Terminals Arbeitsplätze mit Multitasking-Fähigkeiten und einer grafischen Benutzeroberfläche hinzuzufügen. Sie nutzen die ansonsten brachliegenden Rechenleistungsressourcen in einen Netzwerk.

Aber nicht in allen Anwendungsfällen können X-Terminals PCs oder Workstations ersetzen. X-Terminals sind dann attraktiv, wenn Software und Daten in einem zentralen Netzwerkknoten verwaltet werden sollen. Bei vielen X-Terminals stellt die Netzwerkleistung keinen entscheidenden Faktor dar.

Die Transfergeschwindigkeiten sind inzwischen so hoch, daß der Anwender nicht mehr zwischen dem lokalen und dem netzwerkweiten Speichern und Lesen von Daten unterscheiden kann.

In Konfigurationen, in dennen die Anwendungen zentral gespeichert werden, die User jedoch über lokale Rechenleistung verfügen, kann die Netzwerkbelastung durch einen PC oder eine Workstation auch durchaus höher sein, als durch ein X-Terminal. Grund dafür: Ein lokaler Prozessor erfordert den Transfer großer Dateien, die sowohl Daten als auch Verarbeitungsinstruktionen enthalten. Dagegen benötigen die X-Terminals lediglich die Übertragung kurzer Pakete von Darstellungsanweisungen.

Die Anwender akzeptieren die Vorzüge der X-Terminals, was sich in den stark steigenden Verkaufszahlen niederschlägt. Interessant dabei ist, daß das Mengenwachstum trotz des Preisverfalls der Hardware vom einem nahezu parallelen Wert- zuwachs begleitet wird. Das liegt in der Hauptsache an einem Trend zu hochwertigen Farbversionen mit hoher Auflösung, sei es bei der Ablösung vorhandener monochromer Terminals oder bei der Neuinstallation.

Der Erfolg der X-Terminals, wird sich fortsetzen, wenn sie weiterhin mit der Leistungsentwicklung von PCs und Workstations Schritt halten können. Das bedeutet: keine schrittweisen, sondern sprunghafte Verbesserungen in Leistung und Preis.