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26.08.1983 - 

Jumbo-Benutzer üben Zurückhaltung gegenüber Quadroprozessor des Marktführers:

XA-Voraussetzung bremst IBM-3084Q-Interesse

STUTTGART - Noch vor Auslieferung der ersten 3084 Q kommt der im September letzten Jahres angekündigte IBM-Prozessorkomplex ins Gerede. Da es Benutzerangaben zufolge bisher europaweit weder eine Testmaschine gibt, noch der Marktführer präzise Performance-Werte angeben will, vermuten Systemspezialisten, daß Schwierigkeiten mit dem Quadro-Konzept aufgetreten seien. IBM-Beobachter raten denn auch von einem voreiligen Kauf der 3084 ab, da zudem das Announcement der vieldiskutierten Future-Serie "Sierra" bereits im Herbst 1984 erfolgen könne.

Die Vorgehensweise bei der Einführung des neuen Quadroprozessors ist freilich untypisch für die bisherige Marschrichtung der Stuttgarter. Werden First-Shipments in der Regel etwa ein halbes Jahr vor dem offiziellen Ankündigungstermin vorgenommen, so wundern sich IBM-Benutzer, daß es in Europa bis heute vermutlich noch keine 3084-Installationen gibt. Interessenten konnten den Rechnerkomplex bisland nur in den Testlabors von Poughkeepsy oder Montpellier besichtigen.

Die Meinungen über eine derartige Zurückhaltung des Marktführers gehen auseinander. Konstatiert Comdisco-Chef Michael Begsler, der sich in seinem Brokerhaus seit Jahren mit der Vermarktung von IBM-Jumbos befaßt: "Die fehlenden Testinstallationen sind ein Zeichen dafür, daß IBM bei der 3084 äußerst vorsichtig taktiert." Andere Marktbeobachter meinen, Big Blue habe offenbar das Vier-Prozessor-Konzept noch nicht völlig im Griff. Fraglich sei vor allem, wie die Stuttgarter vier Zentraleinheiten zusammenschalten wollen, ohne große Performance-Verluste hinnehmen zu müssen. Nicht einmal die Vertriebsbeauftragten aus der Schwabenmetropole könnten erklären, wie die CPUs bei zwei Kanalprozessoren miteinander kommunizieren sollen, heißt es in IBM-Benutzerkreisen. Es wird denn auch angenommen, daß bei der 3084 - wie bei früheren MP-Versionen der Serien /370 und 303X - "Handshaking-Aktionen" erforderlich seien, die beträchtliche Performance-Verluste bewirken könnten.

Bedenken werden auch von DV-Verantwortlichen eines der größten deutschen Anwendern, der Nürnberger Datev e. G., geäußert. Die von der IBM mit einem Faktor von bis zu 1,9 (bei Batch-Anwendungen) gegenüber der 3081 K angegebenen Leistungswerte seien wesentlich zu hoch angesetzt. Ein durchschnittlicher Faktor von 1,6 bis 1,7 sei hier wesentlich realistischer, sagen auch andere Großrechnerbenutzer. Die Datev hat sich inzwischen gegen eine 3084 und für ein System 7.990, den größten Jumbo der Siemens AG, entschieden.

Ob die vermuteten Performance-Einbußen beim Quadroprozessor durch den Einsatz von Extended Architecture (XA) abgefangen werden können, ist umstritten. Zwar hat die IBM die 3084 bereits als reine XA-Maschine deklariert, doch die durch das Zusammenschalten von vier Prozessoren womöglich schwindende Leistung, so Großrechnerprofis, könne durch die Erweiterte Architektur nicht aufgefangen werden. Auf der heutigen Maschinengeneration könne XA nur einen Teil der Effekte beseitigen, die beim Einsatz von Multiprozessoren auftreten.

Den zwingenden Einsatz von XA auf der 3084 werten IBM-Beobachter denn auch als Grund für die momentane Zurückhaltung gegenüber dem Quadrosystem. In Deutschland gibt es dem Vernehmen nach bis heute nur zwei XA-Anwender, die Datenverarbeitungsgesellschaft der Niedersächsischen Sparkassenorganisation mbH (DVG) in Hannover und die Gesellschaft für Automatische Datenverarbeitung mbH in Münster. Beide Unternehmen gehören hierzulande zusammen mit der Commerzbank AG zu den ersten 3084-Bestellern.

Eine wichtige Voraussetzung für den künftigen Einsatz des Quadroprozessors war in Hannover wie in Münster, daß man die XA-Konvertierung weitgehend abgeschlossen habe, bestätigen die jeweiligen DV-Verantwortlichen. Das Risiko sei zu groß, heißt es auch bei der Datev, die Erweiterte Architektur gleichzeitig mit einer völlig unbekannten Hardware einzusetzen. Zunächst müsse man über die nötige XA-Erfahrung verfügen, bevor ein 3084-Einsatz ernsthaft in Erwägung gezogen werden könne.

Bei derartigen Erfordernissen hat die IBM nach Ansicht von Kritikern die Auslieferungstermine für XA und der 3084 keinesfalls optimal aufeinander abgestimmt. Während die ersten "Quadros" bereits im September verfügbar seien, lägen bei einer größeren Anzahl von Benutzern die ersten XA-Erfahrungen erst etwa Mitte 1984 vor.

Einen weiteren Grund für die derzeitige 3084-Abstinenz sehen IBM-Beobachter auch im hohen Preis der Maschine. Der mit 23 Millionen

Mark ausgewiesene und nur per Kauf erhältliche Prozessorkomplex kostet mehr als das Doppelte einer 3081 K und etwa 80 Prozent mehr als die leistungsmäßig vergleichbaren Amdahl- und Siemens-Maschinen. IBM-Broker sind der Auffassung, daß der Marktführer mit einem "strategischen Preis" operiere, indem er indirekt signalisiere, die Maschine sei nur eine "Übergangslösung", man solle möglichst die Hände davon lassen.

Mittlerweile bieten die Stuttgarter eine weitere Variante an, um die Leistung einer 3084 zu erreichen. Die Benutzer können mit der Upgradehilfe "RBQ 8P0926" (US-Preis: 290 000 Dollar) zwei 3081 K zu einem Quadroprozessor zusammenschließen. Aber auch bei dieser Möglichkeit ist das Preisgefüge relativ undurchsichtig. Eine 3081 K kostet derzeit etwa 10,5 Millionen Mark. Das bedeutet, daß der Einsatz von zwei dieser Maschinen - und die 3084 ist im Grunde nichts anderes - grob 1,5 Millionen Mark billiger ist als die Installation eines Quadros.

3084 nur für PCM-Abweichler

Eine interessantere Preiskonstellation können 3081 K-Benutzer erreichen, wenn sie eine weitere Gebrauchtmaschine erwerben. Zudem haben sie die Möglichkeit, die K-Prozessoren zu mieten und brauchen somit auch nicht gleich 23 Millionen auf den Tisch zu legen. Diesen Weg will dem Vernehmen nach auch die GAD in Münster gehen.

Wie aus Anwenderkreisen zu erfahren ist, sollen IBM-Vertriebsbeauftragte hin und wieder schon mal vom Kauf eines Quadroprozessors abgeraten haben. Lediglich Benutzern, die mit einer PCM-Maschine liebäugeln, werde die 3084 empfohlen. Dennoch werde der Marktführer gezwungen sein, sagen Beobachter der Stuttgarter DV-Szene, weltweit eine kleine Anzahl von Maschinen auszuliefern. Angesichts der augenblicklichen Aktivitäten japanischer Computerbauer könne es IBM sich nicht leisten, nur einen Fußbreit Großrechnerterrain aufzugeben.

Bei Trilogy kommt IBM ins Grübeln

Auch die Anstrengungen eines Gene Amdahl, der augenblicklich mit einer neuen Großrechnergeneration von sich reden macht, muß Big Blue bei seinen künftigen Jumbo-Strategien berücksichtigen. Seit sich Digital Equipment bei der Amdahl-Company Trilogy eingekauft hat, verfügt der US-Konstrukteur über das notwendige finanzielle Polster, um sich eine Marketing- und Vertriebsorganisation aufbauen zu können. Kriegt er den Produktionsprozeß kurzfristig zum Laufen, könnte er schon bald eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu IBMs High-end-Geschäft darstellen, sagen US-Branchenauguren.

Derartige Spekulationen geben Marktbeobachtern auch Anlaß dazu, zu glauben, der Marktführer werde die Ankündigung der heißdiskutierten Sierra-Serie bereits in den Hei(..) 1984 vorverlegen. Wie US-Reise(...) in Sachen Großrechner berichten, stehen die ersten Sierra-Prototypen bereits fertig im IBM-Forschungslabor in Poughkeepsy. Für das amerikanische Marktforschungsunternehmen Gartner Group nimmt die neue "Future-Serie" des Marktführers bereits feste Konturen an. Demnach soll das erste von fünf Modellen (Codename "Morgan") mit etwa 29 Mips im zweiten Quartal 1985 ausgeliefert werden. Die größte Sierra-Maschine "Buckhorn" (44 Mips) käme zusammen mit drei weiteren Systemen "Creston" (6,5 Mips), "Lago" (14 Mips) und "Indian" (19 Mips) - ein halbes Jahr später zum Anwender.

Jumbo-Image aufpolieren

Daß sich aber trotz der bevorstehenden Sierra-Ankündigung die 3084 als absoluter Flop erweisen könne, wollen selbst IBM-G(...) nicht glauben. Sie werten zwar, das Quadro-Announcement nach wie vor als einen Schuß gegen die PCM-Anbieter und als eine Maßnahme Big Blues, sein Image als Jumbo-Bauer aufzupolieren, meinen jedoch, daß der Marktführer nach den Problemen mit der inzwischen abgelösten 3081 D inzwischen bedeutend vorsichtiger geworden sei.